Depressionen

Depression – Was tun? – Tipps für Angehörige

Fast jeder Mensch kennt vermutlich einen anderen Menschen, der an Depressionen leidet. Meist herrscht dann große Unsicherheit, wie man richtig mit dem Betroffenen umgeht. Die nachfolgenden Empfehlungen können helfen.

Schätzungen gehen davon aus, dass ca. vier Millionen Menschen in Deutschland an Depressionen leiden. Die Krankheit ist heilbar, wenn sich Betroffene rechtzeitig behandeln lassen. Doch bis dahin ist es oft ein langer Weg, der von Angehörigen und Freunden begleitet wird.

Vielen Angehörigen, Kollegen und Freunden fällt es schwer, den richtigen Umgang mit Depressiven zu finden. Wie geht man damit um, dass sich ein geliebter Mensch plötzlich zurückzieht? Darf man einen Kollegen ansprechen, wenn der schlecht aussieht? Und wieso verletzt mich ein depressiver Mensch so häufig?

1. Geduld haben

Menschen mit Depressionen fordern ihren Mitmenschen viel ab. Sie wollen ihrem Umfeld nicht zur Last fallen und wissen doch gleichzeitig, dass sie genau das tun.
Helfen kann da nur Geduld. Kleine Schritte, die den Betroffenen nicht überfordern oder bevormunden sind sinnvoller, als große Versuche, das Leben des Depressiven schlagartig verändern zu wollen.

2. Zuversicht

Oft erscheint die Depression für den Betroffenen – aber auch für Angehörige – ausweglos. Doch Depressionen sind eine Krankheit und damit gut behandel- und heilbar. Sich selbst und dem Depressiven vor Augen zu führen, dass das Kranksein vorübergeht kann helfen, besser mit einer Depression umzugehen. Doch Vorsicht: der nur allzu gern benutzte Satz: „Das wird schon wieder“ ist wenig hilfreich.

3. Miteinander reden

Niemand weiß, wie es in einem Depressiven aussieht und ein Depressiver kann das auch nur schwer erklären. Nicht-Betroffene sind oft verunsichert, ob sie den Betroffenen ansprechen sollen. Doch jeder Zuspruch und Offenheit sind gut. Nicht das Rumeiern um den heißen Brei, sondern die direkte Frage: „Du siehst nicht gut aus? Was ist los mit Dir?“ wird den Depressiven am ehesten bewegen, von seinen Problemen zu erzählen.
Reden ist wichtig – mit der Familie, Freunden, Kollegen. Doch diese Gespräche ersetzten nicht die professionelle Hilfe.

4. Ehrlichkeit

Nicht jeder Angehörige oder Freund hat die Zeit oder die Kraft, einem Depressiven zuzuhören und intensiv zu helfen. Frühzeitig sollte dem Depressiven vermittelt werden, wann man für ihn da ist, wie weit man bereit ist, zu helfen und das diese Hilfe eine professionelle Beratung und Unterstützung nicht ersetzen kann. Wer nicht helfen kann – oder will – soll ehrlich sein, denn gar nichts zu tun oder sich in Ausflüchte zu retten, ist für den Depressiven ein schlimmes Erlebnis.

5. Gut gemeint ist nicht gut gemacht

Es hilft gar nichts, einem depressiven Menschen zu einem Erholungsurlaub zu raten, denn eine andere Umgebung kann zusätzlich belastend werden. Für Depressive werden die einfachsten täglichen Dinge zu unüberwindbaren Hindernissen. Auch der Satz: „Reiß Dich einfach mal zusammen“ erreicht genau das Gegenteil. Er verstärkt die Schuldgefühle nur noch mehr. Zeigt ein depressiver Mensch jedoch Eigeninitiative etwas zu tun, sollte er unbedingt darin bestärkt und unterstützt werden.

6. Es bringt nichts, zu erklären, was nicht zu erklären ist

Depressive müssen sich von dem Anspruch verabschieden, alles erklären und kategorisieren zu können. Depressionen folgen ihrer eigenen Logik. Es gilt vielmehr, Depressionen zu akzeptieren, ohne sie zu verstehen.

7. Helfen ja, jedoch keine Entmündigung

Depressive leben in ihrer eigenen Welt der Logik und der Bewertung. Rationale, logische Entscheidungen zu treffen, fällt vielen schwer. Betroffene benötigen Unterstützung, nach objektiven Gesichtspunkten abzuwägen und zu entscheiden. Wichtige Entscheidungen über die private oder berufliche Zukunft, sollten in der Phase einer tiefen Depression nicht getroffen werden. Depressive benötigen Unterstützung – im Alltag, in den einfachen Dingen des täglichen Lebens – aber sie brauchen keine Bevormundung und Entmündigung.

8. Es ist nichts Persönliches

Angehörige von Depressiven brauchen oft eine dicke Haut. Das teils abweisende Verhalten von Depressiven lässt sie wie Egoisten erscheinen. Ein depressiver Mensch tut dies – zumeist – nicht mit Absicht. Ihre emotionale Wahrnehmungsfähigkeit ist eingeschränkt, hinzu kommt eine schnelle Überforderung, die Verletzungen des Gegenübers als Schutzmaßnahme nach sich zieht.

9. Druck abbauen

Perfektionismus steht am Anfang vieler Depressionen – der Anspruch, in allen Lebenslagen Höchstleistung zu erbringen. Und der Druck der Selbstoptimierung wird immer größer. Angehörige können den objektiven Druck zwar nicht verringern, doch sie können dem Betroffenen versichern, dass man er in Ordnung ist, so wie er ist. Sein Wert als Mensch hängt nicht von seinen Erfolgen ab.

10. Erst denken, dann reden

Neuer Job oder endlich die Liebe gefunden – und Ihr Angehöriger freut sich gar nicht für Sie. Das kann man von einem Depressiven auch nicht erwarten. Vergleichbar ist das mit Facebook-Phänomen: Wenn alle nur Fotos posten, die zeigen, wie toll ihr Leben ist, dann kann das selbst auf gesunde Menschen bedrückend wirken.

11. Auf sich selbst achten

Depressive kreisen viel um sich und können andere Menschen mit ihrer Stimmung runterziehen. Angehörige, Freunde und Kollegen müssen dafür sorgen, dass es Ihnen selbst weiterhin gut geht. Treffen mit anderen Menschen, das machen, was man gerne tun. Niemanden ist geholfen, wenn der Angehörige oder ein Freund in Mitleidenschaft gezogen wird und sich nicht mehr distanzieren, beziehungsweise sein eigenes Leben führen kann.

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Autor: Mirko Seidel am 22. Mrz 2015 08:45, Rubrik: Depressionen, Texte & Gedanken, Themen, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben, Trackback-URL

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