Mediation

Die Umfrage, die mich nachdenken ließ

Hin und wieder bekomme ich Anfragen von Studenten mit der Bitte, an Umfragen teilzunehmen. Meistens tue ich das auch. Heute erreichte mich eine solche Anfrage von Studenten der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg mit der Bitte, meine Meinung zu einer Software abzugeben, die den Mediator im Mediationsprozess unterstützen soll. Ich hatte keine Ahnung, wie das funktioniert und so startete ich die Beantwortung der Fragen.

Als ich auf den folgenden Satz stieß, wurde ich nachdenklich: „Der Mediator wird durch das Programm bei der Erarbeitung und Bewertung möglicher Lösungsalternativen unterstützt. Zudem kann er den Parteien den Problemkomplex auf eine übersichtliche Art und Weise nahe bringen. Durch die graphische und tabellarische Darstellung der Themen- und Konfliktfelder wird den Parteien aufgezeigt, welche Lösungsalternativen es gibt und zu welchem Ergebnis diese führen.“

Aha, eine Software soll mich also dabei unterstützen, Lösungsmöglichkeiten zu erarbeiten und Lösungsalternativen zu bewerten. Sie kann mich auch dabei unterstützen, den Problemkomplex den Parteien nahe zu bringen und das alles auch noch graphisch und tabellarisch.

Ich kam ins Grübeln. Hatte ich meinen Beruf bisher nicht verstanden oder forschen hier Studenten an Dingen, von denen sie keine Ahnung haben? Es ist nicht die Aufgabe eines Mediators, Lösungsmöglichkeiten zu erarbeiten, das machen die Medianten und erst recht ist es nicht Aufgabe des Mediators, diese zu bewerten. Der Mediator muss den Parteien den Problemkomplex auch nicht nahe bringen. Experten des Problems sind die Medianten selbst. Und dass ein Programm graphisch oder tabellarisch aufzeigt, welche Ergebnisse oder Konsequenzen eine Lösungsmöglichkeit mit sich bringt, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Die Konsequenzen ihrer Lösung müssen die Medianten selbst erkennen, mit Unterstützung des Mediators.

In der E-Mail zur Umfrage teilten die Studenten der Universität Magdeburg mit, dass es sich um eine verhandlungsanalytische Software handele, die Mediatoren unterstützend zur Seite stehen soll und dass es kein Tool sei, das die Arbeit der Mediatoren überflüssig machen soll. Na da bin ich aber beruhigt.

Am Ende von Umfragen wird meistens nach der Meinung zur Umfrage, Kritik und Hinweisen gefragt. Dieses Feld fülle ich meistens nicht aus. Bei dieser Umfrage schon, denn es war mir ein Bedürfnis den Studenten in Magdeburg meinen Eindruck mitzuteilen, dass sie wahrscheinlich keine Ahnung haben, was Mediation ist.

Und noch ein Tipp nach Magdeburg:

Die beste Problemlösungssoftware ist immer noch die Kommunikation von Mensch zu Mensch, ohne Computer.

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Autor: Mirko Seidel am 20. Dez 2015 19:37, Rubrik: Mediation, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben, Trackback-URL

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