Politik & Gesellschaft

Oh fröhliche Zeit, oh stressige Zeit

Weihnachtsmarkt in Leipzig

Es ist Ende November und Weihnachten rückt unaufhaltsam näher. Was? Schon wieder Weihnachten? Dabei ist doch der Sommerurlaub gerade erst vorbei? Nur noch ein paar Wochen und was es noch alles zu tun gibt.

Die Adventszeit ist für viele Menschen leider die stressigste des Jahres. Dabei soll sie doch die besinnlichste des Jahres sein.

Der Begriff Advent hat einen weltlichen Ursprung. Im Römischen Reich bedeutete er die Ankunft eines Königs oder Kaisers. Die Christen übernahmen das Wort für die Ankunft Jesu Christi.

Die Adventszeit war eigentlich Fastenzeit. Ja, keine Plätzchen, keine Pfefferkuchen, kein Stollen. Das scheint heute undenkbar. Allerdings verlangt die Katholische Kirche das Fasten seit 1917 nicht mehr. Nun, 1917 war Krieg und es gab vermutlich keinen Grund zum Fasten. Das ist heute anders. Die Adventszeit dauerte einst vom 11. November bis zum 6. Januar.

Wie passen dann Weihnachtsmärkte in die Adventszeit? Unsere heutigen Weihnachtsmärkte gehen zurück auf mittelalterliche Verkaufsmessen, auf denen sich die Menschen mit Fleisch und winterlichen Gebrauchsgegenständen versorgen konnten. Von Völlerei und Glühwein war damals keine Rede. Erst seit dem 20. Jahrhundert wurden die Märkte mehr und mehr zu scheinbar endlosen Reihungen von Süßigkeiten-, Alkohol- und Fressständen.

Weihnachten ist ausgeufert. Aus dem Fest der Liebe, der Familie und der Besinnung ist ein Fest der Geschenke, des Herumrennens und des Stresses geworden. Seit August werden Weihnachtsbaumkugeln und Lebkuchen verkauft. Die Werbeindustrie fährt auf Hochtouren und überschüttet uns mit Informationen, was wir denn unseren Liebsten alles zu schenken haben. Die Kaufhäuser warten seit Mitte Oktober mit Winterdekoration auf und erste Weihnachtsmänner sollen schon lange vor dem Totensonntag gesichtet worden sein.

Wo ist der Sinn geblieben? Ist der Sinn der Adventszeit nur noch, dem Handel die beste Umsatzzeit des Jahres zu bescheren? Ist der Sinn der Adventszeit, allabendlich volltrunken vom Glühweinstand nach Hause zu wanken? Ist der Sinn der Adventszeit, Geschäfte und Internet zu durchforsten, immer auf der Suche nach dem noch besseren und noch einzigartigeren Geschenk?

Wo bleibt die Besinnung? Besinnung auf das, was Advent ausmacht – das Verzichten. Man muss nicht zwangsläufig Speis und Trank fasten. Der Verzicht auf den alljährlichen Geschenketerror, der Verzicht auf maßlose Völlerei auf den Weihnachtsmärkten – das kann modernes Fasten in der modernen Adventszeit bedeuten.

Besinnen wir uns. Advent bedeutet für die Christen die Ankunft Jesu. Jesus kam im Stall zur Welt, ohne Lebkuchen, ohne Glühwein, ohne Cashmereschal und ohne Mobiltelefon. Man muss kein Christ sein, doch man kann den Sinn der Adventszeit für sich nutzen – um zur Ruhe zu kommen.

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