Burnout

Burnout – Die erzwungene Entschleunigung

Er kommt auch an sein Ziel.

Burnout ist ein Prozess, der im Kleinen beginnt und seinen Höhepunkt erreicht hat, wenn Menschen von einem Tag auf den anderen von einem Zustand höchstem Energieaufwandes und Dauerstress plötzlich in eine Phase des Nichts-mehr-tun-Könnens fallen.

Der Mensch, der eben noch deutlich mehr als 100% in Beruf und Familie gegeben hat, ist nun durch seine körperlichen und seelischen Befindlichkeiten gezwungen, fast alle alltäglichen Aktivitäten auf ein unvermeidliches Minimum herunterfahren zu müssen.

Und das nicht, weil er es so will, sondern weil er nicht mehr anders kann.

Antriebslosigkeit, Unlust, Sinnentleerung, Schmerzen, Unwohlsein paaren sich mit dem Gefühl des Nicht-mehr-gebraucht-werden und der Unfähigkeit. Was vor kurzem noch wichtig erschien, hat seine Bedeutung verloren. Menschen, die bis dahin wichtige Bezugspersonen waren, werden als Belastung empfunden.

Burnout zwingt den Betroffenen zur Entschleunigung. Das ist zunächst erst einmal gut. Der Verlauf eines Burnout-Syndroms ist dadurch gekennzeichnet, dass der Betroffene mehr Energie in die Verrichtung seiner alltäglichen Aufgaben investiert, als er durch Freude, Erholung und Entspannung wieder zurückerhält. Bis die Batterien leer sind. Den leeren Akku wieder aufzuladen braucht viel Zeit und viel Selbsterkenntnis.

Nicht jedem Burnout-Betroffenene gelingt es, die positiven Aspekte, die die erzwungene Entschleunigung mit sich bringt, vorteilhaft für sich zu nutzen. Das Nichts-Tun, das Sich-Zeit-Nehmen (müssen) für die Aufgaben des Alltags, die Entscheidung, was ist JETZT wichtig und was nicht, fällt vielen schwer. Ich muss doch funktionieren, ich muss doch wieder auf die Beine kommen, ich muss doch wieder arbeiten ich muss mich um meine Familie kümmern, ich muss, ich muss, ich muss….Das ist der innere gehetzte Antrieb unseres Denkens. Aber der Körper und die Seele sprechen eine andere Sprache. Du musst nichts mehr, außer eines: Dich um Dich selbst kümmern.

Entschleunigung

Entschleunigung ist ein Wort, dass in unserer schnelllebigen, von Erfolgen und Wachstum geprägten – oder sollte man besser sagen, gegeißelten – Zeit nicht gern gehört wird. Es zählt Leistung. Wer bremst, fliegt raus.

Wir oft können wir folgende Situationen beobachten?

  • Menschen mit einem Kaffee im Pappbecher in der einen und dem Handy in der anderen Hand hasten an uns vorbei?
  • Menschen sitzen in einem Schnellrestaurant, das Handy am Ohr, dem Laptop auf dem Tisch und zwischendurch versuchen sie, mit Plastebesteck etwas in ihren Mund zu schieben?
  • Autofahrer mit Handy und Zigarette oder etwas zu essen in der Hand?
  • Menschen, die keine Zeit für Familie und Freunde haben, weil doch noch ein so wichtiger Auftrag fertig werden muss oder weil der Chef sie unbedingt am Abend noch braucht?

Diese Liste ließe sich endlos fortsetzen.

Was ist der Preis dieser Auswüchse unserer Zeit? Der Preis ist unsere Gesundheit.

Wir wissen,

  • dass es ungesund ist, sich keine Zeit zum Essen zu nehmen,
  • dass es ungesund ist, keine Pausen einzulegen,
  • dass es ungesund ist, unregelmäßig und unausgewogen zu essen,
  • dass es ungesund ist, sich tagsüber fast ausschließlich von Kaffee zu ernähren,
  • dass es uns schadet, wenn soziale Kontakte abbrechen,
  • dass es uns belastet, wenn Freundschaften und Familien zerbrechen,
  • dass der Mensch nicht Multi-Tasking-fähig ist,
  • dass unserer Körper Leistungsgrenzen hat,
  • dass unser Körper uns bereits frühzeitig warnt, wenn seine Leistungsfähigkeit erschöpft ist.

Wenn unser Laptop überlastet ist, lassen wir ihn eine Weile in Ruhe. Warum gestehen wir das unserem Körper nicht zu? Immer mehr, immer schneller, immer besser … wozu? Und vor allem, zu welchem Preis? Ist der Laptop zu alt, zu langsam oder kaputt, schmeißen wir ihn weg und kaufen uns einen neuen, noch schnelleren, besseren, leistungsfähigeren. Das geht aber mit unserem Körper nicht. Kein Geld der Welt kann uns die Gesundheit zurückbringen, die wir für Stress, Hektik, Überforderung und Ausbrennen geopfert haben.

Hier hat der Burnout-Betroffene einen Vorteil. Auch wenn es merkwürdig klingen mag, denn er muss langsamer machen. An ihm liegt es, zu erkennen, wie sich sein Leben durch diesen neuen Lebensumstand zum Positiven wenden kann.

Lesen Sie auch den Leitartikel und die Artikel zum Thema Burnout.

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Autor: Mirko Seidel am 22. Feb 2014 09:26, Rubrik: Burnout, Texte & Gedanken, Themen, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben, Trackback-URL

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