Spaß & Satire

Der Meeresspiegel steigt, die Sintflut naht – die Rettung auch

Der Tragödie zweiter Teil – Die Regierung handelt

Trotz größter Geheimhaltung sickern die Pläne der Bundesregierung an die Öffentlichkeit. Unmut macht sich unter der Bevölkerung breit. Kanzlerin Merkel sieht sich genötigt, ihre Ministerien aufzufordern, geeignete Vorschläge für die Rettung der Zivilbevölkerung zu unterbreiten.

Aus dem Bundesbauministerium kommt der Vorschlag, man könne doch einfach eine ausreichend hohe Mauer um das Land ziehen und das Wasser damit zurückhalten. Allerdings räumt Minister Dobrindt ein, mit dem Bau von derart langen Mauern habe man in Deutschland seit dem 13. August 1961 keine Erfahrung mehr, das Bauwerk sei weitgehend zerstört und die damaligen Baumeister seien alle tot. Fassungslos reagiert Bundesinnenminister de Maizière auf die Nachricht und verlangt Aufklärung darüber, wer die Mauer, ein so wichtiges Element der nationalen Sicherheit, zerstört habe. Die Antwort, es seien die Mauerspechte gewesen, irritiert ihn zunächst, kann er sich doch nicht vorstellen, wie so ein kleiner Vogel eine so große Mauer zerhacken kann. Nachdem ein Staatssekretär ihn aufgeklärt hat beschließt der Minister, alle Mauerspechte strafrechtlich zur Verantwortung zu ziehen. Wer die Sicherheit der deutschen Bevölkerung derart sabotiert, gehört eingesperrt. Grundsätzlich erhält er Unterstützung aus dem Bundesjustizministerium, Minister Heiko Maas gibt jedoch zu verfassungsrechtliche Bedenken zu. Das mutwillige Zerstören einer vier Meter hohen Betonmauer mit Hammer und Meißel sei im Strafgesetzbuch nicht explizit erfasst. De Maizière fordert daraufhin den Ausnahmezustand, wird aber von Kanzlerin Merkel zurückgepfiffen.

Bauminister Dobrindt schlägt als Kompromiss vor, den Chinesen ihre Große Mauer abzukaufen. Die Anfrage im Bundesfinanzministerium kommentiert Minister Schäuble mürrisch. Er sitze mit seinem Rollstuhl am tiefsten und würde eh als erster ersaufen, ihn interessiere das Thema nicht. Außerdem sähen die europäischen Einfuhrbestimmungen für Waren aus China den Kauf von Mauern nicht vor und man wisse nicht, wie man das steuerrechtlich behandeln solle.

Das Gesundheitsministerium schlägt vor, die alten Gespenster BSE, Vogelgrippe, Schweinepest und Pockenschutzimpfung wieder auszugraben, um damit die Bevölkerung von der Wassergefahr abzulenken. Das bringe einen enormen Zeitgewinn und sollte das Wasser dann tatsächlich über Deutschland schwappen können man sich herausreden, dass man sich mit den anderen Problemen befassen musste. Der Pharmaindustrie erteilt er schon mal den Auftrag zur Produktion von Impfserum. Die Nachfrage der Industrie, ob das Serum gegen die alten Gespenster oder gegen das Wasser sein soll, lässt Minister Gröhe unkommentiert.

Bundesozialministerin Manuela Schwesig piepst aus der letzten Reihe, man könne doch ein Betreuungsgeld für diejenigen Mitbürger einführen, die eine Patenschaft für einen Kubikmeter Wasser übernehmen und sich verpflichten, durch ihre Pflege des Wassers Schaden von der Allgemeinheit abzuwenden. Diesen Vorschlag knüppelt Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles sofort nieder. Es sei nicht durchführbar. Der Bund habe Milliardenbeträge in den Ausbau des öffentlichen Kanalnetzes gesteckt und da könne man nun nicht auf die individuelle Wasserbetreuung setzen. Sie schlägt vor, die Arbeitslosen zum Dienst am Spaten zu verpflichten und einen Schutzwall aufzuschaufeln. Bei dem Wort „Schutzwall“ feiern die Linken im Bundestag und melden aber sofort Bedenken wegen der sozialen Ungerechtigkeit an. Wenn geschaufelt wird, dann von allen.

Kanzleramtsminister Altmeier möchte seinen Kollegen nicht nachstehen und schlägt vor, das Eindringen des Wassers zunächst vom Verfassungsgericht verfassungsrechtlich abklären zu lassen. Kanzlerin Merkel weist diesen Vorschlag als blödsinnig zurück. Wasser sei international, das könne nur die EU regeln.

Kein Vorschlag kommt aus dem Bundesentwicklungsministerium. Minister Gerd Müller weilt in Afrika und schaut sich ein deutsches Wasserversorgungsprojekt an. Schade, ihn hätte der Vorschlag der Klempner bestimmt interessiert.

Der Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, Sigmar Gabriel, greift, selbst keine Idee habend, den Mauervorschlag auf. Er wird in freundlichem, aber scharfem Ton aus dem Bundesbauministerium darauf aufmerksam gemacht, dass man sich diesen Vorschlag nicht wegnehmen lassen werde. Gabriel solle sich selbst Gedanken machen. Bundesaußenminister Steinmeier eilt seinem Parteifreund zu Hilfe und verkündet, eine internationale Konferenz zur Wasserhaushaltung unter besonderer Berücksichtigung der kostenpflichtigen Abgabe deutschen Sintflutwassers an wasserarme Staaten in der Dritten Welt nach Bonn einzuberufen. Auch das hätte Minister Müller bestimmt interessiert, aber der ist ja nicht da.

Ungeduldig fragt Kanzlerin Merkel im Umweltministerium nach dessen Lösungsvorschlag nach. Minister Hendricks, die gerade mit ihrem Busenfreund Peer Steinbrück auf dem Oktoberfest weilt, lässt nach einigen Tagen ausrichten, man sehe die Kompetenz für dieses Thema im Innenministerium. Innenminister de Maizière kontert, man sei nur für den Schutz von Menschen zuständig. Hier gehe es aber um den Schutz von Verbrauchern, was in der Zuständigkeit von Frau Hendricks liege. Die Ministerin protestiert heftig, man habe ihr das Ressort weggenommen und dem Justizminister zugeschanzt. Das sei mehr als….weiter kommt sie nicht, sie ist nach drei Maß Hefeweizen von der Bank gekippt.

Das Bundesverteidigungsministerium lässt knapp mitteilen, die Bundeswehr dürfe im Inland nicht tätig werden. Wenn die Sintflut in Afghanistan ankommt, hilft die Truppe gern.

Barbara Hendricks, inzwischen wieder nüchtern, erwägt den Vorschlag, die deutschen Atomkraftwerke wieder ans Netz gehen zu lassen. Mit dem gewonnen Strom können man dann das Wasser in die Röhren der Klempner pumpen. Als Angela Merkel ihm die Antwort von Silvio Berlusconi unter die Nase hält, murmelt sie, jeder müsse halt seinen Beitrag leisten und auch mal Opfer bringen.

Der Bundestag reagiert beunruhigt angesichts der Konzeptionslosigkeit der Regierung. Die Linke fordern Neuwahlen und wollen die Wassermassen im Falle ihres Wahlsieges durch massive Steuererhöhungen eindämmen. Auf die ironische Frage des Bauministers, ob Gregor Gysi den Schutzwall aus Geld aufschichten wolle kommentiert der rote Frontmann nicht.
Die Grünen bemühen sich, die guten Seiten des ansteigenden Meeresspiegels aufzuzeigen. Schließlich hätten die Fische dann mehr Platz zum Leben. Einwände von der Parteibasis, der Lebensraumgewinn für Fische gehe zu Lasten anderer Tierarten, überhört die Parteispitze.

Die Linken stellen eine parlamentarische Anfrage und fordern Rechenschaft von der Bundesregierung, ob denn der Anstieg des Wasserspiegels auch sozial verträglich geregelt sei oder ob wieder nur die Armenviertel überschwemmt würden.

CDU und DSU ist das Verhalten der Regierung sichtlich peinlich. Man schiebt die Verantwortung zur SPD. Minister Gabriel habe kein Konzept und Minister Steinmeier zöge es eh vor, in schweren Schicksalsstunden für das deutsche Volk ins Ausland zu verschwinden. Die SPD blafft zurück, schuld sei die Union, schließlich hätten sich alle Vorschläge aus deren Ministerien als undurchführbar erwiesen. Und die SPD werde alles dafür tun, dass die Sintflut nicht so schlimm ausfallen werde und jeder freiwillige Sandsackfüller 8,50 Euro pro Sack erhalten würde.

Lesen Sie die weiteren Teile der „Tragödie“:
Der Tragödie erster Teil – Kanzlerin und Minister zuerst,

Der Tragödie dritter Teil – Es lebe der Föderalismus,

Der Tragödie vierter Teil – Das mediale Großereignis,

Der Tragödie fünfter Teil – Die Nachbarn machen mobil,

Das Finale – Im Schlauchboot in Seenot,

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Autor: Mirko Seidel am 5. Jun 2014 16:15, Rubrik: Spaß & Satire, Texte & Gedanken, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben, Trackback-URL

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