Burnout

Essen hält Leib und Seele zusammen – und hilft trotzdem nicht bei Burnout?

Essen ist etwas Schönes. Deshalb tun wir es auch so oft und gern. Und weil es Spaß macht, essen wir auch gern zu viel, zu fett, zu kohlehydratreich, zu süß – zusammengefasst: zu ungesund. Das wissen die Meisten auch und tun es trotzdem.

Essen hält Leib und Seele zusammen – 1690 schrieb Hinrich Hinsch „Weil Speis und Trank in dieser Welt doch Leib und Seel‘ zusammenhält.“
Ob Essen den Leib zusammenhält oder eher zu dessen Ausdehnung beiträgt, kann man diskutieren. Aber was bedeutet Essen für die Seele und vor allem für diejenigen Menschen, deren seelisches Gleichgewicht aus dem Lot geraten ist – für Menschen mit psychischen Problemen oder Burnout?

Glaubt man dem geflügelten Wort, dann müssen alle Menschen mit psychischen Problemen einfach nur mehr essen und alle ihre Probleme lösen sich von selbst. Ein schöner Gedanke. Das führt dann zwar zu Übergewicht, macht aber glücklich.

Oder werden hier vielleicht zwei Themen – Burnout und Übergewicht – in einen Topf geworfen, die nichts miteinander zu tun haben. Oder doch? Der Mensch ist eine Einheit aus Körper, Seele und Geist. Alle drei Elemente müssen „gefüttert“ werden, brauchen Energie.

Am einfachsten ist wohl, den Körper mit Energie zu versorgen – durch Nahrungsaufnahme. Der Geist ist ohne die Energie aus der Nahrung nicht leistungsfähig. Essen allein reicht ihm aber nicht aus, es bedarf einer zusätzlichen, der geistigen Nahrung, z.B. in Form von Bildung, Kommunikation und Kultur. Was aber ernährt die Seele? Überschüssige Energie aus der Nahrungsaufnahme lässt sich vermutlich nicht in Energie für die Seele umwandeln. Wäre dem so, wären alle Übergewichtigen die glücklichsten Menschen der Welt.

Was passiert, wenn ich dem Körper seine Seelenenergie entziehe? Was ist Seelenenergie? Wir wissen heute mehr oder weniger gut Bescheid über die organischen Funktionsweisen unseres Körpers. Wir wissen annähernd, wie das menschliche Gehirn funktioniert und was wir für die Entwicklung unseres Geistes tun müssen. Wir wissen nicht, was Seele ist. Die Seele wird heute allgemein gleichgesetzt mit der Gesamtheit der Gefühlsregungen und geistigen Vorgänge oder als Synonym für Psyche verwendet. Beides dürfte nicht zutreffen, da hier Geist und Seele miteinander vermischt werden. Da wir nicht wissen, was die Seele ist, wissen wir auch nicht, wie wir sie „ernähren“ – sprich, mit Energie versorgen können.

Entziehe ich dem Körper seine Nahrungsenergie, werde ich verhungern. Führe ich ihm zu viel Energie zu, werde ich übergewichtig. Das versteht jeder. Entziehe ich dem Körper seine geistige Nahrung, werde ich auf dem bis dahin erreichten geistigen Niveau verharren, aber weiterleben. Führe ich ihm zu viel geistige Nahrung zu, könnte ich mich einseitig entwickeln, aber auch weiterleben.

Kann ich der Seele zu wenig oder zu viel Energie zuführen und wenn ja, wie äußert sich das? Zu wenig Seelenergie kann sich z.B. in Depressionen äußern (den Begriff Burnout vermeide ich hier ganz bewusst, da Burnout nicht nur die Seele des Menschen betrifft, sondern auch den Geist und den Körper). Zu viel Seelenenergie könnte sich in einem überschäumenden Glücksgefühl äußern – was ja sehr angenehm sein kann, aber vielleicht auch in dem überschwänglichen Gefühl, nun Fliegen zu können.

Wie komme ich zu Seelenenergie? Was müssen wir tun, für unsere Seelenhygiene? Überschüssige, durch Nahrung aufgenommene Energie lässt sich vermutlich nicht direkt in Energie für die Seele umwandeln. Es ist wahrscheinlich unbestritten, dass ein Spaziergang im Park oder im Wald, das Sitzen an einem See oder ein romantischer Sonnenuntergang für die allermeisten Menschen erholend und entspannend ist. Man tankt auf, ist befreit, fühlt sich gut und kann die Seele baumeln lassen. Ach! Es gibt also etwas, was unsere Seele baumeln lassen und sie mit Energie versorgen kann.

Bleiben wir im Wald. Unterstellt man, dass es keine Materie sondern nur Energie gibt, so stehen im Wald also keine Bäume und sonstigen Pflanzen, sondern unzählige Energiequellen. Diese senden ihre Energie aus und ein Mensch, der im Wald spazieren geht, nimmt diese Energie auf. Da ein Baum grundsätzlich nicht feindseelig eingestellt ist, sendet er also positive Energie aus.

Im seelenenergieleeren Menschen kann diese Energie dazu führen, Stresshormone, wie Adrenalin und Dopamin abzubauen und Glückshormone, wie Serotonin und Endorphine auszuschütten. Seelenergie lässt sich also nicht durch grobstoffliche Energiezufuhr – wie Nahrungsaufnahme – gewinnen, sondern durch feinstoffliche Energie aus unserer Umwelt. Dabei kann die Energieaufnahme nicht nur in der Natur stattfinden, sondern auch an einem schönen Abend mit guten Gesprächen unter Freunden, beim Spielen mit Kindern oder Haustieren oder bei einem Konzert – ob klassisch oder Hardrock muss jeder für sich selbst herausfinden.

Burnoutgefährdete Menschen vernachlässigen nur zu oft ihre Seele, ja sie lassen sie verkümmern. Ihren Körper erhalten und ernähren sie, oft mehr schlecht als recht, weil ihr natürlicher Erhaltungstrieb das von ihnen verlangt. Ihren Geist halten sie funktionsfähig, weil sie diesen für die Erledigung ihrer Aufgaben benötigen. Die Seele wird nicht gebraucht. „Darum, dass es mir gut geht, kümmere ich mich später“. Das Gesamtenergieniveau des Körpers sinkt. Und leider kann die eingelagerte Übergewichts-Energie nicht direkt abgerufen werden, um das Defizit auszugleichen. Im Gegenteil, Übergewicht kann das Problem noch verstärken.

Für Menschen mit Depressionen und Burnout findet sich in (fast) jedem Buch zu diesem Thema der Hinweis, man solle viel in der Natur spazieren gehen. Depressive und Burnout-Betroffene sind Menschen mit einem erheblichen Energiedefizit ihrer Seele. Die Natur kann helfen, dieses Defizit zu verringern.

Summa summarum: Unserem Gesamt-Körper mit seinen Elementen Körper, Seele und Geist steht nur ein Vorrat an Energie zur Verfügung – wir haben nun mal nicht drei Akkus. Diese Energie steht grundsätzlich allen drei Teilen zur Verfügung, da Körper, Seele und Geist nicht voneinander trennbar sind. Der Geist, aber vor allem die Seele, benötigen allerdings zusätzlich ihre spezifische Form der Energiezufuhr. Vernachlässigen wir diese Zufuhr, verkümmert zunächst der vernachlässigte Teil unseres Gesamt-Körpers und früher oder später werden auch die anderen Teile davon in Mitleidenschaft gezogen. Wir tun gut daran, öfters in uns hineinzuhören und die Teile unseres Gesamt-Körpers nach ihrem Zustand zu befragen. Für den Körper ist das relativ leicht – man stellt sich auf die Waage. Für den Geist merken wir dies am ehesten bei Gesprächen mit anderen Menschen, beim Lesen anspruchsvoller Literatur oder beim Erschließen neuer Themenfelder. Für das Prüfen des seelisch-energetischen Gleichgewichts können wir uns die Fragen stellen „Freue ich mich auf Morgen, auf nächste Woche, auf meine Arbeit?“, „Kann ich mich am Leben erfreuen?“ oder „Schaue ich optimistisch in die Zukunft?“ Ja – dann sollte die Seele im Gleichgesicht sein. Nein – dann empfehle ich erst einmal einen langen Spaziergang im Wald. Das Handy sollte man zuhause lassen.

Zurück zum Essen. Essen hält auch die Seele zusammen. Ein Essen in schöner Umgebung, an einem festlich gedeckten Tisch, mit angenehmen Menschen und köstlichen Speisen ist Nahrung pur für die Seele. Und wenn dann die Aufnahme der Nahrung bewusst erfolgt ist das Mahl auch kein Problem für die Figur.

Lesen Sie auch den Leitartikel und die Artikel zum Thema Burnout.

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