Persönlichkeitsentwicklung

Mythen um das Selbstbewusstsein

Um das Selbstbewusstsein ranken sich zahlreiche Mythen und es wird Zeit, mit ihnen aufzuräumen oder zu bestätigen.

Mythos 1: Selbstbewusstsein ist angeboren

Ja, ist es, auch wenn einige meiner Kollegen gern etwas anderes behaupten. Ein Mensch kommt mit einem voll ausgeprägten Selbstbewusstsein auf die Welt – behaupte ich jetzt einmal. Doch dann passiert etwas, was ihm sein Selbstbewusstsein raubt – er kommt in den Genuss der Erziehung. Und dort wird ihm dann gesagt, wie er zu sein hat, was er darf und was nicht, was er kann und wofür er zu dumm ist, was er einmal werden soll, was er studieren soll, welches Auto er zufahren hat, wie sein Kontostand im Idealfall aussehen soll, welchen Partner sich zu suchen hat uns so weiter und so fort.

Bei all dem, was die Erziehung einem Menschen glaubt, vorschreiben zu müssen vergisst sie eines – die Entwicklung des Selbstbewusstseins. Denn das angeborene Selbstbewusstsein ist kein sich selbstentwickelndes Phänomen. Das wäre schön, denn dann gäbe es – außer Naturkatastrophen – keine Probleme mehr auf der Welt.

Selbstbewusstsein braucht Nahrung und Training.

Mythos 2: Selbstbewusstsein kann man nicht verändern

Das ist die Schicksalsfrage: Wird ein Mensch mit viel Selbstbewusstsein geboren, hat er Glück gehabt, wenn nicht, dann hat er eben Pech gehabt. Das ist Quatsch. Das Selbstbewusstsein angeboren ist und trainiert werden muss, steht im Mythos 1.
Wie alles andere im Leben auch, kann auch das Selbstbewusstsein durch regelmäßiges Training entwickelt und verbessert werden. Ein junger Mensch mit einem sehr gut ausgeprägten Selbstbewusstsein wird trotzdem im Laufe seines Lebens sein Selbstbewusstsein verändern. Weil er immer neue Menschen kennenlernt, Erfahrungen macht, Eindrücke sammelt und sein Wissen erweitert.

Mythos 4: Selbstbewusstsein ist situationsabhängig

Dieser Glaubenssatz ist weit verbreitet und wird leider auch sehr oft gelebt. Treffen Menschen auf Menschen, die ihnen intellektuell unterlegen scheinen, dann wächst ihr Selbstbewusstsein scheinbar über sie hinaus. Sie protzen mit ihrem Wissen und Können und lassen den Anderen immer kleiner und kleiner erscheinen. Treffen diese Menschen dann auf jemanden, der ihnen intellektuell überlegen scheint, dreht sich das Ganze um und sie möchten am liebsten im Boden versinken. In einer für uns guten Situation sind wir selbstbewusst (oder fühlen uns so). In einer für uns schlechten Situation möchten wir uns gern in Luft auflösen.
Echtes Selbstbewusstsein ist in jeder Lebenssituation vorhanden. Wie gut Selbstbewusstsein entwickelt ist merkt man vor allem in den weniger angenehmen Situationen, bei Niederlagen, Zäsuren im Leben, bei Konflikten.

Echtes Selbstbewusstsein meint „Selbstbewusstsein im Kern“. Das auch in der Fachliteratur oft genannte situationsabhängige Selbstbewusstsein dümpelt nur an der Oberfläche herum und droht, in jeder Stresssituation zu versinken.

Mythos 5: Selbstbewusstsein ist gleich Macht und Stärke

Nein, genau das ist es nicht. Macht zu haben und Stärke zu zeigen sind keine negativen Dinge. Es kommt darauf an, was man daraus macht. Machtpositionen zum eigenen Vorteil und zum Nachteil anderer auszunutzen ist ein Zeichen der Schwäche. Stärke zu zeigen, um andere zu schwächen oder gar zu vernichten, ist ein Zeichen der Angst. Wirklich selbstbewusste Menschen setzen die Macht, die sie haben – oder die ihnen verliehen wurde – und ihre Stärke – oder nennen wir es besser ihre Fähigkeiten – zum Vorteil derjenigen ein, die ihrem Machtbereich unterstellt sind und die durch die Stärke des Mächtigen eigene Stärke gewinnen können.

Lesen Sie den Leitartikel und weitere Beiträge und Zitate zum Thema SELBSTBEWUSSTSEIN.

Stichworte:
, , , , , , , , ,

Einen Kommentar schreiben

©2017 – blicklicht-leben.de – Burnout-Therapeut & Burnout-Coach Mirko Seidel, Sigismundstraße 3, 04317 Leipzig, Telefon: 0341 46 86 68 73
Burnout & Depressionen - Beratung, Coaching, Hilfe, Prävention, Perspektiven, Unterstützung  -  Kontakt   -   Impressum