Spaß & Satire

Es war einmal … ein Tag im Leben einer Königin (3)

Das Frühstück für Königin Angela und König Sigmar ist angerichtet

Beide Majestäten erschienen im Salon. „Habe ich einen Mordshunger“ rief König Sigmar und setzte sich an den gedeckten Tisch. Er stutzte. „Was ist denn das? Da kommt doch noch was, oder?“
„Was soll denn noch kommen?“ Königin Angela schmunzelte. „Na was zu essen“ erwiderte der König. „Steht doch alles da“ rief die Königin erfreut aus.
„Was?“ Sigmar war entrüstet. „Das ist alles? Gemüse, Obst, Grünfutter? Ich will Fleisch, Käse, Eier, Wurst, Braten“. Der König war außer sich.
„Heute nicht“ entgegnete ihm seine Frau. „Heute ist Veggi-Day.“
„Heute ist was? Der König tobte. „Veggi-Day“ antwortete Königin Angela trocken. „Mittwochs ist Veggi-Day, da gibt’s nur Grünfutter und heute ist Mittwoch.“
Der König schnappte nach Luft. „Außerdem schadet es Dir nicht, wenn Du ein paar Pfund abnimmst“ sagte die Königin laut lachend. Der König sackte in seinem Stuhl zusammen.

Da klopfte es an der Tür. „Was ist denn nun schon wieder?“ Königin Angela war missmutig. „Kann man hier nicht mal in Ruhe frühstücken? Herein“

Die Tür öffnet sich und herein kam der oberste königliche Kassenwart Graf Schäu von Blé. „Was willst Du?“ schmatzte die Königin mit vollem Mund.
„Eure Majestät“ hob der Graf an, „wir müssen reden.“
„Worüber?“
„Über die leere Staatskasse.“ Der Graf war kreidebleich.
„Wieso leere Staatskasse?“ Die Königin verstand nicht. „Nun ja“ entgegnete Graf Schäu von Blé, „Eure teuren Projekte, der neuen Flughafen am Rande Eurer Hauptstadt, der Superbahnhof im Südwesten Eures Reiches und Eure Privat-U-Bahn zu Eurer Sommerresidenz. Das alles kostet viel Geld und Geld haben wir nicht.“ Der Graf blickte betröppelt zu seiner Herrscherin.

„Na mein Gott“ die Königin war genervt, „erhöh die Steuern, nimm Maut von den Kutschen aus dem Ausland, erfinde irgendeine Ökoumlage. Du warst doch sonst nicht so einfallslos.“
„Schon, schon“ sagte Graf Schäu, „aber das alles haben wir getan und trotzdem reicht es nicht. Und dann sind ja auch noch die teuren Versprechen, die unser neuer König dem Volk gemacht hat, bevor er Euch heiratete.“ Der Graf schaute missbilligend auf König Sigmar.

„Ha ha ha“ lachten König und Königin wie aus einem Mund. „Der kapierts nie“, die Königin konnte sich vor Lachen kaum noch halten. „Mein lieber Graf, wie lange fütter ich Dich nun schon durch und immer noch hast Du mein System nicht verstanden. Also pass auf: Das Volk bekommt 8 Taler 50 für eine Stunde Arbeit. Richtig?“
„Richtig“ antwortete Graf Schäu von Blé.
„Dann bekommt es nach 45 Beitragsjahren die volle Rente. Richtig?“
„So soll es sein, Eure Hoheit“ der Graf verstand noch immer nicht.
„Siehste“ fuhr Königin Angela fort, „Das gemeine Volk glaubt, mit 8 Talern 50 könnte es prima leben, dafür streichen wir die Sozialausgaben. 45 Arbeitsjahre schafft eh kaum einer, also haben wir noch die Überschüsse aus der Rentenkasse. Das sollte doch reichen, um die wichtigen Vorhaben des Landes zu bezahlen?“
„Ja, wenn ihr das so sagt“ der Finanzchef war verblüfft, „ so hab ich das noch gar nicht gesehen.“ „Siehste und genau deswegen bin ich die Königin und nicht Du“. Angela schmunzelte verschmitzt.
„Entschuldigt meine Störung“, der Graf war peinlich berührt. „Schon gut“ sagte die Königin, „Du darfst Dich entfernen und kümmer Dich darum, dass ich endlich von meinem neuen Luxusflughafen nach Malle düsen kann“ rief sie ihrem Schatzmeister nach. Der verschwand aus dem königlichen Speisezimmer.

„Wenn man hier nicht alles selber macht“ die Königin stöhnte. „Nur Waschlappen hat man hier um sich“. Die Königin schielte auf ihren Ehemann, doch der nagte gerade an einer Stange Sellerie.

Beide setzten ihr Morgenmahl schweigend fort. „Was steht denn heute bei Dir an?“ fragte König Sigmar seien Frau nach einigen Minuten des Schweigens.
„Hm“ sagte die, „mal nachdenken. Also ich glaube, nachher kommt irgendeine Abordnung aus der Wirtschaft. Vorher muss ich mich noch mit meinen Ministern treffen und die Tagesorder ausgeben. Und dann hat sich noch irgend so ein böser Zauberer aus dem Land der Roten angesagt, ähm ich glaube der böse Barack, ja, so hieß der. Und was machst Du den lieben langen Tag?“ fragte die Königin den König.
„Och, naja, mal sehen“ König Sigmar tat gelangweilt, „eigentlich müsste ich ja als Oberwirtschaftsverwalter Deinem Kabinettstheater beiwohnen. Aber da die Wirtschaft ja eh macht, was sie will, kann ich mir das auch schenken.“
„Nun weiß ich aber immer noch nicht, wie Du den lieben langen Tag verbringst“ die Königin wurde sauer.
König Sigmar duckte sich. „Nun, ich könnte ja erst mal in die Palastküche gehen und ein Wörtchen mit dem Koch wechseln …“
„Lass es“ fiel ihm seine Frau ins Wort, „die neuen Köche sind zwei radikale Ökoterroristen und deren Einstellung haben wir dem Oberhaushofmeister Joachim dem Gauckler zu verdanken. Den hab ich mir so dressiert, dass er macht, was ich sage und alle denken, es käme von ihm“
„Und warum dann dieser neue Koch“ fragte König Sigmar. „Na der Alte wird eben senil“ entgegnete die Königin trocken. „Aber wenn der den Laden hinschmeißt wissen wir nicht, was kommt. Dieses Amt ist in seiner Besetzung so undurchsichtig. Ich hab das auch noch nicht kapiert.“
König Sigmar schmunzelte, war er doch froh, dass seine allmächtige Ehegattin auch mal ratlos war.

„Ach weißt Du was“ begann Königin Angela das Gespräch aufs Neue, „mach was Du willst, aber steh mir nicht im Weg rum und fummel mir nicht in den Regierungsgeschäften herum.“

Das Frühstück war beendet. König Sigmar verlies eilig das Speiseizimmer und den Palast und suchte sich erst mal eine Frittenbude. Er hatte Knast.

Was bisher geschah:
Der Tag beginnt,
Zur gleichen Zeit in der Palastküche,

Und so gehts weiter:
Derweil begibt sich die Königin in ihren Thronsaal …,

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Autor: Mirko Seidel am 27. Sep 2014 06:57, Rubrik: Spaß & Satire, Texte & Gedanken, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben, Trackback-URL

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