Spaß & Satire

Der Meeresspiegel steigt, die Sintflut naht – die Rettung auch

Der Tragödie vierter Teil – Das mediale Großereignis

Das Wasser steigt und hat Berlin erreicht. Die DLRG hat die Schlauchboote immer noch nicht geliefert, es gäbe Schwierigkeiten mit den Lieferanten in China.

Das Volk wird unruhig. Das Bundeskabinett beschließt, das Fernsehen zur Beruhigung der Massen einzusetzen. An die TV-Anstalten geht die Anweisung, Frohsinn zu verbreiten und den Menschen das kollektive Ersaufen als Mega-Event zu verkaufen.

Die ARD möchte auf ihre Sondersendungen nicht verzichten, stellt aber das Sendekonzept um. Stündlich wird nun nicht mehr berichtet, welche Städte und Landstriche abgesoffen sind, sondern wen es noch nicht erwischt hat.

Das ZDF will sich von der ARD abheben. Guido Knopp darf zunächst seine Dokumentation: „Hitlers unbezahlte Rechnungen“ senden, der nächste Coup: „Hitlers Generäle planen die Sintflut“ wird dem Geschichtsguru aber untersagt.

SAT 1 nimmt alle Titanic-Verfilmungen aus dem Programm. Man dreht schnell einen Katastrophenfilm, in dem Heino Ferch in letzter Sekunde Veronika Ferres vor dem Ertrinken rettet, als diese versucht, auf einem Schlauchboot der DLRG den Atlantik zu überqueren. Die Einschaltquoten werden ein Erfolg. Die Bundesregierung konnte den Film leider nicht sehen, wegen einer dringenden Lagebesprechung.

RTL möchte sich nicht vorschreiben lassen, was man zu senden habe. Man denkt aber darüber nach, Heldenepen über den Bildschirm flimmern zu lassen. „Stalingrad“ erscheint als ungeeignet, da man den Menschen keine Angst machen wolle, das Wasser könnte auch noch gefrieren. Auch der Film “Soweit die Füße tragen“ wird verworfen, weil ja keiner wisse, wie weit ein Mensch auf dem Meeresgrund zu Fuß gehen kann. Der Vorschlag, man könne doch „Das Boot“ ausstrahlen wird verworfen, weil Mecklenburg-Vorpommern vor seinem Untergang die Reste der deutschen U-Boot-Flotte nicht herausgerückt habe und man wolle keine falschen Hoffnungen schüren.
Man entscheidet sich schließlich, das Format „Wer wird Millionär“ auszubauen und anstatt einer Million Euro ein Schlauchboot als Hauptgewinn einzusetzen.

Super RTL und RTL II hat die Nachricht der Regierung nicht erreicht. Man war in Berlin der Meinung, wer diese Sender schaut, der hat nichts Besseres verdient, als zu ersaufen.

Der MDR verpflichtet Florian Silbereisen, Stimmung zu verbreiten mit der Sendung: „Das Wasserfest der Volksmusik“. Die Darbietung des Volksliedes „Jetzt fahr´n wir über See“ wird ihm aber ausdrücklich untersagt.

Der RBB sendet schon seit Tagen nur noch Flugpläne aller Berliner Flughäfen.

Dem NDR ist die Anweisung aus Berlin egal. Fast das gesamte Sendegebiet steht bereits unter Wasser. Man entscheidet sich, ein Aquarium als Standbild auszustrahlen.

Radio Bremen meldet sich nicht.

Der WDR zeigt Dokumentationen aus der Unterwelt des Ruhrgebietes. Allabendlich treffen sich Expertenrunden und diskutieren über die Machbarkeit des Aufbruchs der Kölner U-Bahn.

Der Saarländische Rundfunk sendet nur noch in französischer Sprache, um der Bevölkerung den Anschluss an das Nachbarland schmackhaft zu machen.

Der SWR veröffentlicht stündlich die neuesten Konditionen Schweizer Banken und für die paar Armen sorgt „Flipper“ für gute Laune.

Der Hessische Rundfunk bedauert, dass Heinz Schenk nicht mehr lebt, der hätte die Sintflut in Appelwoi ertränkt. Man sieht keine andere Möglichkeit, als Durchhalteparolen aus dem Bunker im Odenwald auszustrahlen.

3sat sendet nicht mehr. Die Schweizer sind verschnupft, dass sie als Kofferdiebe dastehen und die Österreicher sind beleidigt, dass die Bayern ihre Millionäre nicht in die Alpenrepublik geschickt haben.

Arte hat den Betrieb eingestellt. Die Franzosen haben die Zusammenarbeit mit den Deutschen aufgekündigt und wollen erst einmal den Volksentscheid im Saarland abwarten. Dann werde man sich neu positionieren.

Lesen Sie die weiteren Teile der „Tragödie“:
Der Tragödie erster Teil – Kanzlerin und Minister zuerst,

Der Tragödie zweiter Teil – Die Regierung handelt,

Der Tragödie dritter Teil – Es lebe der Föderalismus,

Der Tragödie fünfter Teil – Die Nachbarn machen mobil,

Das Finale – Im Schlauchboot in Seenot,

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Autor: Mirko Seidel am 11. Jun 2014 07:55, Rubrik: Spaß & Satire, Texte & Gedanken, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben, Trackback-URL

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