Mediation

Zum Tag der Mediation: Irrtümer über die Mediation

Zum zweiten Mal findet am 18. Juni 2015 der internationale Tag der Mediation statt. Er wurde durch die großen deutschsprachigen Mediationsverbände aus Österreich, der Schweiz und Deutschland ins Leben gerufen. Ziel dieses Tages ist es, die Bekanntheit der Mediation zu steigern.

Mediation als Alternative zu herkömmlichen Schlichtungs- oder Gerichtsverfahren ist bisher nur wenig verbreitet. Dazu tragen sicher auch Irrtümer und Vorurteile bei, die meist aus Unkenntnis über das Mediationsverfahren verbreitet sind.

Irrtum 1: Mediation ist eine esoterische Praktik

Umfragen sagen aus, dass 70% der Bevölkerung schon einmal etwas von Mediation gehört haben. Dennoch kommt es immer wieder vor, dass Mediation mit Meditation verwechselt und damit eher mit Räucherstäbchen und Yogamatte statt Konfliktlösung in Verbindung gebracht wird. Mediation ist keine Praktik, die beim Entspannen unterstützt. Sie ist ein Verfahren, das Menschen dabei hilft, ihre Konflikte friedlich und einvernehmlich zu lösen.

Irrtum 2: Mediation ist erst sinnvoll, wenn der Konflikt schon richtig aufgebauscht ist

Eine Mediation ist in jeder Phase eines Konfliktes sinnvoll. Sie wirkt auch vorbeugend und ist eine gute Methode, wenn man merkt, dass ein bestimmter Punkt zu Ärger führen könnte. Mithilfe eines Mediators lässt sich Streit häufig vorbeugen.

Irrtum 3: Mediation ist auch ohne die gegnerische Partei möglich

Ganz klar – Nein. Eine Mediation zu beginnen, ohne das alle Konfliktparteien damit einverstanden sind, ist nicht möglich. Für eine Mediation ist es immer erforderlich, dass alle Beteiligten bereit sind, sich an einen Tisch zu setzen und gemeinsam nach einer Lösung zu suchen. Begleitend besteht für jeden Einzelnen die Möglichkeit eines Konfliktcoachings, bei dem man mit dem Mediator schaut, wie sich die Situation für einen selbst verbessern lässt.

Irrtum 4: Der Mediator sorgt dafür, dass die andere Streitpartei an der Mediation teilnimmt

Mediation ist ein freiwilliger Prozess. Der Mediator darf keine Konfliktpartei dazu überreden, an einer Mediation teilzunehmen. Denn dadurch könnte der Eindruck entstehen, dass der Mediator auf der Seite einer Konfliktpartei steht. Der Mediator muss schon im Vorfeld einer Mediation darauf achten, dass er seine Neutralität wahrt und dass nie der Eindruck entsteht, dass er für eine Partei mehr da ist als für die andere.

Irrtum 5: Wenn ein Gerichtsverfahren anhängig ist, kann für diesen Fall keine Mediation mehr begonnen werden

Während eines laufenden Gerichtsverfahrens kann ein Mediationsverfahren begonnen werden. Allerdings muss das Gerichtsverfahren ruhen, während die Mediation läuft. Kann durch die Mediation keine Einigung erzielt werden, so kann das Gerichtsverfahren wieder aufgenommen werden.

Irrtum 6: In der Mediation wird die Vergangenheit analysiert und geschaut, wer an dem Konflikt schuld ist

Viele Menschen verbinden eine Mediation mit einer Vergangenheitsanalyse. Die Mediation richtet den Blick jedoch in die Zukunft und nicht in die Vergangenheit. Es erfolgt auch keine Analyse, wer an dem Streit schuld ist. Mediation ist ein sehr strukturiertes Verfahren, bei dem zielorientiert eine Lösung für die Zukunft entwickelt wird, mit der alle Beteiligten gut leben können.

Irrtum 7: Der Mediator sucht eine Lösung des Konfliktes

Im Gegensatz zu einem Schlichter oder Richter gibt der Mediator kein Ergebnis vor. Stattdessen hilft er den Beteiligten dabei, selbst die Lösung zu finden, die optimal zu ihnen passt. In der Mediation sind die Konfliktparteien die Experten ihres Konflikts. Sie selbst wissen am besten, welche Lösung zu ihnen und ihrem Leben passt. Der Mediator führt die Beteiligten durch das Verfahren und hilft ihnen dabei, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen.

Irrtum 8: Im Mediationsverfahren spielt das Recht keine Rolle

Mediation ist eine sehr gute Möglichkeit, Konflikte außergerichtlich zu lösen. Recht und Gesetz spielen spielt dennoch eine Rolle. Bevor die Beteiligten eine Entscheidung treffen können, ist es wichtig, dass sie ihre Rechte gut kennen, damit sie auch genau wissen, worauf sie in ihrer Lösung möglicherweise verzichten. Daher wird die Rechtslage immer in einer Mediation mit einbezogen.

Irrtum 9: Der Mediator entscheidet, wer im Recht ist und stellt sich dann möglicherweise auf dessen Seite

Der Mediator ist neutral. Er schaut nicht darauf, wer nach den Buchstaben des Gesetzes im Recht oder Unrecht ist. Er ist allparteilich, das heißt, er ist für alle Beteiligten gleichermaßen da und begegnet allen mit dem gleichen Verständnis und der gleichen Empathie. Niemals darf ein Mediator für eine Seite Partei ergreifen!

Irrtum 10: Die Mediationsvereinbarung ist rechtlich nicht bindend

Eine Mediationsvereinbarung hält auch vor Gericht stand. Die Vereinbarung, die in einer Mediation erarbeitet wird, ist ein Vertrag und somit rechtlich bindend. Es ist Aufgabe des Mediators, darauf hinzuweisen, wenn die Vereinbarung im Einzelfall auch notariell beurkundet werden muss, um rechtswirksam zu sein.

Quelle: Christina Wenz, www.huffingtonpost.de

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Autor: Mirko Seidel am 17. Jun 2015 20:15, Rubrik: Mediation, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben, Trackback-URL

3 Reaktionen zu “Zum Tag der Mediation: Irrtümer über die Mediation”

  1. Christina Wenz schreibt

    Sehr geehrter Herr Seidel, ich habe mich sehr gefreut, meinen -minimast an einigen Stellen umformulierten – Artikel auf Ihrer Seite zu entdecken. Ich war jedoch überrascht, dass Sie als Auto genannt werden. Über eine Nennung der Urheberschaft hätte ich mich gefreut. Den Originalartikel findet man hier: http://www.huffingtonpost.de/christina-wenz/die-10-haeufigsten-irrtumer-uber-mediation_b_7459186.html Mit freundlichen Grüße, Christina Wenz

  2. Mirko Seidel schreibt

    Sehr geehrte Frau Wenz,

    Sie haben Recht, die Angabe der Quelle habe ich leider vergessen und nachgeholt.

    Mit freundlichen Grüßen

    Mirko Seidel

  3. Christina Wenz schreibt

    Sehr geehrter Herr Seidel, klasse, das freut mich! Mit freundlichen Grüßen, Christina Wenz

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