Sprache & Kommunikation

Akzeptieren, annehmen oder zulassen?

Die deutsche Sprache hat so ihre Tücken, vor allem auch dadurch, weil sie mit Fremdworten gespickt ist.

Ich schreibe öfters, man soll Dinge und Situationen annehmen, weil sie in dem Moment, wo sie passieren, nicht zu ändern sind. Ich sage auch manchmal, man soll Dinge, die einem nicht passen, nicht akzeptieren. Annehmen ja – akzeptieren nein? Sind annehmen und akzeptieren zwei verschiedenen Dinge.

Was macht man, wenn man in der deutschen Sprache nicht weiter weiß? Man schaut in den Duden. Und das habe ich getan:

Akzeptanz kommt vom lateinischen „accipere“ und das heißt so viel, wie „für gutheißen“, „annehmen“, „billigen“. Das zugehörige Verb akzeptieren wird verstanden als annehmen, anerkennen, einwilligen, hinnehmen, billigen, mit jemandem oder etwas einverstanden sein.
Annehmen wird definiert als etwas (gerne, ohne Bedenken) entgegennehmen, nicht zurückweisen, mit etwas einverstanden sein, mit etwas übereinstimmen.

Laut Duden sind also akzeptieren und annehmen dasselbe. Das ist aber nicht das, was ich meine. Ich meine, wenn mir eine Sache nicht passt, kann ich sie zwar in dem Moment nicht ändern, aber ich kann im nächsten Moment beginnen, etwas zu verändern. Ich kann es auch lassen, dann habe ich das, was mir eigentlich nicht passt, akzeptiert und darf mich hinterher auch nicht weiter beschweren.

Wenn ich etwas annehme, also wirklich „an mich nehme“, ist es Teil von mir. Wenn ich das nicht will, kann ich es nicht „an mich nehmen“.

Welches Verb passt nun dazu? Vielleicht das Verb zulassen. Zulassen bedeutet laut Duden „nichts unternehmen, um etwas Bestimmtes zu verhindern“, „geschehen lassen“, „dulden“, „tolerieren“. Es heißt aber auch „die Möglichkeit zu etwas geben“, „ermöglichen“, „gestatten“. Wenn ich etwas zulasse, dann gestehe ich mir (und anderen) ein, dass es sein darf. Das ist erst einmal gut. Alles darf sein, egal, ob es mir passt oder nicht. Indem ich etwas zulasse gebe ich mir (und anderen) die Möglichkeit, es zu ändern. Ich gestatte mir (und anderen) Veränderung.

Also, wenn mir in Zukunft etwas nicht passt, lasse ich es zu – es darf sein – und gebe mir die Möglichkeit, es zu verändern – oder es zu akzeptieren. Je nachdem.

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Autor: Mirko Seidel am 24. Mai 2017 14:35, Rubrik: Sprache & Kommunikation, Themen, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben, Trackback-URL

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