Burnout

Depression – Betroffene beraten Betroffene

Resümee nach einem Jahr Beratung

Seit einem Jahr berate ich ehren-amtlich Menschen mit Depressionen, deren Angehörige und Freunde im Gesundheitsamt der Stadt Leipzig.

„Betroffene beraten Betroffene“ – zweimal im Monat gibt es dieses Angebot der Selbsthilfekontakt- und Informationsstelle (SKIS).

Nach einem Jahr ziehe ich mein ganz persönliches Resümee. In den vergangenen zwölf Monaten habe ich ca. 15 Beratungsgespräche geführt. Knapp die Hälfte der Gespräche habe ich mit direkt Betroffenen geführt, knapp die Hälfte mit Angehörigen, ein geringer Anteil der Personen kam aus dem persönlichen Umfeld von Menschen mit Depression.

Die Betroffenen hatten ein Bewusstsein dafür, dass sie an einem psychischen Problem leiden, etwa die Hälfte war bereits bei einem Arzt und hatte die Diagnose Depression bekommen. Von diesen Personen hatte sich der größte Teil auch bereits in psychologische und therapeutische Behandlung begeben. Doch trotz Medikation und Gesprächstherapien war es diesen Menschen nicht gelungen, ihren Zustand grundlegend zu verbessern und in ein „normales“ Leben zurück zu finden. Es herrschte eine weitgehende Unwissenheit über die Vielzahl der Hilfsangebote für Betroffene in der Stadt Leipzig, angefangen von Beratungstelefonen bis hin zu Vereinen und Selbsthilfegruppen.

Die Gespräche mit den Angehörigen und Freunden hatten im Wesentlichen den Umgang mit dem Betroffenen zum Inhalt. Fehlendes Verständnis, mangelnde Kenntnisse über Depression und Hilflosigkeit im Umgang mit dem depressiven Angehörigen sind Probleme, die in den Gesprächen immer wieder auftauchten. Angehörige, die selbst nie an einer Depression gelitten haben, haben oft kein Verständnis für die Befindlichkeiten des Betroffenen. Sie können mit der Emotions- und Antriebslosigkeit des Depressiven nicht umgehen. Sie wollen helfen, wissen nicht wie und machen oft Dinge, die gut gemeint sind, jedoch eher zu einer Verschlimmerung des Verhältnisses zwischen Depressivem und Angehörigen führen. Auch den Angehörigen waren die zahlreichen Beratungsangebote – auch für Angehörige – oft nicht bekannt.

Mein Fazit: In der Stadt Leipzig gibt es ein umfangreiches, außermedizinisches Beratungs-, Informations- und Hilfsangebot für Menschen mit Depression, deren Angehörige und Freunde. Zu wenige Menschen wissen davon. Woran liegt das? Es könnte daran liegen, dass sich gesunde Menschen nicht über das Thema Depression informieren, trotz zunehmender medialer Aufmerksamkeit und Berichterstattung. Erst wenn das Problem auftritt, stellt sich die Frage nach dem „Wie weiter und wohin“?

Betroffene sind dann oft nicht in der Lage, sich über diese Angebote zu informieren oder sie haben Schamgefühle, über ihren Zustand zu sprechen. Angehörige und Freunde brauchen eine gewisse Zeit, um den Zustand des depressiven Angehörigen oder Freundes zu erkennen und es dauert noch länger, diesen Zustand zu akzeptieren. Sätze, wie: „So schlimm ist das doch nicht“ oder „Reiß Dich einfach mal zusammen“ fallen auch dann immer noch, wenn die ärztliche Diagnose längst steht.

Nicht-wahrhaben-wollen und/oder sich-nicht-damit-auseinandersetzen-wollen sind Probleme, die das Verhältnis zwischen Betroffenen und Angehörigen/Freunden belasten. Nicht selten zerbrechen Freundschaften daran, Ehen scheitern, der Kontakt zwischen Kindern und Eltern ist schwer belastet.

Gegensteuern lässt sich z.B. durch

  • eine angemessene mediale Präsenz des Themas verbunden mit den Hilfsmöglichkeiten (und zwar allen und nicht nur den medizinischen),
  • Streuung des vorhandenen Informationsmaterials vor allem in Hausarztpraxen, bei Psychologen/Psychiatern, in therapeutischen Einrichtungen, in Sozialeinrichtungen
  • Stärkung der Eigenkompetenz von (noch) nicht betroffenen Menschen, sich auch ohne akuten Anlass über das Thema Depression und Angebote zu informieren.

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Autor: Mirko Seidel am 18. Feb 2016 11:32, Rubrik: Burnout, Depressionen, Texte & Gedanken, Themen, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben, Trackback-URL

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