Burnout

Burnout – Das unverstandene Empfinden

Menschen, die von Burnout betroffen sind, müssen neben den zahlreichen Symptomen ihrer Krankheit oft auch damit fertig werden, dass Menschen in ihrem sozialen Umfeld sie nicht verstehen und sich von ihnen abwenden.

Unverständnis bei Familienmitgliedern, Freunden, Arbeitskollegen und Vorgesetzten führt zum Abbruch sozialer Kontakte, zum Verlust des Arbeitsplatzes und zur Vereinsamung.

Menschen mit Burnout haben ein großes Problem: es fällt ihnen schwer auszudrücken, was in ihnen vorgeht, was sie bewegt, was sie brauchen, was sie fühlen. Das hängt mit zwei Dingen zusammen:

  1. Scham, die Diagnose Depression und Burnout laut auszusprechen aus Angst vor Zurückweisung,
  2. Unvermögen, das, was in einem Burnout-Betroffenen vorgeht, ausdrücken zu können.

Burnout ist keine Erkältung, bei der ich klar sagen kann, was mir fehlt, was mir weh tut und welche Symptome ich habe. Burnout ist ein seelischer, körperlicher und geistiger Zustand, der sich von Tag zu Tag ändern kann und der sich bei jedem Betroffenen individuell äußert.

Am leichtesten sind körperliche Symptome zu beschreiben, wie Schlafstörungen, Magenschmerzen, Tinitus, Müdigkeit, Antriebslosigkeit u.a.

Schwieriger wird es schon bei mentalen Störungen, wie Vergesslichkeit, eingeschränkte Wahrnehmungsfähigkeit, geistige Abwesenheit, fehlende Emphatie usw.

Das seelische Empfinden während einer akuten Burnout-Phase zu beschreiben, ist vielen Betroffenen so gut wie unmöglich. Das innere Gefühlsleben, das eigene Unverständnis für die aktuelle Situation, die depressiven Schübe, Unlust, Unwohlsein, das keine organischen Ursachen hat – all das und noch vieles mehr können seelische Symptome eines Burnouts sein.

Was sich für den Betroffenen in Worten nur sehr schlecht ausdrücken lässt, wird von den Menschen in ihrer Umgebung dann oft auch falsch oder gar nicht verstanden. Das kann man ihnen auch nicht verübeln, denn ein Burnout wirklich verstehen kann nur derjenige, der es selbst erlebt hat.

Angehörige und Freunde – wenn sie sich nicht gleich zurückziehen – versuchen dann mit gut gemeinten Ratschlägen zu helfen. Diese Ratschläge kommen aber aus dem Denken und Verhalten eines Menschen, der die Symptome und vor allem das Befinden eines Burnout-Betroffenen nicht kennt, der sich nicht in dessen Lage hineinversetzen kann. Kein Wunder also, dass viele dieser „Guten“ Ratschläge beim Betroffenene verhallen und nicht angenommen werden können. Dies wiederum stößt beim Ratgeber auf Unverständnis. Er unterstellt den Burnout-Betroffenene womöglich, dass sich dieser gar nicht helfen lassen will, ist sauer und wendet sich ab. Je mehr Angehörige und Freunde sich aber abwenden, desto mehr wird das Gefühl des Burnout-Betroffenen verstärkt, er wäre nichts wert, niemand verstehe ihn, er könne nichts und vor allem sei er nicht in der Lage, soziale Kontakte zu halten. Eine Spirale, die sich immer schneller und schneller dreht, bis zu dem Punkt, an dem der Burnout-Betroffene in der sozialen Vereinsamung endet.

Es gibt kein Patenrezept, wie Angehörige und Freunde mit Burnout-Betroffenen umgehen sollen und genauso wenig gibt es eine Patentlösung, wie Betroffene mit Angehörigen und Freunden über ihr Problem reden können. Man darf auch von einem Menschen, der nie selbst ein Burnout erlebt hat nicht erwarten, dass er in der Lage ist, sich vollständig in die Gefühls- und Gedankenwelt eines Betroffenen einzufühlen vermag.

Für Burnout-Betroffene ist es wichtig Menschen zu haben, mit denen sie offen reden können. Neben außen stehenden Dritten, wie Psychologen, Therapeuten und Coaches, sind aber auch Angehörige und enge Freunde wichtige Bezugs- und Gesprächspersonen.

Für Angehörige und Freunde ist es wichtig zu wissen, was in dem Betroffenene vorgeht, was er denkt, was er fühlt und wie es zu seinem Burnout gekommen ist. Auch wenn sie nicht immer verstehen können, was der Burnout-Betroffene meint, so sollten sie zunächst akzeptieren, was er sagt und vor allem ernst nehmen, was er sagt.

Ein Burnout-Betroffener braucht Ruhe und auch das Alleinsein, er braucht aber auch soziale Kontakte. Oft ist er selbst nicht in der Lage, diese selbst aufrecht zu halten. Um so wichtiger ist es, das Angehörige und Freunde den Kontakt nicht abbrechen lassen und dem Betroffenen das Gefühl geben, er gehört dazu, er und seine Meinung sind wichtig.

Zum Schluss zwei Tipps:

  • Für Burnout-Betroffene: Erst in der größten Not erkennt man, wer seine wirklichen Freunde sind.
  • Für Angehörige und Freunde: Jeder Mensch in jeder Situation seines Lebens ist so wertvoll, dass es schade wäre, auf ihn zu verzichten.

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Autor: Mirko Seidel am 5. Feb 2014 08:33, Rubrik: Burnout, Texte & Gedanken, Themen, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben, Trackback-URL

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