Politik & Gesellschaft

Dafür oder dagegen!?

Mich fragte vor kurzem jemand, wie er denn mit Nazis umgehen soll? Er erzählte, dass er immer bemüht sein, seinen Mitmenschen wertfrei zu begegnen und ihre Standpunkte zumindest zu respektieren. Aber bei Nazis gelänge ihm das irgendwie nicht.

Meine Antwort: „Das, was Du bereits bei anderen Menschen versuchst, nämlich ihnen wertfrei zu begegnen, mach auch bei Nazis. Be- und verurteile sie nicht.“

Er schaute mich fragend an. „Naja, aber die Sachen, die die sagen und machen kann ich nun mal nicht gut heißen und ich kann sie auch nicht respektieren, das geht gegen mein Weltbild.“

„Ja gut“, antwortete ich, „du musst diese Menschen nicht verstehen, du musst auch nicht gutheißen, was sie sagen oder machen und es ist auch völlig in Ordnung, wenn diese Leute nicht in dein Weltbild passen. Wenn Verurteilen überhaupt etwas bringt, dann nur, dass es Dich selbst runterzieht. Du belastest Dich mit Negativem.

„Und was kann ich stattdessen tun?“ fragte er mich. Ich antwortete: „Versuch mal folgendes: Begegne diesen Leuten mit all deiner Liebe, mit allem, was dein Herz zu bieten hat. Denn das ist genau das Gegenteil von dem, was diese Menschen machen. Alle diejenigen, die glauben, die Welt mit ihren Anti-Bewegungen zum Besseren zu verändern, machen genau das Gegenteil. Sie machen das Problem nur noch schlimmer. Die Gegner der Nazis, die sich mit ihnen prügeln, lösen das Problem nicht, sie verschlimmern es nur.“

„Ja da magst Du recht haben“ bekam ich als Antwort. „Aber warum ist das eigentlich so?“

Meine Antwort: „Weil diese Bewegungen, ob von rechts oder von links, aus einer Anti-Haltung herauskommen. Sie polarisieren, sie sind schwarz-weiß. Der ideologische Hintergrund lautet: Du bist falsch und wir sind richtig. Diese Menschen kommen nicht mit Liebe, sie kommen mit Hass. Und mit Hass hat sich noch nie etwas verändert auf dieser Welt.“

Mein Gesprächspartner dachte ein paar Sekunden nach. Dann sagte er: „Heißt das nun, wenn ich mich nicht mehr gegen Nazis stelle und sie nicht verurteile, dass ich mit ihnen und ihrem Handeln einverstanden bin? Das will ich ja nun gar nicht!“.

Ich erwiderte schnell: „Nein, nein, so ist das nicht gemeint. Wenn ich eine Sache verstehe heißt das nicht, dass ich mit ihr einverstanden bin.“

Ich bekam zur Antwort: „Aber ich verstehe diese Menschen ja gar nicht.“

„Okay“, sagte ich, „wir können uns vielleicht darauf verständigen, dass ein intelligenter Mensch zumindest versteht, dass sein Gegenüber auf irgendeinem Weg dahin gekommen ist, wo er heute steht. Wir kennen den Weg nicht, wir kennen die Hintergründe nicht. Vielleicht wären wir auf demselben Weg gelandet, wenn wir in den Schuhen des Anderen geboren worden wären. Stehe ich ihm feindselig gegenüber, bringt das gar nichts.

Nur durch volle Liebe kann etwas aufgelöst werden. Und deshalb gib ihm genau das: Deine volle Liebe und Dein volles Verständnis. Das heißt nicht, dass Du ihm gleich um den Hals fallen musst. Eine liebevolle oder wenigstens friedfertige Sprache genügt schon. Und vergiss nicht: Du machst das nicht, weil Du den Anderen verändern willst, Du machst das, weil es Dir dadurch besser geht.“

„Danke“, war die Antwort, die er erhielt, „jetzt habe ich etwas zum Nachdenken.“

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