Angst

Altes abschneiden und ruhen lassen, damit Neues entsteht

Es ist Herbst. Die Zeit, in der Garten und Balkon winterfest gemacht werden. Die letzten Sommerblumen werden abgeschnitten, einjährige Pflanzen entfernt. Mehrjährige Gewächse werden zurückgeschnitten. Das wird gemacht, damit Garten und Balkon im nächsten Jahr wieder in voller Pracht erblühen können.
Und wie ist es im Leben? Lässt sich Altes so einfach abschneiden? Kann man es ruhen lassen? Und kann daraus Neues entstehen?

Über diese Frage habe ich nachgedacht, als ich vor einigen Tagen auf meinem Balkon die Geranien zurückgeschnitten und in den Keller zum Überwintern gebracht habe. Im Prinzip ist es im Leben wie im Garten oder auf dem Balkon. Wird Altes nicht gestutzt, bleibt es immer sichtbar. Neues kann zwar wachsen, wird jedoch immer durch das Alte behindert. Das Alte bleibt sichtbar. Warum treibt eine Pflanze nicht sofort wieder aus, wenn sie zurückgeschnitten wird? Weil sie Ruhe braucht. Sie muss neue Kraft sammeln, bevor sie wieder Blätter und Blüten treiben kann.

Im Leben lässt sich Altes nicht so einfach mit einer Schere abschneiden und wegwerfen. Es bedarf eines gründlichen Nachdenkens über das, was als alt, vertrocknet und nicht lebenswert erscheint.

  • Wie ist es entstanden?
  • Warum grünt und blüht es nicht mehr?
  • Wo ist die beste Schnittstelle, damit aus der Wurzel mit neuer Kraft neues Leben wachsen kann?

Alles, was uns im Leben passiert ist, ist in unserem Gedächtnis verhaftet. Es lässt sich nicht so einfach löschen. Selbst das, was wir z.B. im Kleinkindalter erlebt haben und uns nicht bewusst ist, ist in unserem Unterbewusstsein eingebrannt. Dieses unterbewusste Alte zu erkennen und aufzuarbeiten, ist ungleich schwerer.

Im Lauf unseres Lebens stapeln sich Ereignisse, Erfahrungen und Erlebnisse in unserem Gedächtnis. Gute Erfahrungen behalten wir gern. Unangenehme würden wir am liebsten sofort wieder löschen. Doch das geht nicht so einfach. Ängste können entstehen, wir neigen zur Vermeidung und Verdrängung. Und doch kommt vieles wieder hoch, wenn wir in ähnlich belastenden oder unangenehme Situationen kommen. Wird der Berg der negativen Erfahrungen übergroß, drohen wir unter seiner Last erdrückt zu werden.

Spätestens hier wird es Zeit zum Handeln.

Erkennen – Aufarbeiten – Loslassen


Belastende Erfahrungen müssen erkannt werden.

  • Was hat zu dieser Situation geführt?
  • Was war in dieser Situation belastend?
  • Was hätte es gebraucht, damit die Situation weniger belastend ist?
  • Wie habe ich reagiert und was wäre in dieser Situation hilfreich gewesen?

Diese und ähnliche Fragen können helfen, die Situation zu analysieren und ihre belastende Wirkung zu erkennen. Erst, wenn diese Fragen beantwortet sind, ist die Zeit des Loslassens gekommen. Alles, was passiert ist, lässt sich nicht mehr rückgängig machen. Kein Wort kann ungesagt gemacht werden, keine Geste ungemacht. Was unterlassen wurde, kann nicht in dem speziellen Moment nachgeholt werden. Was getan wurde, kann nicht ungeschehen gemacht werden.
Und doch lässt sich auch nachträglich einiges verbessern. Ich kann um Entschuldigung bitten, ich kann mich erklären (nicht rechtfertigen), ich kann etwas ausgleichen, indem ich etwas nachhole. Und ich kann dafür sorgen, dass eine gleiche Situation nicht wieder auftritt.

Lass alles los, was dich belastet

Lösche es nicht, lege es in deinem biografischen Gedächtnis ab. Es ist jederzeit abrufbar, wenn eine ähnliche Situation wieder auftritt. Aber es liegt hinter Dir. Lass es ruhen.
Ist das Alte im Leben erkannt, aufgearbeitet und losgelassen, dann kann aus der Wurzel des Lebens neues Grün sprießen. Zweige werden wachsen und sich verzweigen. An den Zweigen werden Blätter sprießen und schließlich wird die Lebenspflanze neue, schöne und große Blüten tragen.

Wer Leben ins Leben bringen will,
muss das Festhalten-Wollen aufgeben.
Ernst Ferstl (*1955),
österreichischer Lehrer, Dichter und Aphoristiker

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