Depressionen

Altersdepression – von 100 auf 0

Geschafft! Die Rente ist erreicht. Endlich! Kein Stress mehr, kein schlecht gelaunter Chef, keine nervigen Kollegen. Ruhe! Endlich Ruhe! Und Zeit … viel Zeit. Zeit für die Kinder, die Enkel, für Reisen, Sport, Hobbys und endlich mal Zeit für sich selbst.

Herrlich, so ein Rentnerdasein. Oder doch nicht? Millionen von Arbeitnehmern sehnen sich nach dem Tag, an dem sie ihr Renteneintrittsalter erreicht haben. Dann wollen sie all das nachholen, Was sie Jahrzehntelang nicht geschafft haben. Und dann ist er da, der so lang ersehnte Tag. Der Tag, an dem es für viele von 100 auf 0 geht – mit fatalen Folgen.

20% der älteren Menschen leiden an einer Altersdepression, in Pflegeheimen steigt dieser Anteil auf 30 bis 40%. Warum fallen viele ältere Menschen bei Erreichen der Rente in ein Loch aus Niedergeschlagenheit, Unlust, Sinnlosigkeit und Trauer?

Abgesehen von organischen Ursachen, die eine Depression auslösen können, ist es vor allem der plötzliche Wandel des gewohnten Lebensrhytmusses, der viele ältere Menschen in eine Depression gleiten lässt.
Es ist unausweichlich – der letzte Lebensabschnitt hat begonnen. Die Zeit der Abschiede und des Loslassens. Loslassen der Arbeit, die einen jahrzehntelang gefordert und ernährt hat. Loslassen von Partnern und Freunden, die einen lange begleitet haben und sterben. Loslassen von geliebten Tätigkeiten oder Hobbys, die aufgrund des Alters nicht mehr ausgeführt werden können.
Das Loslassen ist unausweichlich, aber so schmerzhaft, das viele Betroffene krampfhaft an dem Festhalten wollen, was nicht mehr festzuhalten ist. Irrationales Denken und Handeln und das Abrutschen in eine tiefe Trauer, verbunden mit dem Rückzug aus dem sozialen Leben sind oft die Folgen.

Und all das birgt noch etwas in sich – die Auseinandersetzung mit der Endlichkeit des eigenen Lebens, die Angst vor Krankheiten, die Angst vor einem unwürdigen Lebensende.

Das Alter hat auch Vorteile: viel Zeit für all das, was im Leben bisher zu kurz kam. Zeit, Neues zu probieren, Zeit für Reisen, Zeit für Kultur. Doch die Aussicht auf eine ganz neue Art der Freiheit scheint die negativen Auswirkungen des Rentendaseins bei vielen Menschen nicht wett machen zu können.

Doch warum ist das so?

Die Vorfreude

Ein zwanzigjähriger Arbeitnehmer wird sich kaum mit seinem Rentendasein beschäftigen, weil dieses Ereignis noch viel zu weit entfernt ist. Der fünfzigjährige Arbeitnehmer fängt schon mal damit an, die Jahre bis zu Rente zu zählen. Je näher der Tag rückt, werden Monate, Wochen und Tage gezählt – der Vorfreude-Effekt. Ist der Tag dann da, ist die Vorfreude verflogen.

Was ist wichtig?

Mit zunehmendem Alter rückt das Bewusstsein näher, dass der Tag des Renteneitritts näher rückt. Doch anstatt sich rechtzeitig mit der Frage zu beschäftigen: „Rente, und was mache ich dann?“ wird sich ausschließlich mit den aktuelle anstehenden Problemen beschäftigt.

Es wird schon gut gehen

Die Rente wird von Nicht-Rentnern als etwas sehr Positives, Erstrebenswertes angesehen – das unbedingt zu erreichende Ziel. Negative Begleiterscheinungen, die auftreten könnten, werden nicht beachtet.

Überlastung

Viele Menschen sind in ihrem Berufs- und Familienleben so stark eingespannt, dass ihnen wenig Zeit für sich und Freizeitaktivitäten bleibt. Mit dem Eintritt in die Rente fallen die bisherigen Aufgaben und Verpflichtungen zu einem großen Teil weg. Ungeahnte neue Möglichkeiten eröffnen sich und überfordern den Betroffenen, der dann bei dem bleibt, was er gewohnt ist oder gar nichts unternimmt.

Negativität

Negative Ereignisse oder auch nur die angenommene Negativität eines Ereignisses werden eher wahrgenommen, als positive Ereignisse oder die zu erwartende Positivität eines Ereignisses.

Einflüsse von außen

Die gesetzliche Rentenregelung ist starr und entlässt den Arbeitnehmer von einem Tag auf den anderen in die Rente. Das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden, nutzlos zu sein und mit sich und seiner neuen vielen Zeit nichts anfangen zu können, lässt viele Menschen in eine Depression fallen. Der Übergang vom Arbeitsleben in das Rentendasein lässt sich aber gut planen.

  1. Wählen Sie Ihr Renteneintrittsalter selbst. Bedenken Sie dabei auch, dass bei vorzeitigem Renteneintritt mit Abzügen bei der Rente zu rechnen ist.
  2. Gestalten Sie den Übergang in ihre Rente flexibel. Sprechen Sie mit Ihrem Arbeitgeber und fragen Sie ihn nach Modellen zur schrittweisen Reduzierung der Arbeitszeit.
  3. Besteht keine Möglichkeit, die Arbeitszeit schrittweise zu reduzieren, machen Sie sich Gedanken, welche Tätigkeit Sie gern ausüben möchten, wenn Sie in Rente sind. Was macht Ihnen Spaß? Was interessiert Sie? Wo möchten Sie gern helfen und unterstützen? Dabei geht es nicht um einen Zusatzverdienst, sondern vielmehr um ehrenamtliche Arbeit, die von Ihnen als sinnvoll und nützlich angesehen wird.
  4. Machen Sei sich eine Liste mit all den Dingen, für die Sie in den letzten Jahren zu wenig oder gar keine Zeit hatten und die Ihnen wichtig sind. Welche Hobbys interessieren Sie? Möchten Sie eine Sprache lernen? Möchten Sie in Ihrem Haus/in Ihrer Wohnung etwas verändern, vielleicht sogar umziehen? Welche Veranstaltungen möchten Sie besuchen? Welche Reisen möchten Sie unternehmen? Schreiben Sie alles auf, ordnen Sie gegebenenfalls nach Wichtigkeit und setzen Sie sich Termine. So haben Sie immer Kontrolle, ob sie sich an Ihre Vorgaben und Ziele halten. Die Liste muss nicht starr sein, sie kann immer ergänzt und verändert werden.
  5. Machen Sei sich nützlich, ohne sich aufzudrängen. Bieten Sie Ihrer Familie und Freunden Ihre Hilfe an. Aber drängen Sie sich nicht auf und achten Sie auch darauf, dass sie nicht ausgenutzt werden.
  6. Probieren Sie etwas Neues aus. Machen Sie Dinge, die Sie bisher noch nie getan haben. Vielleicht entdecken Sie ganz neue Fähigkeiten und Interessen an sich.
  7. Suchen Sie Rat und Hilfe, wenn Sie, oder Personen aus Ihrem Umfeld Veränderungen feststellen, die auf eine Depression schließen lassen könnten. Lassen Sie sich von Ärzten nicht mit dem Hinweis abspeisen, dass sei altersbedingt. Suchen Sie Rat und Unterstützung z.B. in Selbsthilfegruppen, Sozialdiensten oder Coaches.
  8. Nehmen Sie die Veränderungen in Ihrem Leben an. Freunde, Bekannte und Angehörige sterben, der Kontakt zu ehemaligen Arbeitskollegen wird weniger, Sie sind nicht mehr so fit und leistungsfähig, wie in jungen Jahren. All das gehört zum Alter, muss aber nicht das Sterben der Seele vor dem Sterben des Körpers bedeuten.

Genießen Sie Ihren wohlverdienten Ruhestand und machen Sie ihn zur besten Zeit Ihres Lebens.

Lesen Sie den Leitartikel und weitere Beiträge und Zitate zum Thema DEPRESSIONEN.

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Autor: Mirko Seidel am 9. Mrz 2015 09:10, Rubrik: Depressionen, Texte & Gedanken, Themen, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben, Trackback-URL

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