Ernährung & Gesundheit

Emotionales Übergewicht

Übergewicht kommt durch zu energiereiche Ernährung. Doch die Hintergründe können tiefer gehen. Stress, fehlende Anerkennung, körperliche und seelische Gewalt, Verluste und Einsamkeit sind Gründe, warum Essen zur Ersatzbefriedigung werden kann. Diäten helfen hier nicht, aber die Aufarbeitung dessen, was die Seele belastet.

Die Nahrungsaufnahme dient zum Erhalt des Lebens und der Leistungsfähigkeit. Während unsere Ur-Vorfahren noch einiges an Energie aufwenden mussten, um an Nahrung zu gelangen, steht uns heute Nahrung praktisch uneingeschränkt rund um die Uhr zur Verfügung, ohne dass wir dafür viel tun müssen. Allein das verführt dazu, mehr zu essen, als für einen gesunden und leistungsfähigen Körper und Geist nötig wäre. Kommen dann noch seelische Belastungen hinzu, wird bei vielen Menschen das Essen zum Ersatz für das, was fehlt. Der Verlust einer geliebten Person, die Trennung vom Partner, die fehlende Liebe durch den Partner, die mangelnde Anerkennung durch Kollegen und den Chef – alles emotional fehlende wird durch Nahrung kompensiert.

Die Konditionierung beginnt im Babyalter

Skulpturenpark Leuna

Skulpturenpark Leuna

Kleinkinder wissen von Natur aus, was gut für sie ist und was nicht. Nach der Stillzeit übernehmen die Eltern die Ernährung des Kindes nach ihren Vorstellungen. Von klein auf werden wir mit Essen belohnt. Wenn Kinder etwas gut machen, brav sind, traurig sind, bekommen sie etwas Süßes als Trostpflaster. Süß ist Belohnung lautet die Botschaft.

Im Jugendalter kommen weitere Belohnungsrituale hinzu. Beim Treffen mit Freuden gibt es Alkohol, auf Partys Chips. Feiern und gute Laune zu haben wird gleichgesetzt mit Genussmitteln.

Schokolade macht glücklich

Das ist ein Fakt. Kakaopulver enthält Theobromin, das dem Koffein ähnlich ist. Theobromin wirkt auf den Organismus dauerhaft anregend und leicht stimmungsaufhellend. Weitere stimmungsaufhellende Inhaltsstoffe von Schokolade sind unter anderem das Amphetamin Phenylethylamin, die Serotonin-Vorstufe Tryptophan, ein natürliches Antidepressivum. Der stimmungsaufhellende Effekt von Schokolade ist durch die Inhaltsstoffe alleine nicht schlüssig erklärbar, sondern schließt auch psychische Einflüsse ein.

Essen wir Schokolade wird in unserem Gehirn eine Kindheitserinnerung wach gerufen – Belohnung. Ich habe etwas gut gemacht – ich bekomme eine Belohnung. Warum essen wir dann aber Schokolade, wenn wir traurig oder wütend sind? Das könnte an der stimmungsaufhellenden Wirkung von Schokolade liegen. Halten Traurigkeit und depressive Stimmungen über eine längere Zeit an, steigt der Schokoladenkonsum. Der Belohnungseffekt wird umgewandelt in einen Ersatzeffekt: Wenn es mir im Leben nicht gut geht, dann lasse ich es mir durch Schokolade gut gehen. Die Folgen zeigen sich auf der Waage. Wenn mich keiner liebt, gebe ich mir selbst Liebe durch etwas Süßes. Wenn mich keiner anerkennt, erkenne ich mich selbst an und belohne mich dafür. Selbst-Anerkennung und Selbst-Liebe sind grundsätzlich gut, jedoch nur dann, wenn sie aus einer inneren Überzeugung kommen und nicht durch Ersatzmaßnahmen.

Die Ernährungsgewohnheiten im Kindesalter wirken sich nachhaltig auf das ganze Leben eines Menschen aus. Wächst ein Kind in einer Familie auf, in der auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung geachtet wird, so wird das Kind im Jugendalter wahrscheinlich mit Chips und Burgern dagegen rebellieren. Im Erwachsenenalter wird es sich erinnern und die gesunde Ernährung neu für sich entdecken. Kinder, die mit Junk-Food aufwachsen, werden dieses Essverhalten dauerhaft beibehalten, es sei denn, sie entscheiden sich bewusst dagegen.

Emotionales Abnehmen

LoslassenDas Anessen von Fettschichten symbolisiert das Anlegen eines Schutzpanzers. Ich grenze mich gegen meine Umwelt ab, ich lege mir ein Schutzschild zu, um nicht mehr angreifbar zu sein. Das jedoch ist ein Trugschluss. Denn zu den alltäglichen Problemen kommt ein neues hinzu: Übergewicht. Das führt zu neuer Ablehnung, Ausgrenzung, Hänseleien. Dem setzt der Betroffene eine Strategie entgegen: weiter essen und noch dicker werden. Ein Teufelskreis.

Entschließt sich eine übergewichtige Person, einen Arzt aufzusuchen, wird dieser ihm vielleicht eine Kur verschrieben. Dort lernt er zwar, wie er sich gesund ernähren kann – seinen emotionalen Ballast wird er aber nicht los. Jed Kur hat einmal ein Ende und sofort sind die seelischen Belastungen wieder da. Das Frustessen beginnt von vorn.

Hier sei ein Vergleich gestattet. Im Mittelalter legten Ritter eine Rüstung an, um sich gegen die Angriffe von außen zu schützen. Der Ritter legte seine Rüstung erst ab, wenn er sich sicher sein konnte, dass es keinen Grund mehr gab, Angriffe zu fürchten.

Wie kann ein übergewichtiger Mensch seinen Fett-Schutzpanzer ablegen? Zu warten, dass es keine Angriffe aus der Umwelt mehr gibt, wird nicht zu Erfolg führen. Er muss sich eine innere Sicherheit aufbauen. Diese heißt Selbst-Anerkennung, Selbst-Liebe, Selbst-Vertrauen und Selbst-Akzeptanz.

Ich habe ein Problem –
ich habe deswegen zu viel gegessen –
ich bin dadurch übergewichtig geworden

Das ist die Realität, ich akzeptiere die Realität, ich arbeite an meinem seelischen Problem, ich arbeite an meinem Gewichtsproblem. So könnte die Formel lauten, die dauerhaft zu einer seelischen und körperlichen Ausgeglichenheit führt.

Tipps für das emotionale Abnehmen

  • Was belastet mich? Welche Umstände meines Lebens machen mich unglücklich?
  • Ich akzeptiere mich so, wie ich bin.
  • Ich bin bereit, über meine seelischen Probleme zu reden und professionelle Hilfe anzunehmen.
  • Ich benenne meine Motivation und mein Ziel.
  • Ich entscheide mich bewusst dafür loszulassen, was mich belastet.
  • Ich stelle die Erlangung meines seelischen Gleichgewichts zu Anfang über die Erlangung meines körperlichen Gleichgewichts.
  • Ich lasse mich nicht beeinflussen sondern suche und gehe meinen Weg, gesteuert durch mein Empfinden, was für mich gut ist.

Seien Sie achtsam zu sich selbst,
aber auch selbstkritisch

  • Nehmen Sie Ihre derzeitige Lebenssituation an und benennen Sie dann erst ihr Ziel. Nur wer weiß, wo er steht kann einen Weg finden, um an sein Ziel zu kommen.
  • Treffen Sie Entscheidungen in Ruhe, überlegt und bewusst.
  • Suchen Sie sich Hilfe und Unterstützung in Selbsthilfegruppen, Medizinern, Therapeuten, oder Coaches.
  • Werden Sie sich darüber bewusst, dass Ihr falsches Essverhalten nicht die grundlegende Ursache für Ihr Übergewicht ist, sondern Ihre seelischen Belastungen.
  • Suchen Sie den Weg, der nach Ihrem Empfinden der beste für Sie ist. Nur Sie allein wissen, was für Sie gut ist, und was nicht.
  • Abnehmen ist nur dann sinnvoll, wenn Sie eine Ernährungsform finden, mit der Sie ihr Wunschgesicht dauerhaft halten können, ohne auf vieles verzichten zu müssen.

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