Burnout

Tagebuch eines Burnout-Falls

Was noch wichtig ist

Ich möchte nicht versäumen zu erwähnen, wie wichtig es für einen Menschen in einer depressiven Episode ist, ein intaktes soziales Umfeld zu haben. Vor dem Tag X hatte ich Freunde, danach nur noch sehr wenige. Viele haben sich verabschiedet, weil sie mit der Situation nicht umgehen konnten, weil sie sich nicht damit beschäftigen wollten. Unverständnis und Intoleranz schlugen mir entgegen. Aber es waren auch andere Menschen da. Meine Familie, die mich mit ihren Mitteln unterstützte, vor allem den Schritt in die Selbstständigkeit. Da war mein Freund und Coach, der mich über Monate nicht nur coachte, sondern auch unterstützte und beriet.

Und da war noch ein Freund, den ich erst wenige Wochen vor dem Tag X kennenlernte. Er fragte jeden Tag, wie es mir geht. Wenn es seine Zeit zuließ, trafen wir uns und ertrug es, wenn ich nicht gut drauf war ohne sich auch nur ein einziges Mal zu beschweren. Er war immer für mich da und ist es bis heute. Erst, wenn ein Mensch an einem Tiefpunkt, wie einer Depression angekommen ist merkt er, wer seine Freunde sind und wichtig Freundschaften im Leben sind.

Heute, fast drei Jahre nach dem Tag X bin ich ein ein Mensch, der die schwerste Zeit seines Lebens dazu genutzt hat, zu sich selbst zu finden. Ich habe die vermeintliche Sicherheit im Außen aufgegeben und meine Sicherheit in mir gefunden. Elf Monate hat es gedauert bis ich sagen konnte, ich habe das Burnout überstanden.

Einen Therapieplatz habe ich übrigens auch noch bekommen, nach 19 Monaten Wartezeit. Der Therapeut und ich haben uns fünf Mal getroffen, es gab nichts mehr zu therapieren.

Burnout ist die weiteste Entfernung eines Menschen von sich selbst.

Das wichtigste im Leben eines Menschen ist der Mensch selbst. Vor allem in Berufen, deren Inhalt Hilfe und Unterstützung für andere ist, ist die Gefahr groß, sich von sich selbst weit entfernen, sich aufzuopfern und aufzugeben für andere Menschen. Bei aller Notwendigkeit gerade in diesen Berufen ist es aber unerlässlich, sich selbst regelmäßig nach der Erfüllung der eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu fragen. Das Reden über Probleme, beruflich oder privat, auch mit dem Chef, ist wichtig. Gute Chefs werden Verständnis für die Probleme ihrer Mitarbeiter haben und Rücksicht nehmen. Tun sie es nicht, sind es keine guten Chefs.

Eine gute Mutter sorgt zuerst für sich selbst.
(unbekannt)

Ich möchte Ihnen mit auf den Weg geben: Sorgen Sie gut für sich selbst, nur dann sind Sie auch in der Lage, gut für andere zu sorgen.

Lesen Sie auch den Leitartikel und weitere Artikel zum Thema Burnout.

Tagebuch eines Burnout-Falls

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Autor: Mirko Seidel am 26. Mai 2015 08:00, Rubrik: Burnout, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben, Trackback-URL

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