Texte & Gedanken

Veränderung als systemischer Prozess

Schlecht bezahlter Halbtagsjob, Aufstocker vom Amt. Keine Freunde, kein Partner. Ein einsames Leben in einer viel zu kleinen Wohnung und die Waage zeigt starkes Übergewicht. Kurz – eine Leben ohne Freude und Sinn. Zeit für Veränderung. Doch womit beginnen?

Veränderung beginnt mit der Einsicht in die Notwendigkeit. Diese kann sich einstellen, wenn der Leidensdruck stark ansteigt. Auch Impulse von außen können die Einsicht zu einer Veränderung auslösen.

Was war zuerst da? Habe ich keinen Partner, weil ich zu dick bin oder hat die Einsamkeit das Frustfressen befördert? Nutze ich meine Freizeit nicht, weil ich kein Geld für gemeinsame Unternehmungen oder habe ich kein Geld, weil ich mich nicht ausreichend um einen guten Job bemüht habe? Was war zuerst da – das Huhn oder das Ei?

Diese und ähnliche Fragen sind müßig, weil sie kaum zu beantworten sind und auch nicht zur Lösung des Problems führen. Sie münden eher im ewigen Kreislauf des Hamsterrades.

Womit fange ich an?

Zuerst muss die Frage geklärt werden, schaffe ich das allein oder brauche in professionelle Unterstützung? Entscheide ich mich, meine Probleme allein anzupacken, ist eine genaue Analyse notwendig.

  • Was bedeutet Leben für mich?
  • Welche Lebensbereiche gibt es?
  • Was wünsche ich mir für diese Lebensbereiche?
  • Was davon habe ich bereits, was fehlt mir noch?
  • Was hat zu meiner jetzigen Lebenssituation geführt?
  • Was ist gut an meiner jetzigen Lebenssituation, was möchte ich behalten?
  • Welche Veränderungen sind mir am wichtigsten, was ist nachrangig?
  • Was will ich unbedingt erreichen, wo bin ich bereit, Kompromisse zu machen?
  • Welche Stärken habe ich, was kann ich, was weiß0 ich, welche Ressourcen habe ich?

Der Beginn einer Lebensveränderung setzt das intensive Auseinandersetzen mit mir selbst voraus. Nur wenn ich mich und mein Leben selbstkritisch betrachte kann ich erkenne, welchen Beitrag ich selbst zu meiner jetzigen Lebenssituation geleistet habe. Die Suche nach der Schuld bei anderen bringt gar nichts, Denn für mein Leben ist nur ein Mensch verantwortlich – ich selbst.

Alles gleichzeitig anzupacken, bringt nichts. Zu viele Baustellen haben die Gefahr in sich, das ich mich verzettel, den Überblick verliere. In welchem Bereich meines Lebens ich mit der Veränderung, bedarf eines gründlichen Nachdenkens. Möchte ich zuerst eine größere, freundlichere Wohnung, so kann dies daran scheitern, dass ich mir diese nicht leisten kann.

Ich muss mir also darüber klar werden, was es zur Erfüllung meiner Wünsche braucht. Brauche ich Geld für eine neue Wohnung, neue Kleidung, ein Auto, so ist es sinnvoll, mit der Suche nach einer neuen Arbeit zu beginnen.
Ist es mir wichtig, Menschen kennenzulernen, sollte ich mir über mein Freizeitverhalten, Hobbys oder Orte Gedanken machen, wo ich Menschen treffen kann.
Fühle ich mich unsicher, weil ich zu dick bin, kann es sinnvoll sein damit zu beginnen, an meinem Gewicht zu arbeiten.

Ich kann es auch pragmatisch angehen. Ich suche mir das vermeintlich kleineste Problem, bei dem ich mit einem schnellen Erfolg rechne und baue darauf auf.

Veränderung bedarf der ständigen Veränderung

Habe ich mir Gedanken zu meinen Lebensbereichen, meinen Zielen und Wünschen und dem Weg gemacht, wie ich diese erreiche, ist es damit nicht getan. Veränderung ist fließend. Es ist daher sinnvoll, meine Ziele und Wünsche die ich mir aufgeschrieben habe, immer wieder hervorzuholen und zu überprüfen:

  • Sind meine Ziele und Wünsche noch aktuell?
  • Was hat sich verändert?
  • Was habe ich erreicht, was fehlt mir noch?
  • Bin ich noch auf dem Weg, den ich gewählt habe?
  • Sind Korrekturen notwendig?

Nur durch ständige Kontrolle und selbstkritische Betrachtung erfahre ich, wo Veränderungen und Korrekturen notwendig sind.

Wer kann mir helfen?

Niemand muss sich allein durch eine große Lebensveränderung kämpfen. Die Hilfsangebote sind vielfältig. Sie reichen von sozialen Beratungsstellen über das Arbeitsamt, Selbsthilfegruppen bis professionellen Angeboten, wie Coaching.

Die Vorteile, sein Leben mithilfe eines Coachs zu verändern, sind:

  • ein strukturierter Prozess,
  • eine Person, die durch diesen Prozess führt, hilfreiche Methoden anwendet und auf Probleme und Unstimmigkeiten hinweist,
  • eine regelmäßige Kontrolle des Erreichten,
  • frühzeitiges Erkennen von Fehlentwicklungen,

Der einzige Nachteil eines Coachings ist: es kostet Geld. Doch wenn ich ein erfülltes, zufriedenes und glückliches Leben führe, was sind da ein paar hundert Euro?

Ich möchte gern, aber ich traue mich nicht

Viele Menschen scheuen sich davor, sich für ihre Probleme Hilfe zu holen. Scham vor der eigenen Lebenssituation und dem scheinbaren Versagen, Angst, es nicht zu schaffen sind häufige Gründe. Doch das muss nicht sein. Kein Mensch braucht sich dafür zu schämen, was er ist und wie er ist. Jeder Mensch ist einzigartig und wunderbar. Die Erkenntnis, dass eine Veränderung notwendig ist und der Entschluss, diese anzupacken, zeugen bereits von einer hohen Kompetenz, das eigene Leben in die Hand zu nehmen. Professionelle Hilfe wertet nicht, sie fragt, zeigt Verständnis und unterstützt den Prozess der Erkenntnis und Veränderung.

Professionelle Beratung bevormundet nicht – sie begleitet.

Zeigen Sie Mut zur Veränderung. Sie werden es nicht bereuen.

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Autor: Mirko Seidel am 16. Okt 2015 09:18, Rubrik: Texte & Gedanken, Themen, Veränderung, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben, Trackback-URL

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