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Der Wert gesellschaftlicher Wertesysteme

Unsere Gesellschaft ist voll von Wertesystemen, die das Zusammenleben der Menschen regeln sollen.

Religionsgemeinschaften, Parteien, Vereinigungen aller Art haben ihre Wertesysteme, nach denen sie arbeiten und dadurch existieren können. Sie transportieren diese Wertesysteme in die Gesellschaft, werben für sie und können sogar soweit einwirken, dass ihre Systeme als allgemeingültig anerkannt werden.

Wie wertvoll sind diese gesellschaftlichen Wertesysteme für den einzelnen Menschen?

Jeder Mensch hat sein individuelles Wertesystem, das aus Erfahrungen und Erlebnissen im Laufe des Lebens entsteht und sich ständig wandelt. Dem gegenüber stehen Wertesysteme von Gruppen, die oft Verhaltensregeln aufstellen und diese – mit der Macht der Gruppe – als allgemeingültig hinstellen. Die Durchsetzung dieser Regeln passierte und passiert nicht selten unter Druck und Zwang, wie in Diktaturen.

In weitgehend freien Gesellschaftssystemen ist es schwieriger, Wertesysteme von Gruppen mit Zwang durchzusetzen. Die Frage ist dabei nicht, ob die Wertesysteme von Gruppen gut oder schlecht sind – die Frage ist, was passiert, wenn als allgemein gültig anerkannte Wertesysteme mit dem individuellen Wertesystem von Menschen kollidieren. Muss der Einzelne sich der Gruppe anpassen oder muss die Gruppe Rücksicht auf den Einzelnen nehmen?

Für mich liegt die Antwort auf diese Frage in der Mitte. Ein friedliches Zusammenleben ist nur möglich, wenn alle Mitglieder einer Gemeinschaft in der Lage sind, sich anzupassen, ohne sich aufzugeben und ihr Wertesystem zu verteidigen, ohne rücksichtslos zu sein.

Diese Gradwanderung ist schwierig. Zu sich selbst zu stehen, auch gegen breiten Widerstand, und dennoch kompromissbreit und anpassungsfähig zu sein erfordert Respekt vor der Meinung anderer, erfordert empathische Fähigkeiten und erfordert die Einsicht, die eigenen Bedürfnisse auch mal zurückstellen zu können.

Allgemein gültig Wertesysteme können hilfreich sein, das Zusammenleben der Menschen zu regeln. Sie sind dann wertvoll, wenn sie die Wertesysteme aller Menschen und anderer Gruppen respektieren und zulassen, dass auch diese eine mögliche Form sind.

Individuelle Wertesysteme sind nur dann ausgereift, wenn sie neben der persönlichen Meinung auch alle anderen Meinungen zulassen und so ausgerichtet sind, dass sie ein verträgliches Zusammenleben ermöglichen.

Wertesysteme sind nicht starr – weder die gesellschaftlichen noch die individuellen. Gesellschaftliche Wertesysteme entstehen aus individuellen Systemen, wenn mehrere Menschen mit ähnlichen Wertevorstellungen aufeinander treffen. Alle Systeme sind änderbar. Gesellschaftliche Wertesysteme von Gruppen ändern sich dann, wenn sich die individuellen Systeme ihrer Mitglieder verändern.

Veränderung von Systemen beginnt also nicht im Großen, sondern im Kleinen, bei jeden Menschen und seinem individuellen Wertesystem.

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Autor: Mirko Seidel am 22. Jan 2017 10:59, Rubrik: Themen, Werte, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben, Trackback-URL

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