Persönlichkeitsentwicklung

Die Geschichte des Wortes Coach

Coach kommt aus dem Englischen und heißt Trainer. So die weitläufige Meinung. Doch so einfach ist es nicht.

Coach hat in der englischen Sprach viele Bedeutungen: Bus, Kutsche, Karosse, Eisenbahnwaggon, Nachhilfelehrer. To coach bedeutet, jemanden trainieren, kann aber auch mit to practice übersetzt werden. Jemandem Nachhilfe geben heißt auch to coach. Eine reno coach ist ein Renovierungsfachmann.

Trainer heißt im Englischen track-suit oder coach. Coaching bedeutet Training oder Nachhilfe.

Coach und Coaching haben also etwas mit trainieren, mit Hilfe, Nachhilfe aber auch mit Fortbewegung zu tun.

In der französischen Sprache gibt es das Wort coche, das ebenfalls Kutsche bedeutet. Doch die Geschichte des Wortes reicht noch weiter zurück und führt nach Ungarn.

Die Kutschen aus Kocs

Im Norden Ungarns liegt die Stadt Kocs. Kocs war im Mittelalter in etwa so etwas, was wir heute als Güterverkehrszentrum bezeichnen. Wichtige Handelsstraßen kreuzten sich hier und viele Händler kamen mit ihren Wagen und Waren in die Stadt. Der Handel florierte. Was lag da näher, als in Kocs Kutschen zu bauen. Kocsi szeker nannten die Ungarn ihre von Pferden gezogenen Gefährte – Wagen von Kocs. Die Kutschen aus Kocs waren für die damalige Zeit die modernste und bequemste Form, durch Europa zu reisen. Sie waren das Beste und Bequemste, was es auf dem europäischen Kutschenmarkt gab. Die Kutschen verbreiteten sich schnell auf dem Kontinent und machten die Stadt, aus der sie kamen, bekannt und ihre Einwohner reich.

Die Kocsi szeker fanden Einzug in viele europäische Sprachen. Auch das deutsche Wort Kutsche stammt von Kocs ab. In der englischsprachigen Welt hat sich das Wort bis heute für einige moderne Fortbewegungsmittel erhalten.

Von der Kutsche zum Trainer

Wie kam es aber nun von der Kutsche zum Trainer? Nun, ich bin kein Sprachforscher. Um eine Kutsche sicher über die damals noch sehr schlechten Straßen und Wege lenken zu können und Passagiere und Fracht sicher ans Ziel zu bringen, brauchte es Übung und Training. Eine Kutsche zu lenken, musste man lernen. Das hat sich bis heute beim Auto so erhalten. Kutscher konnte nicht jeder werden, der Mensch brauchte Potenzial.

Und was hat all das mit unserem heutigen Verständnis von Coach und Coaching zu tun? Die Deutschen übernehmen nur allzu gern Begriffe aus der englischen Sprache, deutschen sie ein und geben ihnen einen ganz neuen Sinn. Er gibt heute kaum noch Fußballtrainer, dafür jede Menge Coaches. Wir suchen keine Hilfe und Unterstützung mehr, wir lassen uns coachen.

Längst haben die Wörter Coach und Coaching in Deutschland ihre eigene Bedeutung. Es ist modern, sein Leben von einem Life-Coach in Ordnung bringen oder sich auf die nächste Beziehung von einem Flirt-Coach fit machen zu lassen. Es gibt Business-Coachs, Life-Coachs, Ernährungs-Coachs, Flirt-Coachs, Mental-Coachs, Burnout-Coachs und wahrscheinlich noch unzählige andere. Vielleicht sogar einen Coach-Coach.

Braucht es diese Spezialisierung? Ja und Nein. Coaching ist ein systemischer Prozess, der im Prinzip immer nach dem gleichen Schema abläuft. Der Coach ist nicht der Experte und er liefert nicht die Lösung für das Problem des Klienten. Er steuert den Prozess und hilft dem Klienten seine eigenen Lösung zu finden. Es ist also egal, ob vor dem Coach ein Arbeiter oder Angestellter sitzt, ein Manager oder ein Professor, die Kanzlerin oder ein Bischof. Es ist egal, ob es um private oder berufliche Probleme geht. Es ist egal, ob das Thema lautet: „Wie gieße ich meine Blumen?“ oder „Wie übernehme ich die Weltherrschaft?“. Ein Coach mit einer fundierten Ausbildung ist prinzipiell in der Lage, jeden Klienten mit seinem speziellen Problem zu begleiten und zu einer Lösung zu führen.

Eine Spezialisierung kann trotzdem sinnvoll sein. Ein Coach, der sich in Wirtschaftskreisen bewegt, sollte einige Kenntnisse haben, wie Wirtschaft funktioniert. Ein Burnout-Coach sollte sich mit dem Burnoutsyndrom auseinander gesetzt haben. Der Coach muss keine Experte sein, aber ein erfolgreiches Coaching setzt voraus, dass der Coach in der Lage ist, sich in die Gefühls- und Gedankenwelt seines Klienten hineinzuversetzen.

Coaching für das Lebens-(Reise)-Ziel

Zurück zu den Kutschen von Kocs. Was haben die nun mit Coaching in unserer Zeit zu tun? Eine ganze Menge. Eine Kutsche bringt mich von meinem jetzigen Standpunkt in einer Zeit X zu dem von mir anvisierten Ziel. Dafür brauche in einen Kutscher, der die Kutsche lenkt und aufpasst, dass mir nichts passiert. Das fordert Vertrauen. Wenn ich ihm sage, „Fahr langsamer, mir wird schlecht“, so wird es tun. Sage ich ihm: „Fahr schneller, ich will ankommen“, so wird er das nur soweit tun, wie er es verantworten kann, um Kutsche und Pferde, Passagiere, Gepäck und sich selbst nicht in Gefahr zu bringen. Ich kann dem Kutscher sagen, wenn ich eine Pause machen will. Sage ich es ihm nicht, wird er von sich aus eine Pause machen, wenn er es für richtig hält.

Die Kutschen aus Kocs waren die beste und bequemste Art der Fortbewegung. Coaching ist die beste und bequemste Art sein Lebens-(Reise)-Ziel zu erreichen.

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Quelle: Joseph O´Connor; Andrea Lages: Der große Coaching Atlas, VAK Verlags GmbH Kirchzarten bei Freiburg, 2009

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