Burnout

Burnout – Krankheit, Zeichen oder Chance?

Burnout ist in aller Munde. Doch was genau ist ein Burnout? Wörtlich übersetzt heißt es: ausgebrannt. Wie fühlt es sich an, ausgebrannt zu sein? Das ist schwer zu beschreiben. Es ist tatsächlich so, als würde das innere Feuer des Lebens erlöschen. Doch es ist mehr. Es ist eine Leere, seelisch und geistig. Es ist ein vor-sich-hin-treiben ohne Ziel und Sinn.

Ist Burnout mehr? Ist es ein Zeichen oder gar eine Lebens-Chance?

Burnout ist keine Krankheit. Im ICD 10 kommt der Begriff nicht vor. Und das ist auch korrekt. Burnout ist ein Zustand, der seelische, geistige und körperliche Beeinträchtigungen beinhaltet, die im Zusammenhang stehen und einander bedingen. Den seelischen Zustand eines Burnouts bezeichnet man allgemein als Depression. Die geistigen Einschränkungen reichen von Konzentrations- und Aufmerksamkeitsdefizit, fehlende Empathie, Gefühlskälte bis hin zu einer eingeschränkten Denk- und Merkfähigkeit. Die körperlichen Symptome können noch vielfältiger sein. Sie reichen von Kopfschmerzen, Tinitus und Hörstürzen über Magen-Darm-Beschwerden, Herz-Kreislauf-Beschwerden bis zu Tumoren und Krebs.

Ein burnoutspezifisches Krankheitsbild gibt es nicht. So viele Burnout-Betroffene es gibt, so viele unterschiedliche Symptomhäufungen gibt es. Und genau das macht die Behandlung und Therapie so schwierig. Die Zusammenhänge zwischen seelischen, geistigen und körperlichen Symptomen müssen erkannt werden. Bei den körperlichen Symptomen muss geklärt werden, ob sie organische Ursachen haben oder psychosomatisch sind. Bei ersteren ist eine medizinische Behandlung sinnvoll, bei letzteren sinnlos. Letztlich braucht es einen Spezialisten, der sich mit Burnout genauestens auskennt, den Betroffenen zu den erforderlichen Fachärzten schickt und bei dem alle Fäden – also Befunde – zusammenlaufen.

Doch genau daran mangelt es im deutschen Gesundheitssystem. Hausärzte sind nicht selten mit dem Fall Burnout überfordert. Fachärzte sehen meistens nur ihr Fachgebiet. Eine Herstellung der Zusammenhänge, eine abgestimmte Behandlung und die dafür erforderliche Kommunikation zwischen den Ärzten vermisst der Betroffene nur allzu oft. Hinzu kommen wochen- und monatelange Wartezeiten bei Psychologen und Therapeuten.

Burnout ist weitaus mehr, als eine Ansammlung von Krankheitssymptomen. Es ist ein Zeichen. Es ist das deutliche Zeichen des Körpers: Stopp – so geht es nicht mehr weiter. Der menschliche Organismus fährt stark zurück. Die Leistungsfähigkeit ist stark eingeschränkt. Doch was heißt das? Dass wir nichts mehr machen können? Nein. Es heißt: Mach mal eine Pause. Tritt mal kürzer. Denk auch mal an Dich. Und genau das ist es, was ein Burnout erfordert: Pause machen, kürzer treten und an sich selbst denken.

Der menschliche Körper verträgt eine ganze Menge. Sonst hätte die Menschheit nicht Millionen von Jahren überlebt. Aber auch das belastbarste und flexibelste System kommt irgendwann an seine Grenzen. Und dann streikt es. Wenn ich einen Computer ohne Unterlass mit Daten füttere und zu komplexen Rechenaufgaben auffordere, wird er langsamer und langsamer. Er „hängt sich auf“. Erst kurz und selten, dann immer öfter und länger, bis er schließlich gar nichts mehr macht. Und dann bleibt mir nur der Neustart des Systems. Genauso verhält es sich mit unserem Körper.

Ein Burnout ist eine Warnmeldung und eine Aufforderung unseres Körpers an unseren Geist: Das System ist überlastet, fahre das System herunter und starte es neu.

Ist Burnout auch eine Chance? Für viele ist das schwer vorstellbar. Sie laufen von Arzt zu Arzt, warten lange Zeit auf einen Termin oder auf einen Therapieplatz. Die Wochen, in denen Krankengeld gezahlt wird, verrinnen. Und irgendwann ist der da, der Tag der Entscheidung. Zurück an den alten Arbeitsplatz, etwas ganz Neues machen oder der Gang ins soziale Sicherungssystem. Die wenigsten Burnout-Betroffenen wurden durch Behandlungen und Therapien auf diesen Tag und diese Entscheidung ausreichend vorbereitet. Therapien beinhalten die Auseinandersetzung mit dem eigenen Verhalten und dem Umgang mit den Dingen der Welt. Nur selten fragen Sie nach der Zukunft. Tabletten können den Hormonspiegel im Körper künstlich regulieren, aber auch sie geben keine Frage auf die lebensnotwendige Frage: Was mache ich mit dem Rest meines Lebens?

So seltsam es für Betroffene, aber auch nicht Betroffene klingen mag: Burnout ist eine Mega-Chance. Burnout ist die Chance, sich intensiv mit sich, seinem Leben und seiner Zukunft auseiander zu setzen.

Dabei geht es keineswegs um die Frage: „Habe ich in meinem bisherigen Leben alles falsch gemacht?“ Ganz im Gegenteil. Die Frage (kann) lauten: „Was habe ich bisher in meinem Leben geschafft? Wieso braucht mein Leben (mein Körper) eine Pause? Was kann ich in der Zukunft anders oder noch besser machen, damit es mir gut geht, ich glücklich und zufrieden bin?“.

Burnout ist nicht das Ende des Lebens, es ist der Anfang der besten Lebenszeit, wenn ich es als Zeichen verstehe und meine Chance nutze.

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Autor: Mirko Seidel am 29. Mai 2015 07:42, Rubrik: Burnout, Texte & Gedanken, Themen, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben, Trackback-URL

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