Persönlichkeitsentwicklung

Smalltalk – aber wie?

Die Kunst des unverbindlichen Redens

Kennen Sie diese Situation? Sie treffen fremde Menschen, z.B. auf einer langen Reise im Zug, und wissen nicht, ob und wie Sie sich mit Ihnen unterhalten sollen. Das Gespräch sollte zunächst nur kurz und unverbindlich sein. Je länger das Schweigen dauert, desto unerträglicher wird die Situation. Soll ich anfangen? Aber wie? Was soll ich sagen oder fragen? Am einfachsten ist es dann wohl, sich hinter einen Buch oder der Zeitung zu verstecken oder aus dem Fenster zu schauen. Kommunikativ ist das nicht. Und wer weiß: vielleicht entgeht Ihnen ja ein interessantes Gespräch.

Die Situationen, in denen Smalltalk angebracht ist, können sehr unterschiedlich sein. Die kurze Fahrt im Aufzug, ein zufälliges Treffen auf der Straße sind noch am einfachsten zu meistern. Denn schnell bin ich mein Gegenüber wieder los. Anders ist bei längeren Zusammentreffen, wie z.B. im Zug.

Wir sind heute mobiler denn je, ziehen um, wechseln den Arbeitsplatz, reisen. Und dabei treffen wir ständig auf neue Menschen, die unterhalten werden wollen.

Was ist so schwer an Smalltalk? Für die Meisten wohl das Unverbindliche, Belanglose, Uninteressante. Und dann taucht die Frage auf: Muss ich mich wirklich unterhalten? Nein, Sie müssen nicht. Aber es gehört wohl zum Pflegen sozialer Kontakte und zum zwischenmenschlichen Umgang, miteinander zu reden.

Die Regeln des Smalltalks

  1. Das Gespräch soll unangestrengt sein, praktisch so dahinplätschern.
  2. Das Gespräch soll ausgewogen sein.
  3. Reden heißt nicht, Monologe zu halten.
  4. Zeigen Sie Interesse an dem, was der Andere sagt, ohne neugierig zu sein.
  5. Geben Sie Persönliches preis, ohne selbstverliebt oder egozentrisch zu wirken.
  6. Optimismus ja, aber keine Euphorie.
  7. Themen, wie Politik, Krankheiten, Tod, Sexualität, Religion oder Geld sind für Smalltalk ungeeignet.
  8. Diskutieren Sie nicht kontrovers und riskieren Sie keine Konflikte.
  9. Versuchen Sie, Ihrem Gegenüber mehrere Anknüpfungspunkte anzubieten, damit er bei dem Thema, das ihm liegt, einsteigen kann.
  10. Geschlossene Fragen, die nur mit Ja oder Nein beantwortet werden können, lassen kein Gespräch entstehen.
  11. Achten Sie auf Ihre Körpersprache. Halten Sie Blickkontakt zu Ihrem Gesprächspartner, ohne ihn anzustarren.
  12. Sprechen Sie deutlich und betont und achten Sie auf den richtigen Abstand zu ihrem Gesprächspartner. Zu nah wirkt aufdringlich, zu weit entfernt, distanziert.

Und worüber redet man nun?

Nun, das einfachste Thema ist wohl das Wetter. Das kann aber auch leicht ausgeschöpft sein, wenn ich nicht rechtzeitig die Kurve kriege und auf ein anderes Thema umschwenke. Leichter könnte das Gespräch in Gang kommen, wenn ich die aktuelle Situation, in der sich beide Gesprächspartner befinden, einbeziehe. Eine weitere Möglichkeit ist, von dem zu erzählen, was ich vorhabe. Reise ich z.B. in eine andere Stadt, kann ich davon berichten, wohin ich reise, warum, was ich dort will und was ich erwarte.

Auf einer Party kann ich den unbekannten Gast fragen, woher er den Gastgeber kennt, kann das Haus, den Garten oder die Einrichtung loben. Das Essen oder die Getränke können ein Einstiegsthema sein. Die Antworten meines Gegenübers können mir dann neue Anknüpfungspunkte liefern, das Gespräch fortzusetzen. Erfahre ich z.B., dass der andere Gast den Gastgeber aus dem Sportverein kennt, kann ich von meinen sportlichen Aktivitäten erzählen oder davon, was mich mit dem Gastgeber verbindet.

Smalltalk und soziale Hierarchie

Ich treffe im Fahrstuhl einen guten alten Freund, den ich seit einigen Monaten nicht gesehen habe. Die Begrüßungsformel: „Hallo, altes Haus, wie geht’s Dir denn? Wir haben uns ja schon lange nicht mehr gesehen. Was hast Du denn die letzte Zeit so gemacht?“ kann für das freundschaftliche Verhältnis durchaus angemessen und auflockernd sein. Treffe ich im Fahrstuhl meinen Chef, ist ein solcher Satz eher unangebracht. Je nachdem, welches persönliche Verhältnis ich zu meinem Chef habe muss ich abwägen, ob ich ein Gespräch beginnen kann oder ob ich den Anfang lieber dem Chef überlassen sollte.

Im Allgemeinen sollte Smalltalk nur auf Augenhöhe erfolgen. Jedoch wird sich vermutlich auch der Chef freuen, wenn ich ihn nach seinem Befinden frage oder ihm einen schönen Tag wünsche.

Aus Smalltalk wird ein intensives Gespräch

In vielen Situationen wird Smalltalk über das Austauschen weniger, unverbindlicher Sätze nicht hinausgehen. Und das ist auch völlig ausreichend. Wir das Gespräch jedoch intensiver und dauert länger, so kann ich die Themenvielfalt auch erweitern. Habe ich in meinem gegenüber einen Gleichgesinnten gefunden, wird es mir leicht fallen, ein längeres und intensiver werdendes Gespräch zu führen. Themen, wie Geld, Religion oder Politik muss ich dann nicht mehr ausklammern. Es gilt aber weiterhin, Konfrontationen zu vermeiden, nicht zu monologisieren und auf die Reaktionen meines Gegenübers zu achten. Habe ich ein Interesse daran, meinen Gesprächspartner wieder zu sehen, so sollte ich ihm das mitteilen und einen Termin für ein nächstes Treffen vorschlagen.

Noch ein paar Tipps

So, wie Sie das recht haben, Smalltalk zu führen, haben Sie auch das Recht, zu schweigen. Sie müssen sich nicht zwangsläufig mit jedem unterhalten. Gründe dafür können sein:

  • Sie sind in Gedanken und abgelenkt.
  • Sie fühle sich müde und wollen sich ausruhen.
  • Ihr Gegenüber wirkt auf sie unsympathisch.
  • Sie wollen z.B. im Zug arbeiten, lesen oder schlafen.

In diesen Fällen ist es gut, kurz auf das Gesprächsangebot einzugehen, dem anderen dann aber freundlich und bestimmt mitzuteilen, warum sie gerade an keine Unterhaltung interessiert sind. Hierbei sollte man sein gegenüber aber nicht brüskieren.

Genau wie Sie, hat auch jeder Andere das Recht, sich Smalltalk zu entziehen. Dies ist dann kein Angriff auf Ihre Person oder stellt eine Geringwertschätzung dar. Ihr Gegenüber kann ebenso müde oder abgelenkt sein, oder er hat noch etwas anders vor. Nehmen Sie das nicht persönlich, es ist sein gutes Recht.

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