Persönlichkeitsentwicklung

Der Schrei nach Anerkennung

Schlosspark Güldengossa bei Leipzig

Ich hatte ein Erlebnis, das schon einige Jahre zurückliegt. Ich war mit Freunden in Prag, nach stundenlangem Marsch durch die Stadt, suchten wir uns ein kleines Café. Wir ließen uns nieder und bestellten. Am Nebentisch saß eine Gruppe Menschen, drei Männer, drei Frauen, die russisch sprachen. Sie unterhielten sich lautstark, die Frauen lachten kreischend auf, die Männer fläzten auf den Stühlen. Auf dem Tisch vor ihnen stapelten sich Teller, Tassen und Gläser. Viele Teller waren nur halb abgegessen. Sie waren mit den Essensresten achtlos übereinander gestapelt worden. Papierservietten und Speisereste lagen über den Tisch verstreut.

Die Szene entlockte mir den Gedanken: Wie kann man sich nur so aufführen? Die Antwort auf die Frage kam mir erst sehr viel später: „Das einzige, was diese Menschen wollen, ist Anerkennung. Vielleicht haben sie diese als Kind nicht bekommen und nun gilt es, das zu kompensieren.

Im Endeffekt ist es nur ein Schrei nach Liebe. Nach Liebe von anderen und am meisten nach Liebe zu sich selbst. Und als ich diese Szene von dieser Seite aus betrachtete, fiel es mir viel leichter, diese Menschen zu verstehen.

Aber darf jemand, der vielleicht eine nicht so tolle Kindheit hatte und keine Liebe von anderen bekommen hat, seiner Umwelt auf den Wecker gehen? Nun, man könnte sagen: „Nein“, aber kann ich es ändern? Ich muss es nicht ändern, denn:

  • Ich versuche diese Person so zu akzeptieren, wie sie ist und stelle für mich klar, dass dieses Verhalten auf lange Sicht für mich inakzeptabel ist,
  • Ändert diese Person ihr Verhalten nicht (und meistens wird sie es nicht tun), entscheide ich für mich, diese Person aus meiner Umgebung auszuschließen,
  • Das Leben ist einfach zu kurz, um sich mit unangenehmen Zeitgenossen abzugeben,
  • Ich schalte mein Helfersyndrom aus: Es ist nicht meine Aufgabe, anderen Leuten zu ihrem Glück (oder auch zu einem besseren Benehmen) zu verhelfen. Das müssen sie schon selber tun.

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