Erfolg & Glück

Ich brauche kein Glück

Am Schloss Delitzsch

Vor einiger Zeit las ich einen Artikel, in dem eine Frau schrieb, sie brauche kein Glück. Dazu die Geschichte: Jemand wünschte dieser Frau Glück und dass es möglichst lange anhalte. Sie hätte danke sagen können, mochte es aber nicht tun.

Sie gab zu bedenken, dass sie bereits über 40 Jahre alt ist, multiple und aktuell ausgebildet sei, unzählig erfahren, erfolgreich und mit Rückschlägen bis hin zum totalen Scheitern. Sie beschrieb sich als „reif“ und vom Leben fein aber zäh gegerbt.
Glück sei für sie daher einzig der Umstand, dass ein ihr unbekannter Anderer den Schettino macht (der Kapitän der untergegangenen Costa Concordia) und mal so sein Boot verlässt und einfach von der Brücke geht. Alles andere sei Können.

Die Frau schrieb, sie brauche kein Glück, ob als Manager oder Coach (als solcher war sie tätig). Das sei für sie diese unendlich unemanzipierte, unabgelöste und unreife Orientierung. Sie fühle sich, als müsse ihr irgendetwas helfen. Und genau davon möchte sie sich distanzieren – und das ganz besonders als Coach.

„Ich kann das. Du kannst das. Wir können das“, so ihr Leitspruch. Sie schrieb, dass wir uns zwar weiter entwickeln und weiter erfolgreich sind oder scheiternd – aber der Anteil, der vorhanden ist und „kann“ ist da und sollte vor lauter Rührseligkeit nicht immer und immer wieder kindlich vorgeschoben vergessen werden.

Sie hätte es lieber gehabt, der andere Mensch hätte ihr zugerufen: „Geh los, und bring gleich Köln mit.“

Das ist für sie eine lohnende Haltung – das Ding vom Glück sei die Antwort derer, die am Ufer schon keine Ideen mehr haben. Wenn der Mensch am Ende seines Lebens nicht weiter ist als in dem Gedusel, kann er auch gleich untergehen.

Sie zitierte Kurt Tucholsky mit den Worten: „Erhalten zu bleiben ist kein Zeichen von Wert.“ Die gedankliche Gegenprüfung wäre im Fall von Scheitern weder noch ein Coaching, eine Therapie, keine Reflexion noch sonst etwas für ein Wiederaufstehen zu nutzen, da man ja dann anstelle von Glück bloß sagen könnte: „Pech gehabt.“ So funktionieren die Menschen, nach Ansicht der Frau, aber nicht.

Sie schloss ihre Ausführungen mit den Worten: „Wir können. Wir lernen, Wir wachsen. – Wir brauchen kein Glück. Was wir brauchen und auch haben, ist uns selbst. Nur das. Und das reicht“.

Hm, hat sie recht? Was zählt ist das, was wir können. Es hat wenig Sinn, mir Glück wünschen zu lassen für eine Sache, die ich gar nicht meistern kann. Glück im Außen zu finden, ist nicht möglich, Glück kann ich nur in mir selbst finden, denn es ist so individuell, wie der Glaube.

Und doch brauchen wir Glück – unser eigenes, empfundenes Glück. Glück, so behaupte ich, ist lebensnotwendig. Das innere Glück, das verbunden ist mit Zufriedenheit, Ausgeglichenheit, Freude, Erfüllung u.a. ist so wichtig, wie das tägliche Brot und der Atem.

Was soll ich einem Menschen sagen, der zu mir als Coach in einer tiefen Sinn- und Lebenskrise kommt? Sie brauchen mich nicht, sie können alles, laufen sie los und Glück wünsche ich Ihnen dabei auch nicht. Das ist nicht nur dumm und geschäftsschädigend, es ist auch verantwortungslos. Natürlich wäre es schön, jeder Mensch wüsste von seinen Stärken und Ressourcen, jeder Mensch käme aus eigener Kraft aus seinen Lebenskrisen heraus. Wir bräuchten keine Coaches, keine Therapeuten mehr. Wir hätten nur noch selbstbewusste, erfolgreiche Menschen um uns herum. Die Realität sieht anders aus. Aus den Worten der Frau spricht für mich viel Enttäuschung, viel Ernüchterung. Es spricht für mich aber auch viel Selbsterhöhung und Arroganz. Sie mag aus ihrem Leben gelernt haben. Sie mag aus manchem Scheitern gestärkt heraus gegangen sein. Sie hat ein großes Selbstvertrauen und das ist auch gut so. Doch darf ich deshalb den Menschen, die das (noch) nicht aus eigener Kraft schaffen, das gewünschte Glück verwehren?

Das halte jeder, wie er wolle. Ich halte es anders. Ich wünsche den Menschen, die mir wichtig sind, Glück für all ihre Vorhaben. Ich glaube daran, dass alles, was ich aussende, zu mir zurückkommt. Auch das Glück.

Ich wünsche allen, die diesen Artikel lesen, viel Glück auf ihrem Lebensweg und Vertrauen in die eigene Stärke.

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