Spaß & Satire

Der Meeresspiegel steigt, die Sintflut naht – die Rettung auch

Der Tragödie dritter Teil – Es lebe der Föderalismus

Angela Merkel erkennt, dass sie in einer Sackgasse steckt. Da kommt ihr der Einwurf des Innenministers gerade recht. De Maizière verweist darauf, dass der Katastrophenschutz ja Sache der Bundesländer sei und der Bund nicht zuständig ist. Die Rettung! Die Kanzlerin überträgt daraufhin ihrem Kanzleramtsminister in den Landeshauptstädten nachzufragen, was man dort gedenkt, zu tun.

Inzwischen steigt der Meeresspiegel weiter an.

Als erstes reagieren die Sachsen. Denen ist das Treiben in Berlin schon lange suspekt und man hat beschlossen, eigene Weg zu gehen. Ministerpräsident Tillich hat angeordnet, die ehemaligen DDR-Tagebaue wieder zu öffnen und auf das dreifache ihres Volumens zu vergrößern. So könne man das Wasser erst einmal dort hineinleiten. Sollten diese Maßnahmen nicht ausreichen, werden die letzten Waldbestände im Erzgebirge abgeholzt. Jeder Sachse erhält einen Meter Baumstamm, um sich daran festklammern zu können.
Das ruft die Menschen in der Lüneburger Heide auf den Plan. Dort gäbe es keine Bäume mehr, weil man diese schon vor Jahrhunderten für den wirtschaftlichen Aufschwung abgeholzt habe, auch für Sachsen. Schließlich wohnen in Niedersachsen ja auch Sachsen und so fordert man die Solidarität ein. Die Landesregierung in Dresden hat ein Einsehen und beschließt, jeder Sachse erhält nur einen halben Meter Baumstamm und der Rest wird nach Lüneburg exportiert. Die Landesregierung in Hannover fühlt sich vom Vorpreschen der Lüneburger überrumpelt, schweigt aber, da sie selbst noch kein Konzept hat. Wiederstand kommt auch aus Sachsen selbst. Die Leipziger protestieren, endlich sei mal was los und der Messeplatz Leipzig könne einen unerwarteten Aufschwung erleben, wenn die Stadt erst einmal einen Hafen habe. In Chemnitz fragt man sich, ob die Leipziger bekloppt sind. Die Dresdner bedauern, dass sie ihren starken August nicht mehr haben, der hätte die Wassermassen mit den bloßen Händen nach Preußen zurückgeschoben.

Im Büro des hessischen Ministerpräsidenten wird der Anruf aus Berlin in eine unterirdische Bunkeranlage im Odenwald weitergeleitet. Der Bunker sei dicht, kein Wasser weit und breit, man habe die Lage im Griff.

Der Landesregierung in Düsseldorf gefällt der Vorschlag aus Sachsen. Das Ruhrgebiet sei durchlöchert, wie ein Schweizer Käse. Dorthin könne man das Wasser erst einmal ableiten. Man wolle weiter auf die Erfahrungen der anderen Bundesländer warten und dann neu entscheiden. Die Kölner, die sich von den Düsseldorfern nichts vorschreiben lassen, haben dagegen eigene Pläne. Man erwägt, die U-Bahn-Schächte aufzubrechen und so das Wasser aus der Stadt leiten zu können. Da Teile der U-Bahn bereits eingestürzt sind, wäre das Vorhaben auch finanzierbar.

In Baden-Württemberg gibt man sich entspannt. Man habe den Millionären bereits empfohlen, mit ihren Geldkoffern in die Schweiz zu flüchten. Dort seien die Berge höher und dadurch die Gefahr geringer. Die im Land verbliebenen Bürger hätten Pech gehabt, ein bisschen Schwund sei eben immer. Das ruft die Linken auf den Plan. Sie fordern die unverzügliche Herausgabe der Geldkoffer, damit man diese den Armen als Rettungsboote zur Verfügung stellen könne.

Das Wasser steigt

Beunruhigt, dass sie aus ihrem Heimatland Mecklenburg-Vorpommern noch nichts gehört hat, lässt Angela Merkel in Schwerin anrufen. Doch dort meldet sich niemand. Die Ostsee hat den Norden Brandenburgs erreicht und Mecklenburg-Vorpommern überschwemmt.

In Hamburg gibt man sich hanseatisch gelassen. Solange die Speicher in der Hansestadt voll mit Kaffeebohnen und Gewürzen sind, könne Hamburg gar nicht untergehen, das sei schon immer so gewesen. Da werden die Sachsen hellhörig. Die Landesregierung ordert erst einmal 12 Tonnen Kaffebohnen aus Hamburg, der Sachse braucht sein Schälchen Heeßen – Sintflut hin oder her.

In Bremen schweigen die Telefone.

Berlin und Brandenburg streben eine gemeinsame Lösung an. Man wolle alle Berliner Flughäfen wieder öffnen und die Bevölkerung in sichere Drittstaaten ausfliegen. Das Projekt drohte am immer noch nicht eröffneten Großflughafen Berlin-Brandenburg zu scheitern. Doch die Landesregierung in Potsdam meldet, dass ein Drittel der Landesfläche bereits unter Wasser liegt und von dort niemand mehr gerettet werden muss. In Berlin hofft man nun, ähnlich gute Nachrichten aus Magdeburg zu erfahren, denn auch die dortige Landesregierung hatte sich aufgrund fehlender eigener Mittel dem Flugrettungsplan der Berliner und Brandenburger angeschlossen. Doch aus Magdeburg wird gemeldet, bisher sei nur die Altmark überschwemmt und dort habe bereits vor der Sintflut niemand mehr gelebt. Der Protest der letzten verbliebenen Einwohner von Salzwedel und Stendal wischt man mit dem Hinweis vom Tisch, man solle doch auf der Elbe nach Hamburg schwimmen, dort sei man sicher. Die Salzwedeler und Stendaler Bürgermeister fordern daraufhin von der Landesregierung den Bau von Anschlusskanälen von ihren Städten zur Elbe. Die Landesregierung findet den Vorschlag interessant. Man könne dafür auch eine 90-%-ige Förderung bei der EU beantragen, jedoch fehlen die 10 % Landesmittel, was das Projekt undurchführbar macht.

Alarmierend sind die Nachrichten aus Kiel. Schleswig Holstein ist fast vollständig überschwemmt, man könne sich nur noch halten, weil die Einwohner eh das halbe Jahr bis zu den Knien im Wasser stünden. Die Anfrage nach Mecklenburg-Vorpommern, ob man die Restbestände der deutschen U-Boot-Flotte aus dem Hafen in Peenemünde erhalten könne, habe Schwerin nicht beantwortet. Als die Landesregierung in Kiel erfährt, warum Schwerin nicht antwortet, ärgert man sich in Kiel, nicht gleich die Russen um ihre Atom-U-Boote gebeten zu haben. Außerdem habe man mit tausenden Flüchtlingen aus Dänemark zu kämpfen, die den Untergang ihres Landes nur knapp überlebt haben.

In Thüringen ist die Landesregierung verzweifelt. Man habe die Idee gehabt, wenn das Wasser nur hoch genug gestiegen sei, können sich die Bürger an der neuen Stromtrasse über den Thüringer Wald nach Bayern hangeln. Die bayerische Landesregierung habe dies jedoch kategorisch abgelehnt und erklärt, in einer solchen schweren Notlage nehme man keine Wirtschaftsflüchtlinge aus Drittstaaten auf. In Erfurt erinnert man sich an die Jahrhunderte währende sächsische Fremdherrschaft und fordert nun in Dresden Baumstämme an. Schließlich hätten die Sachsen eine Verantwortung. Der sächsischen Landesregierung wird es langsam mulmig, erst die Hilfe für Niedersachsen, jetzt auch noch Thüringen retten, das geht zu weit. Man empfiehlt den Thüringern, dem sächsischen Beispiel zu folgen und den Thüringer Wald abzuholzen. Das lehnt Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht entschieden ab, schließlich brauchen die Menschen auch in Zeiten der Sintflut einen Ort der Erholung und Ruhe und man müsse ja auch mal frische Luft tanken.

Endlich hat auch die Landesregierung in Hannover eine Idee. Man wolle das Wasser erst einmal kommen lassen und dann in den Salzstock Gorleben einleiten. Zeitgleich beabsichtige man, heimlich einen Verbindungstunnel zu den Stollen des Ruhrgebietes zu graben und das Wasser dorthin zu leiten. Lauter Protest aus Düsseldorf. Ministerpräsidentin Kraft droht damit, die sächsischen Baumlieferungen abzufangen und aus den Stämmen an der Landesgrenze zu Niedersachsen eine Schutzwand 200 m tief in den Boden zu rammen. In Hannover ist man daraufhin beleidigt.

Endlich steht die Leitung nach Bremen. Der erste Bürgermeister erklärt fassungslos, man hätte einfach das Wasser zurück in die Nordsee pumpen wollen, jedoch hätten die Stadtwerke den Strom abgestellt, weil das Land seine Rechnung nicht bezahlt habe. Nun wisse man auch nicht weiter. Die Verbindung reißt ab.

Das Saarland erklärt, man werde einen Volksentscheid für die Rückgliederung nach Frankreich anstrengen. Wenn das Saarland wieder zu Frankreich gehört, könne die deutsche Sintflut dem Land nichts anhaben. Stimme das Volk gegen den Anschluss, wolle man die Steinkohlevorkommen anzünden und somit das Wasser verdampfen.

Rainer Brüderle ist derweil nach Rheinland-Pfalz geeilt, um den Menschen beizustehen. Er empfiehlt, die Weinvorräte niederzumachen, besoffen ließe sich die Sintflut schon ertragen. Die Landesregierung, froh darüber, sich selbst keine Gedanken machen zu müssen, nimmt den Vorschlag an.

Die bayerische Landesregierung lässt auch Tage nach Merkels Anfrage nichts von sich hören. Auf Drängen der Kanzlerin erklärt Ministerpräsident Seehofer missmutig, man habe keine Sintflut in Bayern. In den über 60 Jahren CSU-Regentschaft in Bayern habe es noch nie eine Sintflut gegeben und das werde auch so bleiben, solange die CSU regiert. Gegen diese starrsinnige Haltung regt sich in der Landesregierung Widerstand so dass sich Seehofer genötigt fühlt, eine neue Strategie zu fahren. Man hätte dem Beispiel Baden-Württembergs folgen wollen und den Millionären die Flucht nach Österreich anbieten wollen. Experten meinten aber, Österreich sei kein Steuerparadies und eine Flucht daher sinnlos. Der Ministerpräsident erklärt genervt, Gott werde Bayern beschützten, wie er es auch in den letzten 250.000 Jahren immer getan habe. Amen!

Lesen Sie die weiteren Teile der „Tragödie“:
Der Tragödie erster Teil – Kanzlerin und Minister zuerst,

Der Tragödie zweiter Teil – Die Regierung handelt,

Der Tragödie vierter Teil – Das mediale Großereignis,

Der Tragödie fünfter Teil – Die Nachbarn machen mobil,

Das Finale – Im Schlauchboot in Seenot,

Stichworte:
, , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Autor: Mirko Seidel am 10. Jun 2014 07:33, Rubrik: Spaß & Satire, Texte & Gedanken, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben, Trackback-URL

Einen Kommentar schreiben

©2017 – blicklicht-leben.de – Burnout-Therapeut & Burnout-Coach Mirko Seidel, Sigismundstraße 3, 04317 Leipzig, Telefon: 0341 46 86 68 73
Burnout & Depressionen - Beratung, Coaching, Hilfe, Prävention, Perspektiven, Unterstützung  -  Kontakt   -   Impressum