Depressionen

Umfrage der Stiftung Warentest zum Thema Psychotherapie

Die Stiftung Warentest hat im Jahr 2011 eine Umfrage zum Thema Psychotherapie durchgeführt. Von den Teilnehmern an der Umfrage hatten knapp 4.000 über einen Zeitraum von fünf Jahren mit psychischen Problemen zu kämpfen.

Mit Abstand am häufigsten genannt wurden Depressionen (79%), gefolgt von Ängsten (64%) und Belastungs-reaktionen (27%).

Belastungssreaktionen entstehen zum Beispiel nach traumatischen Erlebnissen. Weiterhin wurden genannt:

  • Persönlichkeitsstörungen (20%),
  • Essstörungen (18%),
  • Missbrauch (z.B. Alkohol, 12%),
  • Abhängigkeiten (Süchte, 8%).

Häufig wurden mehrere psychische Probleme genannt.

Etwa drei Viertel der Teilnehmer mit seelischen Problemen, suchten professionelle Hilfe. Dabei entschied sich die große Mehrheit (83%) für eine ambulante Psychotherapie in einer Praxis oder Ambulanz, 40% der Befragten ließen sich stationär in einer psychiatrischen oder psychosomatischen Klinik behandeln. Ein Klinikaufenthalt ist vor allem Patienten zu empfehlen, die Abstand vom Alltag brauchen oder an schweren psychischen Problemen leiden.

Etwa jeder achte der Teilnehmer an der Umfrage ging in eine Tagesklinik. 22% nutzten andere professionelle Hilfen. Dabei wurden auch Psychopharmaka genannt. Diese Medikamente helfen oft schnell, können aber Nebenwirkungen haben und leicht zur Dauertherapie geraten.

Doch nicht jeder Betroffene sucht sofort Hilfe. So entschieden sich knapp zwei Drittel der Befragten erst für eine Psychotherapie, nachdem ihre seelischen Probleme schon mindestens ein Jahr bestanden hatten. Jeder fünfte Umfrageteilnehmer wartete sogar länger als zehn Jahre bis zu diesem Schritt. Die wichtigsten Gründe für ein Zögern sind:

  • „Ich wollte allein mit dem Problem fertig werden“und
  • „Die Probleme kamen mir nicht schwer genug vor“.

Diese Argumente nannten auch die Umfrageteilnehmer am häufigsten, die sich grundsätzlich einer Therapie verweigerten.

Wer sich für eine Psychotherapie entscheidet, muss erst einmal einen geeigneten Therapieplatz finden. Die meisten Umfrageteilnehmer erhielten eine von den gesetzlichen Krankenkassen finanzierte Therapie. Die Kontakte wurden meist von den Ärzten (37%) oder Verwandte und Freunde (19 %) vermittelt.
Weit weniger, nämlich je 11%, nutzten für die Psychotherapeutensuche das Internet oder Verzeichnisse, etwa die Gelben Seiten. Diese bieten oft einen guten Überblick, meist aber ohne Informationen zur Qualifikation und Kassenzulassung.

Lange Wartezeiten bis zum Beginn der Therapie sind die Regel – vor allem in ländlichen Regionen, in Ostdeutschland und im Ruhrgebiet. Überbrücken kann man eine solche Wartezeit durch Selbsthilfegruppen oder Beratungsstellen. Diese können bei vielen Problemen helfen. Die Teilnehmer an der Umfrage warteten im Schnitt etwa einen Monat auf ein Erstgespräch und dann noch einmal drei Monate bis zur richtigen Therapie.
Über das Gelingen einer Psychotherapie entscheiden vor allem zwei Dinge: Die Bereitschaft des Patienten zum Mitmachen und eine gute Beziehung zum Therapeuten. In der Umfrage bemühten sich fast alle Befragten, aktiv mitzuarbeiten und so offen wie möglich zu sein (je 97%). Viele Patienten bescheinigten ihren Therapeuten eine gute Arbeitsweise, etwa ein beruhigendes und unterstützendes Verhalten (83%), Aufgeschlossenheit gegenüber Fragen und Kritik (77%), Gründlichkeit bei der Problemlösung (73%). Und knapp 80% waren insgesamt mit ihrem Therapeuten zufrieden oder sehr zufrieden.

Vor Beginn der Behandlung fanden 77% der Teilnehmer ihr seelisches Leiden „sehr groß“ oder „groß“. Nach dem Ende der Therapie lag dieser Anteil nur noch bei 13%. Die Einschränkungen im Alltag, in Beruf, Freizeit und Familie, sanken bei vielen Befragten deutlich. Und es wurden weitere positive Effekte genannt, etwa mehr Lebensfreude (68%), ein besseres Selbstwertgefühl (63%), ein leichterer Umgang mit alltäglichem Stress (61%) oder ein Anstieg der Arbeitsfähigkeit (53%).

Ein Spaziergang ist die Seelenerkundung allerdings nicht. Viele Befragte berichteten über vorübergehende unerwünschte Effekte, vor allem eine Belastung durch die Beschäftigung mit unangenehmen Themen (46%), neue Probleme (39%) oder Angst in schwierigen Situationen (25%).
Und es gab auch Misserfolge. Etwa jeder fünfte Befragte brach die Behandlung ab. Die häufigsten Gründe: Keine Besserung (45%), Schwierigkeiten mit dem Therapeuten (39%) oder Zweifel an dessen Kompetenz (36%). Das zeigt: Ähnlich wie medizinische Behandlungen ist Psychotherapie kein Allheilmittel für jeden.

Tipps – das können Sie selbst tun

Wichtig für hohe Erfolgschancen einer Psychotherapie ist die Herangehensweise. Betroffene sollten sich über die Psychotherapierichtungen informieren und mit ihren eigenen Vorstellungen abgleichen.

Therapeuten sollten zu Beginn zur Arbeitsweise, Erfahrungen mit Ihrem Problem und dem Zeitplan für die Therapie befragt werden. Entscheidend ist die Sympathie. Patienten sollten sich nich scheuen, Zweifel und Kritik zu äußern. Und nicht vergessen: Psychotherapien leben von der aktiven Mitarbeit des Patienten.

Lesen Sie den Leitartikel und weitere Beiträge und Zitate zum Thema DEPRESSIONEN.

Quelle: www.test.de

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Autor: Mirko Seidel am 27. Mrz 2015 09:50, Rubrik: Depressionen, Texte & Gedanken, Themen, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben, Trackback-URL

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