Burnout

„Du musst loslassen!“

Freunde haben immer einen guten Ratschlag: „Du musst loslassen“ oder „Lass doch endlich los.“ Und sie haben Recht. Wenn das nur so einfach wäre. Wie soll denn das gehen?

Letztens war ich mit meinem Hund spazieren. Wir waren im Park und ich habe einen Ball geworfen. Der Hund hinterher, bis er ihn gefangen hatte. Und dann wollte er ihn nicht mehr hergeben. Er hat sich darin verbissen. Lange musste ich reden und schließlich ließ mein Hund den Ball widerwillig los.

Es geht uns Menschen nicht anders. Wir verbeißen uns in eine unangenehme Erfahrung, in ein schockierendes Erlebnis. Wir waren verletzt, gekränkt und wir schaffen es nicht, die Gefühle und Gedanken loszulassen.

Was passiert, wenn wir nicht loslassen?

Nicht Loslassen können bedeutet, in einer Situation zu verharren. Und das heißt Stillstand. Je länger dieser Zustand dauert, desto größer ist die Gefahr, dass Körper und Seele Schaden nehmen.
Wir verharren,

  • weil wir um einen geliebten Menschen trauern,
  • weil unser Partner uns verlassen hat,
  • weil wir Schuldgefühle wegen eines Fehlers haben,
  • weil wir verletzt wurden (Körperlich oder seelisch),
  • weil wir von anderen erwarten, dass sie sich ändern,
  • weil wir eine Chance verpasst haben,
  • weil die Welt so ungerecht zu uns ist,
  • weil wir erkrankt sind,
  • weil wir uns für andere aufopfern,
  • weil gegen uns intrigiert wird oder wir überfordert sind,

Die Folgen dieses Verharrens können schwerwiegend sein.

  • Psychosomatische Beschwerden, wie Kopfschmerzen,
  • Schlafstörungen,
  • Konzentrations- und Merkfähigkeitsstörungen,
  • Suchtverhalten,
  • Grübeln,
  • Selbstverleugnung,
  • Panikattacken,
  • Wutanfälle,
  • Hassgefühle,
  • Depressionen,
  • Suizidgedanken,
  • Selbstablehnung,

Was heißt Loslassen?

Loslassen heißt akzeptieren. Wir akzeptieren, was uns widerfahren ist, wir akzeptieren, dass das, was uns passiert ist, nicht unseren Wünschen entspricht.

Loslassen kann auch heißen, Abschied zu nehmen. Abschied von großen Lebensplänen, Abschied von einem Menschen. Trennung, Tod, Krankheit, Älterwerden oder ein Unfall bringen Veränderungen unseres Lebens und zwingen dazu, sich, seine Leben und seine Einstellung zu den Dingen des Lebens zu verändern.

Loslassen kann auch Befreiung bedeuten. Befreiung von einer belastenden Situation oder von zerstörerischen Gedanken.

Was passiert beim Loslassen?

Loslassen können ist reine „Kopf-Sache“. Loslassen bedeutet, eine Entscheidung zu treffen, den Blick weg von der belastenden Situation nach vorne zu richten.
Befassen wir uns mit den lähmenden Gefühlen Verzweiflung, Trauer, Kränkung, Angst, Wut oder Eifersucht und richten unsere gesamte Aufmerksamkeit diesen belastenden Ereignissen, kreisen unsere Gedanken wie in einem Hamsterrad:

  • „Warum musste mir das passieren?“
  • „Wieso hat er mir das angetan?“
  • „Warum habe ich mich so verhalten!“
  • „Warum ist das Schicksal so ungerecht!“
  • „Ich schaffe es nicht, mich aus der Situation zu befreien.“

STOPP! Hier ist der Moment gekommen an dem wir merken, dass wir so nicht mehr weiterleben möchten und können.

  • Wir sind bereit, die Vergangenheit zu akzeptieren.
  • Wir entwickeln die Einstellung: „Ich bin bereit, zu akzeptieren, was passiert ist. Mir gefällt es nicht, aber es ist passiert.“
  • Wir sind bereit, zu erkennen, dass die momentane Situation uns körperlich und seelisch schadet und suchen nach einer Lösung.
  • Wir haben das Vertrauen, dass es eine Lösung gibt und wir es schaffen werden, unsere Situation zu verändern.

Einstellungen ändern, um loslassen zu können

Stellen Sie sich vor, all ihre belastenden Erfahrungen, Erlebnise und kreisenden Gedanken wären ein Traktor. Sie sind mit diesem Traktor verbunden mit einem Seil. Sie möchten im Leben vorwärts kommen und müssen aber mit dem Seil den Traktor hinter sich herziehen. Ein unmögliches Unterfangen. Also: Schere raus, Seil durchtrennen und Traktor an seinem alten Platz stehen lassen. Ganz so einfach ist es im Leben nicht.
Loslassen heißt:

  • akzeptieren, dass die Dinge nicht immer so laufen, wie Sie es gerne hätten,
  • akzeptieren, dass die Welt nicht gerecht ist,
  • akzeptieren, dass Sie nicht immer alles richtig machen,
  • akzeptieren, dass andere Menschen sich nicht immer so verhalten, wie Sie es sich wünschen,
  • erkennen, dass Loslassen weder gutheißen noch kapitulieren bedeutet,
  • erkennen, dass Loslassen kein Versagen und man selbst kein Verlierer ist,
  • sich bewusst werden, dass Sie es verdient haben, dass es Ihnen gut geht,
  • wissen, dass Sie Ihre Gefühle beeinflussen und steuern können,

Loslassen lernen – wie geht das?

  • Bewusstmachen: Sie haben Einfluss auf Ihre Gefühle. Gefühle entstehen durch Ihre Gedanken. Sie haben die Macht, Ihre Gefühle zu beeinflussen, in dem Sie anders denken.
  • Beginnen: „Ich bin bereit, loszulassen“.
    Sagen Sie diesen Satz immer dann wenn sie an etwas denken, was Sie loslassen möchten. Unterbrechen Sie Ihre Gedanken mit einem STOPP und sagen sich „Ich bin bereit, loszulassen“. Das wird nicht gleich von Anfang an immer gut funktionieren. Halten Sie durch. Mit zunehmender Übung wird sich Ihr Gefühl Ihren Gedanken anpassen.
  • Gewinn-Verlust-Rechnung: Was gewinnen Sie, wenn Sie loslassen? Was verlieren Sie, wenn Sie loslassen? Oder anders herum: Was verlieren Sie, wenn Sie nicht loslassen, was gewinnen Sie, wenn Sie nicht loslassen?
  • Angst stellen: Ist die Angst realistisch, begründet oder übertrieben?
  • Sie sind nicht allein: Suchen Sie Menschen, die eine solche Situation bereits erfolgreich bewältigt haben. Fragen Sie nach, wie diese es geschafft haben, und lassen Sie sich Mut machen. Auch Berichte von Betroffenen in Büchern können hilfreich sein.
  • Negatives zieht runter: Meiden Sie Menschen, die ähnlich wie Sie in einer solchen krankmachenden Situation verharren und nicht loslassen können.
  • Selbstbejahung: Vermeiden Sie Selbstvorwürfe, so lange an etwas festgehalten zu haben und erst jetzt aus der Situation auszubrechen. Sie haben aufgrund Ihrer Lebensgeschichte solange gebraucht, um diese Erkenntnis zuzulassen.
  • Hilfe annehmen: Holen Sie sich Unterstützung z.B. bei einem Coach, wenn Sie merken, etwas läuft verkehrt in Ihrem Leben, Sie aber nicht wissen, wie Sie sich aus der Situation befreien können.

Beim Loslassen fühlen sich die meisten Menschen zunächst schlecht. Weil sie etwas verlieren, von dem sie bisher glaubten, es unbedingt zu benötigen oder tun zu müssen. Es entsteht eine Lücke und ein Ersatz ist noch nicht in Sicht.

Loslassen bedeutet durchhalten. Langfristig werden Sie viel gewinnen: Freiheit, Erleichterung, Energie, Lebensfreude.

Am Ende des Prozesses des Loslassens kommen dann die meisten Menschen zu dem Schluss: „Das hätte ich schon viel früher machen sollen!“

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2 Reaktionen zu “„Du musst loslassen!“”

  1. Gisela schreibt

    Hallo Mirko!
    War heute das erste mal auf deiner Seite. Sie gefällt mir gut. Bin noch beim
    lesen. Bin gespannt, wie es weiter geht. Ich bin froh, das ich es auch geschafft habe aus dem Hamsterrad heraus zu kommen, wie du an meinen aktivitäten siehs. Ich wünsche dir viel Erfolg. Eine schöne Advents Zeit wünsche Gisela Wenn man an sich glaubt schafft man alles! Ich werde deine Adresse mal meiner Schwester geben. Die ist manchmal noch in dem Käfig drin. Eine gute nacht wünsche ich euch. Gisela

  2. Mirko Seidel schreibt

    Hallo Gisela,
    danke für Deinen Kommentar. Ich bin sehr beeindruckt über Deinen beispielhaften Weg und wünsche Dir auch weiterhin viel Kraft und Energie für alles, was Du Dir vorgenommen hast.
    Viele Grüße
    Mirko

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