Politik & Gesellschaft

„Soll ich das mal machen?“

Quelle: www.pixabay.de

Ich beobachte immer wieder eine ähnliche Situation. Menschen reagieren nicht selbstständig, sie fragen ihr Umfeld, was sie machen sollen.

Vor kurzem in der Straßenbahn. Eine Dame mit Kinderwagen steigt ein und stellt den Kinderwagen quer in den dafür vorgesehenen Bereich. Folge – kein Platz mehr für einen zweiten Kinderwagen. An der nächsten Haltestelle steigt eine junge Familie mit Kinderwagen ein und versucht nun, sich neben den bereits dort stehenden Kinderwagen zu stellen – geht aber nicht, weil der Platz nicht ausreicht.

Die Dame mit dem ersten Kinderagen stellt nun an die junge Familie die Frage: „Soll ich den rumdrehen?“. Die junge Familie reagiert nicht auf diese Frage, folglich dreht Dame 1 ihren Kinderwagen nicht rum, folglich ist kein Platz für den Kinderwagen der jungen Familie, woraufhin diese ihren Kinderwagen direkt vor dem Durchgang zur Straßenbahntür platzieren, was wiederum das Aussteigen für andere Fahrgäste erheblich erschwert.

Ich habe das Szenario verfolgt und mir folgende Fragen gestellt:

  1. Ich gehe davon aus, dass Dame 1 nicht zum ersten Mal in ihrem Leben mit Kinderwagen Straßenbahn fährt. In einer Großstadt wie Leipzig ist immer damit zu rechnen, dass Personen mit weiteren Kinderwagen zusteigen. Welchen Grund hat es also, dass die Dame ihren Kinderwagen nicht gleich längs abstellt, um den Platz freizuhalten? Das wäre für sie auch einfacher gewesen – gerade reinfahren, abstellen, gerade rückwärts wieder rausfahren. Das umständliche Herumwuchten des Kinderwagens hätte sie sich sparen können.
  2. Warum stellt sie der jungen Familie diese Frage? Ist sie nicht in der Lage, die Situation zu erkennen und selbstständig zu reagieren, ohne Bestätigung oder Aufforderung von außen?
  3. Welchen Grund hat es, dass die junge Familie nicht auf die Frage der Dame reagiert. Die Bejahung der Frage hätte zur Folge gehabt, dass beide Kinderwagen in dem vorgesehenen Bereich Platz gehabt und andere Fahrgäste nicht behindert worden wären.

Quelle: www.pixabay.deDie Fragen kann ich nicht beantworten, jedoch ist diese Situation, die ich mehrmals wöchentlich in Leipziger Straßenbahnen erlebe, typisch. Ein Mensch agiert, ohne an die Folgen, vor allem für andere Menschen, zu denken (in dem Fall weitere Kinderwagen und andere Fahrgäste). Das Problem tritt auf mit einem zweiten Kinderwagen. Deren Besitzer kümmern sich ebenfalls nicht um die Folgen ihres Handelns, oder in dem Fall Nicht-Handelns für andere Fahrgäste und blockieren stattdessen die Tür.

Was ist das? Ignoranz, Null Bock oder die „Mir ist eh alles wurscht“-Mentalität? Vielleicht von allem etwas. Auf jeden Fall ist es ein Beispiel für einen Rückgang an Vordenken, Konsequenzen bedenken, Kommunizieren und Reagieren. Das Beispiel ist ein – leider alltäglicher – Beweis für eine zunehmende Unselbstständigkeit im Denken und Handeln und fehlende soziale Kompetenz.

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Autor: Mirko Seidel am 1. Mrz 2017 10:44, Rubrik: Politik & Gesellschaft, Texte & Gedanken, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben, Trackback-URL

Eine Reaktion zu “„Soll ich das mal machen?“”

  1. Gisela schreibt

    Hallo Mirco!
    Mir ging es ähnlich in der Straßenbahn. Ich beobachtete eine kleine Familie. Der Vater hatte das kleinere Kind auf dem Arm und das etwas größere turnt auf dem Sitz herum. Ich freue mich immer über die Bewegungsfreiheit. Das Kind hatte die Schuhe an und draußen regnete es. Ich habe lange überlegt, ob ich etwas sage. Wir stiegen aus und ich bat den Vater, dem Kindes nächste mal die Schuhe aus zu ziehen. Er hat sich bedankt. Es War eine ausländische Familie. Mir ist auch sehr oft ein Platz von jungen Menschen angeboten wurden. Ich kann es nicht so gut analysieren, wie du. Ich denke, wenn die Haltung, die ausstrahlt wird und der Ton der Wortwahl stimmt, kann die Kommunikation unter einander gut funktionieren.

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