Spaß & Satire

Es war einmal … Ein Tag im Leben einer Königin (1)

Der Tag beginnt

Es war einmal, tief im Märchenwald, hinter sieben mal sieben Bergen und hinter sieben mal sieben Meeren ein Königreich. Dort regierte eine Königin namens Angela. Ihr prächtiger Palast stand in der Mitte des Reiches. Das Volk war zufrieden und die Königin hatte ein ruhiges Leben. Nur aller vier Jahre begehrte das Volk auf und verlangte von seiner Königin, dass sie sich einen neuen Mann an ihre Seite nahm. So war es auch im letzten Jahr.

Das Volk durfte mitbestimmen, wer der neue König sein sollte. Die Wahl fiel auf den armen Proleten Sigmar. Sigmar war nicht schön und auch nicht reich. Er war auch nicht schlank und sportlich, nein er war einfach nur fett. Aber das war dem Volk egal. Die Verhandlungen zum Ehevertrag zogen sich etwas hin, aber dann war alles geregelt und Sigmar zog mit seinem Gefolge – dem Knappen Frank-Walter, der Kammerzofe Andrea und einem Bild seines verstorbenen Großvaters Willy, der bei einem Brand ums Leben gekommen war – in den Palast ein. Die Hochzeit fand mit viel Pomp und Getöse statt.

Am einem Morgen, die Sonne warf ihre ersten warmen Strahlen durch die Panzerscheiben des königlichen Schlafzimmers, wachte Königin Angela auf. Als sie ans Fenster trat, graute dem Morgen. König Sigmar räkelte sich im königlichen Bett. „Na, meine Teuerste, war doch eine schöne Nacht“ sprach der König zu seiner Angetrauten.

„Ph“ sagte diese, „Du warst hackedicht und Deinen ehelichen Pflichten bist Du auch nicht nachgekommen“. Sie wandte sich verächtlich ab.
„Nun ja“, sprach König Sigmar, „war wohl ein bisschen zu viel Altbier gestern. Aber wir haben ja noch ein paar Jahre Zeit. Und dann wirst Du schon sehen.“ Er lachte verschmitzt.

Ich mach Dich klein bevor bei Dir etwas groß wird, dachte Königin Angela, sagte aber nichts.
„Komm zurück ins Bett, kuscheln“ bettelte der König.
„Nichts da“ herrschte seine Frau ihn an, „ich hab zu tun, schließlich erwartet das Volk, dass nun alles besser wird, wo es einen neuen König hat.“

„Haha haha“ lachte König Sigmar los, „das Volk glaubt echt, nur weil ich nun an Deiner Seite bin, ändert sich etwas?“
„Ja“, Königin Angela lachte lauthals los, „stell Dir vor, die haben mir doch echt geglaubt, ich würde dafür sorgen, dass ihre Arbeit ordentlich bezahlt wird und sie eine auskömmliche Rente bekommen“. König und Königin bekamen einen Lachkrampf. „Und nur, weil ich jetzt in Deinem Bett schlafe?“ fragte Sigmar.
„Stell Dir vor, ja“ sagte die Königin, „aber das ist auch ganz gut so“.
„Warum?“ fragte Sigmar seine Angela.
„Na ganz einfach. Wenns nicht klappt, und es wird nicht klappen, kann ich Dich als Sündenbock vorschieben. In vier Jahren wirst Du öffentlich geköpft und ich kann wieder mit den Jungs spielen.“ Die Königin lachte.
„Welche Jungs?“ fragte König Sigmar.
„Na die, die vor Dir da waren. Reis-Philipp und Pickel-Guido“.
Der König schaute verdutzt. „Und mit denen hattest Du Deinen Spaß?“
„Naja“, antworte Angela, „Eigentlich nicht. Pickel-Guido hat sich lieber mit den Jungs von der Palastwache vergnügt und Reis-Philipp war immer so müde, wenn er abends vom Spielen aus dem Sandkasten kam. Aber lustig wars mit den beiden.“
„Warum?“ Der König verstand nicht.
„Ich habe regiert und alle gute Taten mir zugeschrieben und die Knaben mussten ausbaden, wenn es dem Volk an die Taschen ging.“

König Sigmar schwieg. Ihm schwante Böses. Gerade wollte er den noch frischen Ehevertrag ansprechen, da tönte lautes Gebrüll vom Schlosshof in das königliche Schlafgemach. „Aus dem Weg, aus dem Weg. Ich bin die Größte, die Frau die alles kann und wer sich mir in den Weg stellt, den mache ich platt“ brüllte es im Hof.
„Was ist denn das?“ Königin Angela und König Sigmar stürzten ans Fenster. Ihnen bot sich ein seltsamer Anblick. Eine blond gelockte Sirene mit Stahlhelm schaute aus der Luke eines Panzers, der den Schlosshof umgepflügt hatte und dessen Kanonenrohr auf das Schlafzimmer der Majestäten gerichtet war.
„Aus dem Weg, ich bin die neue Königin“.

„Moment mal“, Königin Angela öffnete das Fenster. „Was willst Du? Ich bin die Königin und das hier ist mein neuer König“. Sie zeigte auf den halbnackten Sigmar.
„Wer ist das eigentlich?“ König Sigmar schaute verdutzt auf das Szenario im Schlosshof.
„Ich bin die Super-Ursel aus dem Lande der Leyen (Leyen ist die altmittelniederhochdeutsche Form des hochdeutschen Wortes Laien, Anm. d. Märchenerzählers). „Ich bin bewaffnet bis an die Zähne und wenn ihr mir die Macht nicht freiwillig herausgebt, so werde ich sie mir holen. Tot oder lebendig.“

Königin Angela dreht sich zu ihrem Mann: „Eine Verrückte, die können wir gebrauchen.“
„Du, Super-Ursel, das mit der Macht ist ja ganz schön“ sagte Königin Angela, „kannste auch gern haben. Da gibt’s nur ein Problem.“
„Welches?“ schrie Kanonen-Ursel zurück.
„Der da“. Königin Angela wies auf den fetten König Sigmar. „Den musst Du dann auch mitnehmen. Das ist bei uns leider so“ Angela kicherte.
„Ähm“ murmelte Super-Ursel, „ wenn das so ist, dann muss ich mir das noch einmal überlegen.
„Ja ja“ beschwichtigte die Königin, „überleg ruhig und recht lange“.

„Werd ich auch mal gefragt?“ mischte sich König Sigmar ein und kratzte sich am Hintern.
„Nein“ sprachen beide Frauen wie aus einem Mund.
„Frau Königin“ rief Ursel nach oben, „Frau Königin, habt Ihr nicht solange einen guten Posten für mich. So was in der Art, wo man nicht viel machen muss, immer im Fernsehen ist und die Verantwortung abwälzen kann?“
Die Königin überlegte. „Na klar hab ich was. Im Süden meines Reiches lebt das wilde Volk der Bajuwaren. Die mucken immer auf und ihr Häuptling erst, ähm, wie hieß der nochmal?“. Sie drehte sich zu ihrem Gatten. „Nun sag doch mal, wie heißt der Buschhäuptling da unten“.
König Sigmar überlegte. „Ähm, das war doch der, der sich nennt wie ein großer Laufvogel, oder?“ „Quatsch“, herrschte die Königin ihn an, „der Strauß ist doch schon seit Jahren tot. Nee, der heißt anders. Naja, ist ja auch egal.“ Sie wandte sich der Kanonen-Amazone zu. „Den erkennst Du schon. Ziel einfach auf den, mit der größten Klappe, da kannst Du gar nichts falsch machen“.
„Haben die Bajuwaren nicht alle eine große Klappe?“ fragte König Sigmar verdutzt.
„Na klar“ antworte ihm seine Frau, „dann sind wir dieses bockige Bergvolk auf einen Schlag los.“ Die Königin lachte zufrieden.

„Nun gut“ brüllte es aus dem Hof, „ ich mache mich auf den Weg nach Süden, das Volk der Bajuwaren bekämpfen. Aber dann gehört mir die Macht.“
„Jaja“ winkte die Königin ab, „erfüll Deinen Auftrag und dann sehen wir weiter“.
Zugleich erhob sich im Palasthof ohrenbetäubendes Getöse. Super-Ursel dreht ihren Panzer, walzte die Rabatten nieder und fuhr umhüllt von einer mächtigen Staubwolke vom Hof.
„So, die sind wir erst mal los.“ Königin Angela war mit ihrer Entscheidung zufrieden.

Und so gehts weiter:
Zur gleichen Zeit in der Palastküche,

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Autor: Mirko Seidel am 19. Sep 2014 13:19, Rubrik: Spaß & Satire, Texte & Gedanken, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben, Trackback-URL

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