Persönlichkeitsentwicklung

Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen – Thesen zum Thema

Wer bin ich?

Auf den ersten Blick betrachtet, scheinen Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen dasselbe zu meinen. Doch schaut man sich die beiden Wörter genauer an, werden die verschiedenen Bedeutungen deutlich. Selbstbewusstsein heißt: Sich-seines-selbst-bewusst-sein. Oder anders gesagt: sich selbst kennen. Zu wissen, wer man ist, beinhaltet mehr, als zu wissen, dass man Fritz oder Erna heißt oder wo man wohnt, welche Schuhgröße man hat und wie viele Freunde bei Facebook. Menschen verändern sich im Laufe ihres Lebens – ob sie wollen oder nicht. Sich selbst immer wieder ein bisschen neu kennenzulernen im Laufe eines Lebens gehört zu einem gesunden Selbstbewusstsein.

Vertrauen – Sicherheit und Wertigkeit

Selbstvertrauen bedeutet nicht, dass ich mir selbst über den Weg traue. Vielmehr bedeutet es, auf seine Fähigkeiten und sein Wissen zu vertrauen. Und auch, seiner Eingebung oder Intuition zu vertrauen. Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen – das Eine kann es nicht ohne das Andere geben.
Wer der eigenen Kraft und den eigenen Fähigkeiten vertraut, tut das mit Zuversicht. Ich traue mir etwas zu und dafür muss ich mich selbst gut kennen. Welchen Wert das Gefühl in die eigene Person hat, drückt das Wort Selbstwert aus. Selbst-Wert-Schätzung und Selbst-Liebe sind Grundlagen für ein gesundes Leben.

Sicherheit im Innen finden

Ein selbstsicherer Mensch findet Sicherheit und Stabilität in sich selbst. Er benötigt keine Bestätigung durch andere. Ein selbstsicherer Mensch muss anderen auch nicht überlegen sein. Er kennt seinen Selbstwert und das Verhalten anderer kann an diesem Wert nichts ändern. Selbstsicherheit zieht Selbstbehauptung nach sich. Selbstbehaupten bedeutet stark sein – innerlich stark. Klare Aussagen, klare Grenzen: „Ja, ich will“ und „Nein“, ich will nicht“.

Selbstbewusstsein – die Mischung machts

Selbstbewusstsein ist ein schnell gebrauchtes Wort. Und doch ist es komplizierter, beinhaltet es doch alle anderen starken “Selbst-Wörter“. Man könnte sagen, Selbstbewusstsein gibt es gar nicht als Charaktereigenschaft. Es ist vielmehr ein Sammelbegriff, der viele Facetten des „Selbst“ beinhaltet. Und nur, wenn alle diese Facetten entwickelt sind, kommt es zu Selbstbewusstsein – sozusagen als die Krone des Selbst.

Zu wenig Selbstbewusstsein

Menschen in unserer Umgebung spüren mangelndes Selbstbewusstsein. Und das wird dann auch schnell ausgenutzt. Tratsch und Klatsch, kleine Späße auf Kosten der Anderen bis hin zu Mobbing können die Folgen sein. Der Gemobbte driftet immer weiter in die Opferrolle ab. Wer sich selbst von der Meinung und Bewertung anderer abhängig macht, schwächt sich selbst, kann seine Fähigkeiten und sein Wissen nicht ausspielen. Und schlussendlich ist man mit seinem Selbstwertproblem beschäftigt. Das fordert eine Menge an Lebens-Energie. Herausforderungen wird aus dem Weg gegangen, man traut sich nichts mehr zu. Angst dominiert und wird zum täglichen Begleiter. Misserfolge entmutigen, weil sie immer auf das eine Kernproblem zurückgeführt werden – ich kann nichts, ich bin nichts, ich mache immer alles falsch.

Anpassen und bloß nicht auffallen

Menschen mit wenig Selbstwertgefühl wollen vor allem als eines wahrgenommen werden: nett, freundlich und sympathisch. Im Beruf neigen solche Menschen gern zum Tiefstapeln. Gelingt etwas gut meinen sie, bestenfalls einen kleinen Anteil beigetragen zu haben und dass sicher auch viel Glück und Zufall dabei war. Menschen mit einem überhöhten Selbstbewusstsein sind überzeugt davon, dass nur sie und ihre gute Arbeit zum Erfolg geführt haben. Die meisten Menschen nehmen sich eher zurück und ärgern sich im Stillen. Das wiederum wird negativ ausgelegt. Wer immer leise ist und tiefstapelt, zeigt, dass er nicht von sich überzeugt ist. Bescheidenheit bringt uns also nicht weiter und wir werden übersehen.

Wenig Ego – hohes Krankheitsrisiko

Studien haben ergeben, dass mangelndes Selbstvertrauen das Risiko für Depressionen und Angststörungen erhöht. Bei Jugendlichen kann sich das auch in Mager- oder Fettsucht ausdrücken. Weitere unangenehme Folgen können sein: schlechte schulische Leistungen, berufliche Misserfolge, Beziehungsprobleme bis hin zu Alkohol- und Drogenmissbrauch.

Das falsche Selbstbewusstsein

Ein geringes Selbstbewusstsein wird von vielen Menschen durch besonders forsches und dominantes Auftreten übertüncht. Solche Menschen wollen immer triumphieren und Macht über andere gewinnen. Wer hingegen wirklich selbstsicher und damit selbstbewusst ist, braucht so etwas nicht. Er muss nicht stets überlegen sein.
Selbstbewusstsein wird gern mit Egoismus verwechselt. Durchsetzen auf Kosten anderer ist die Folge. Angeber und Maulhelden führen gern in die Irre und finden ihre Opfer in wenig selbstbewussten Menschen. In Wahrheit überspielen solche Menschen nur ihre innere Unsicherheit. Wer sich also innerlich klein fühlt kompensiert dies oft durch extrastarkes Auftreten und macht sich damit selbst klein.

Das gesunde Selbstbewusstsein

Das gesunde Selbstbewusstsein kommt weder überheblich noch aggressiv oder laut daher. Es ist weit entfernt von Größenwahn und schriller Selbstbeweihräucherung. Wer sich selbst mag und wirklich etwas von sich hält, schätzt auch andere und geht gut mit ihnen um, wie mit sich selbst.

Die Eigenschaften von wahrem Selbstbewusstsein sind Großzügigkeit, Gelassenheit und Freiheit. Diese Menschen schätzen das wert, was sie sind und was sie haben. Sie sind stolz darauf. Ein positives Selbstwertgefühl beflügelt und sorgt für Zufriedenheit. Wer sich selbst wert schätzt, fühlt sich den Herausforderungen des Lebens gewachsen und ist leistungsfähig.

Rucksäcke und frühe Prägung

Warum können sich Menschen akzeptieren, wie sie sind und andere nicht? Eine Ursache liegt womöglich in den Genen. Den überwiegenden Einfluss hat aber das Elternhaus, hinzu kommen die Erlebnisse in der Schule, in der Ausbildung und in den ersten Berufsjahren. Wie viel Wertschätzung und soziale Akzeptanz ein Mensch in seinen frühen Lebensjahren erlebt ist entscheiden, wie selbstbewusst er im Alter ist.

Du bist okay!

Die ersten Lebensmonate sind eine wichtige Zeit für die Entwicklung des Selbstvertrauens. Eltern stellen hier die Weichen, weil sie ihren Kindern früh vermitteln können: So wie Du bist, bist du richtig, wertvoll und liebenswert. Wertschätzung von Leistung, Fleiß und guten Noten abhängig zu machen, ist töricht. Das führt eher zu einer Destabilisierung des Selbstwertgefühls, der dadurch bis ins hohe Erwachsenenalter an Leistung, Erfolg und Anerkennung gekoppelt ist.

Enttäuschende Erlebnisse, die wir im Laufe unseres Lebens einstecken müssen, prägen zusätzlich. Wir werden unsicherer und ängstlicher. Und das muss gar nicht mal von anderen ausgehen. Eine verpatzte Prüfung, die aufs eigene Konto geht, weil man sich schlecht vorbereitet hat, brennt sich negativ ein.

Lob und Tadel

Auf einmal Lob kommen zehn Tadel – das ist traurige Realität. So werden Kinder nicht selbstsicher. Wie soll sich ein Kind für wertvoll halten, wenn es täglich hört, dass es so viel falsch und so wenig richtig macht? Lob, Anerkennung und Zutrauen stärken das Selbstbewusstsein der Kleinen.
Am besten lässt sich das den Kindern vermitteln, wenn es von den Eltern selbst vorgelebt wird. Es macht Spaß, Aufgaben zu bewältigen. Es ist vieles möglich ist und es gibt immer Lösungswege. Je breiter die Erfolge gesät sind, desto größer wird das Selbstvertrauen. Nicht nur in der Schule, sondern auch in der Freizeit – beim Sport, in der Musikschule, beim Tanzen – sind Erfolge daher wichtig.

Veränderung – jederzeit möglich

Jeder Mensch kann an seinem Selbstbewusstsein arbeiten. Dafür braucht es Geduld. Der Weg kann lang und steinig werden. Doch der Weg hält auch viele Erkenntnisse, Einsichten und Überraschungen bereit. Es lohnt sich also auf jeden Fall, loszulaufen. Ein Patentrezept gibt es allerdings nicht. Für jeden ist der Weg zum Selbstbewusstsein ein individueller Weg.

Mögliche Anstöße für die ersten Schritte

Bewusst machen – wer bin ich
Nehmen Sie sich Zeit, am besten einen gemütlichen Sonntagnachmittag. Seien Sie ganz bei sich und erstellen Sie Ihre „Das-bin-ich-Liste“. Machen Sie Inventur: Was kann ich gut, was weniger gut, was mag ich an mir, was möchte ich verbessern, was will ich verändern? Auch eine Fremdeinschätzung ist hilfreich – wie sehen Freunde, Kollegen und die Familie Sie? Wer sind Sie in deren Augen? Wie wirkt das auf Sie? Sind Sie mit der Resonanz zufrieden und stimmt das mit Ihrem Eigenbild überein?

Sich selbst lieben
Nur, wer sich selbst mag und sich in seiner Haut wohl fühlt, kann Selbstbewusstsein ausstrahlen. Besinnen Sie sich auf Ihre persönlichen und individuellen Stärken. Stellen Sie sich vor, Sie erzählen einer anderen Person von sich. Jeder Mensch hat liebenswerte Seiten, Fähigkeiten, Eigenschaften und Verhaltensweisen, die ihn wertvoll und einzigartig machen. Wer sich selbst annimmt und zu sich steht, wirkt selbstsicher. Konzentrieren Sie sich deshalb auf Ihre positiven Eigenschaften und nicht auf Ihre Schwächen. Lassen Sie nicht zu, dass sie respektlos behandelt werden. Es gilt: Die Art und Weise, wie wir mit anderen umgehen, kommt wie ein Bumerang zurück.

NEIN sagen können
Nein zu sagen, gehört zu einem gesunden Selbstbewusstsein. Zu Oft verkneifen wir uns ein Nein, obwohl uns danach zumute ist. Meist deshalb, weil andere ein Ja von uns erwarten oder wir glauben, dass sie es tun. Gründe können auch sein, dass wir Angst haben, dass der andere uns ablehnt, enttäuscht, verärgert oder verletzt ist. Grenzen ziehen ist aber unabdingbar. Ein deutliches Nein zu allem, was Ihnen gegen den Strich geht oder Ihnen nicht passt. Lernen Sie Nein zu sagen und zwar ganz ohne schlechtes Gewissen. Wer aus Angst Ja sagt, wird gern ausgenutzt. Für den Anfang gibt es einen kleinen Trick: Sagen Sie nicht gleich automatisch zu oder ab. Geben Sie sich etwas Bedenkzeit, nach dem Motto: Ich muss erst noch in den Kalender schauen …

Deutliche Kritik
Ob bei Freunden, Kollegen, im Restaurant oder an der Ladentheke – Kritik muss raus. Und genau so muss sie auch rein. Sie bringt voran, sofern sie konstruktiv und aufbauend ist. Hinter Kritik steckt nichts anderes, als eine ganz persönliche Meinung. Doch seien Sie auch auf der Hut: Lassen Sie nicht zu, dass Kritiker so viel Macht über Sie haben, dass sie Ihr Selbstbewusstsein manipulieren können. Hören Sie sich alles offen an und seien Sie bereit, dazuzulernen. Aber: Entscheiden Sie immer in aller Ruhe, ob Sie der Meinung eines anderen Menschen folgen wollen oder lieber nicht.

Der Körper spricht
Der Körper drückt mehr aus als unsere Sprache. Bauch rein, Brust raus – so heißt es gern. Gehen Sie erhobenen Hauptes durchs Leben, dann kann Sie so schnell nichts umhauen. Deshalb: aufrechter Gang, Schultern zurück, Blickkontakt halten. Dazu ein fester Händedruck und eine tiefe, gesetzte (aber nicht gekünstelte) Stimme. Die wirkt angenehmer und man wird gehört.

Lesen Sie den Leitartikel und weitere Beiträge und Zitate zum Thema SELBSTBEWUSSTSEIN.

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