Politik & Gesellschaft

Die besinnliche Zeit ist zu Ende – endlich Ruhe!

26. Dezember, 17.30 Uhr irgendwo in Deutschland. Die Schwiegereltern wurden am Mittag am Bahnhof abgeliefert, die Kinder samt Enkel sind gerade losgefahren.

Sie lässt sich auf die Couch fallen – geschafft, Weihnachten ist vorbei, der Wahnsinn hat ein Ende.

„War doch schön“ sagt er und erntet missbilligende Blicke.
„Für Dich vielleicht“, herrscht sie ihn an, „Du hattest ja keinen Stress“. Das „Du“ zieht sie erheblich in die Länge. „Du etwa?“ wollte er fragen, kommt aber gar nicht dazu.

„Wir waren aus dem Urlaub auf Gran Canaria gerade erst wieder zurück, da habe ich schon angefangen, mir Gedanken zu machen“, sagt sie.
Er überlegt. Das war Ende August. „Und worüber hast Du Dir Gedanken gemacht“. Er bereut die Frage sofort.
„Worüber? So etwas kannst nur Du fragen. Die Geschenke, das Essen, der Baum, die Gans….“. „Baum und Gans habe ich besorgt“ wirft er ein. „Ja, aber auch erst, nachdem ich Dich zig Mal daran erinnern musste“.

„Es war eh wieder viel zu viel“.
„Waaaaaaaaas? Na jetzt hört doch alles auf. Ich rammel hier seit Monaten rum, plane, organisiere, will alles schön machen. Und das ist nun der Dank! Nein, das war das letzte Weihnachten. Nächstes Jahr kümmere ich mich um nichts, dann kannst Du mal sehen, wie Weihnachten wird.“

Sie ist beleidigt. Zu Recht, wie sie findet.

„Aber nun ist ja alles vorbei“, versucht er die Lage zu beruhigen, „es war ein wunderschönes Fest, allen hat es gefallen und Du hast alles ganz wunderbar gemacht“. „Ach, auf einmal? Eben wars Dir noch zu viel.“ Sie schmollt immer noch.

„Naja“ beginnt er vorsichtig, „die Geschenke für die Kinder und Enkel waren schon recht üppig, das Essen reicht auch noch für die ganze nächste Woche.“
„Was soll ich denn machen?“ herrscht sie ihn an, „man kann ja nicht mit leeren Händen dastehen und dann wird rumerzählt, es hätte zu wenig zu essen gegeben. Du weißt doch, wie Deine Mutter ist. Nein, dass lass ich mir nicht nachsagen. Weihnachten ist schließlich das Fest der Geschenke und des Essens!“

Wirklich? Denkt er, schweigt aber. „Na nun haben wir ja Ruhe und können die letzten Stunden des Festes besinnlich verbringen“
„Besinnlich? Ich hör wohl nicht richtig? Weißt Du, was ich noch zu tun habe? Der Aufwasch stapelt sich in der Küche, die Enkel haben wieder so viel Dreck und Unordnung gemacht, das muss ich aufräumen und putzen, die leeren Flaschen und Gläser müssen in die Glastonne und der Müll muss auch noch raus. Du könntest ja auch mal was machen, aber es bleibt wieder alles an mir hängen.“

„Das läuft doch nicht weg, lass uns das doch alles morgen machen und den Rest des Tages genießen“. Er wusste schon, als er den letzten Ton gesagt hatte, dass das kein guter Vorschlag gewesen ist.

Es platzt aus ihr heraus: „Natürlich, das Haus sieht aus wie nach einem Tropensturm, in der Küche stapelt sich der Dreck, dass es selbst den Ratten zu schmutzig ist, aber der Herr will den Tag genießen. Typisch, aber so warst Du ja schon immer. Besinnlich kann ich werden, wenn alles erledigt ist.“,

„Dann ist Weihnachten vorbei“. Ihm ist es jetzt egal, was sie denkt.

26. Dezember, 21.30 Uhr, irgendwo in Deutschland. Der Aufwasch ist gemacht, Dreck und Unordnung sind beseitigt, die leeren Flaschen und Gläser sind in der Glastonne und der Müll ist rausgebracht. Beide sitzen auf der Couch. Endlich Ruhe!

„Du“, beginnt sie nach einigen schweigsamen Minuten, „wir müssen mal drüber nachdenken, in welche Geschäfte wir morgen gehen, um die Geschenke umzutauschen, die nicht passen.“

Er schweigt.

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