Spaß & Satire

Warum Gott keinen Termin beim Urologen bekommt

Deckengemälde in der Kirche in Burgkemnitz, Sachsen-Anhalt

Es geht den Göttern wie den Menschen, man kommt in die Jahre und das eine oder andere Zipperlein stellt sich ein. So auch bei Gott. Zweimal jährlich muss er zum Urologen. Das klappte auch immer recht gut. Einen Termin zu bekommen war nie ein Thema, nun ja, er ist ja auch der Chef und privat versichert.

Letzte Woche war alles anders. Routinemäßig erreichte die Urologische Praxis ein Anruf aus dem Vorzimmer des Allmächtigen. Man brauche mal wieder einen Termin zur Kontrolle, das Übliche, keine weiteren Beschwerden. Weit gefehlt. Man könne an Gott keinen Termin mehr vergeben. Auf das fassungslose „Wieso?“ von Gottes Privatsekretärin antwortet die Schwester lakonisch, Gott sein geschlechtslos und habe somit in einer urologischen Praxis nichts verloren. Man wisse ja gar nicht, wie man so etwas behandeln solle. Und aufgelegt.

Entsetzt rennt die Sekretärin zu ihrem Chef, um ihm die unfröhliche Botschaft zu übermitteln. Gott sinkt in seinem Sessel zurück und stiert seine Sekretärin an: „Was ist los? Was bin ich? Was kann man nicht behandeln? Welcher Atheist da unten hat sich den diesen Blödsinn wieder ausgedacht“?
„Keine Ahnung“, stammelt die völlig verwirrte Frau, „aber ich kann ja mal bei Petrus nachfragen, der hat den Überblick“.
„Ja, machen Sie das, obwohl mir scheint, es wäre besser, gleich bei Luzifer anzufragen, so etwas kann nur von dort unten kommen“.

Aufgeregt kommt Petrus zu Gott gelaufen.
„Und“ herrscht der ihn an, „wer war das?“
Petrus traut sich kaum, ihn zu antworten. „Kristina Schröder“ haucht er.
„Wer? Kristina wer?“

Gott überlegt, er hatte mit Fidel Castro, den Nordkoreanern oder der Honecker in Chile gerechnet, aber Kristina Schröder kennt er nicht. „Wer ist das denn?“ fragt er Petrus.
„Kristina Schröder, die war mal Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, aus Deutschland“.
„Und wie kommt die Schröder dazu, mich geschlechtslos zu machen?“

Petrus erklärt, „Kristina Schröder meint, Gott sei geschlechtslos und man könne auch Das liebe Gott sagen“ und duckt sich.

Gott ist verdutzt. Was soll das denn? Seit zweitausend Jahren hat niemand je daran gezweifelt, welches Geschlecht Gott hat. Gott ist ein Mann, logisch. Es heißt ja: Der liebe Gott. Welch dumme Frage! Gottes Bodenpersonal hat das auch seit über zweitausend Jahren immer vehement verteidigt, wenn es sein musste, mit dem Schwert. Michelangelo hat ihn, den Allmächtigen, als solchen in der Sixtinischen Kapelle gemalt. Zweitausend Jahre lang hat es niemand gewagt, an der Lehre Roms zu zweifeln: Nicht einmal Martin Luther, der ja sonst alles über den Haufen geworfen hat, zweifelt an der Männlichkeit des Allmächtigen. Und nun kommt eine Kristina Schröder.

„Müssen wir mit einer neuen Reformation rechnen?“ fragt er Petrus.
„Nein, nein“ beschwichtigt dieser sofort, „die ist ansonsten harmlos“.

Das muss Gott man erst einmal sacken lassen. Alles, woran Milliarden von Menschen weltweit je glaubten, ist erschüttert. Was da alles passieren kann – der Heilige Stuhl wackelt, Priester melden sich arbeitslos und er, der Schöpfer der Welt, gerät in Vergessenheit.

Gott ist ratlos. „Und was machen wir jetzt?“ fragt er seinen Torwächter.
Der zuckt mit den Schultern, „keine Ahnung“.

Gottes Rache

Taufengel in der Dorfkirche in Schönfeld/Altmark

Taufengel in der Dorfkirche in Schönfeld/Altmark

Gott bekommt eine kreative Phase. „Ich könnte die Sintflut auf die Erde schicken, Pest und Cholera, Hitze, Dürre und dann werden die Menschen schon sehen, wer hier das Sagen hat.“

Bloß nicht, denkt sich Petrus, immer wenn der Alte zornig wird und die sieben Plagen auf die Welt schickt, haben er und die Engel alle Hände voll zu tun. „Die Welt hat sich verändert, die Frauen wollen nicht mehr länger im Hintergrund stehen und selbst bestimmen“ versucht er zu beschwichtigen.

„Ach was“, antwortet Gott, „das hätten sie vor zweitausend Jahren schon haben können. Ich habe meinem Sohn eine schöne und starke Frau an die Seite gestellt und was haben die Menschen gemacht? Sie zur Hure erklärt.“ Er schaut aus dem Augenwinkel auf Petrus. „Du warst doch auch dabei beim letzten Abendmahl und hast Dich dann einfach auf den Thron gesetzt.“
Petrus verteidigt sich: „Ich wollte nur ein Nickerchen auf dem Felsen machen, was kann ich dafür, dass man mich gleich zum Bischof macht?“.

„Ich muss nachdenken“ sagt Gott und schickt Petrus weg. „So ein Mist“, brummt er vor sich hin, „ich wollte nun gern mal etwas kürzer treten, die Welt Welt sein lassen, Golf spielen, verreisen. Aber vorher brauche ich diesen Termin bei Urologen.“ Auch war sein Bedauern groß, Michelangelo die Eingebung geschickt zu haben, ihn als alten Mann mit weißem Bart malen zu lassen.

„Warum habe ich eigentlich Bodenpersonal, die sollen sich mal drum kümmern“.

Er ruft Petrus zurück. „Geh mal hinunter auf die Erde und sag Deinem Nachfolger auf dem Stuhl in Rom, er solle das Wirrwarr wieder gerade rücken und für Ruhe sorgen.“
Petrus ist verdutzt: „Wie soll er denn das anstellen? Der Heilige Stuhl hat längst nicht mehr die Autorität, wie vor zweitausend Jahren. Die Frauen lassen sich heute nicht mehr so einfach unterdrücken, sondern….“.
Gott fällt ihm ins Wort: „Ihr sollt die Frauen auch nicht unterdrücken, redet mit Ihnen, stellt sie gleich, macht eine von Ihnen zum Papst aber bringt mir Ruhe in den Laden.“
Petrus wagt es nicht, zu wiedersprechen. „Ich werde sehen, was ich tun kann.“

Drei Wochen später

Engel in der Schlosskirche zu Wittenberg

Engel in der Schlosskirche zu Wittenberg

Petrus hat einen Termin bei Gott. „Nun“, beginnt dieser das Gespräch, „was konntest Du erreichen?“.
Der Himmelswärter holt weit aus. „Ich habe mit dem Heiligen Vater gesprochen. Er zeigte sich sehr entrüstet, wusste aber auch keinen Rat. Er schlug mir vor, bei der nächsten Audienz mit der deutschen Kanzlerin Frau Merkel ein ernstes Wort zu sprechen.“

„Was hast Du geantwortet?“ fragt Gott Petrus.
„Nun, ich habe dem Papst zugestimmt. Sicher sei das eine gute Idee, wenn Frau Merkel die Schröder mal ins Gebet nimmt. Ja ja, und der Papst hat mir noch was verraten“ sprudelt es aus Petrus heraus.
„Was denn?“
„Letzten Herbst waren in Deutschland Wahlen, die Schröder ist weg und mit ihr die ganze leidige Diskussion.“

“Na wenigstens was“ brummt Gott vor sich hin. „Ist die Merkel wiedergewählt?“ fragt er Petrus.
„Ja, die hats mal wieder geschafft“ antwortet der, „in Deutschland regiert weiter eine Partei mit christlichem Anschein…“
„aber?“ fällt Gott ihm ins Wort.
„Naja, die Merkel sitzt jetzt mit den Sozis auf der Regierungsbank“.
„Auch das noch!“ Gott stöhnt. „Die setzen dann an meiner Stelle wieder diesen Möchte-Gern-Gott mit Vollbart ein, diesen, diesen….ähm…wie hieß der noch?“ Fragend blickt er Petrus an.
Karl Marx“ sagt der trocken, „aber keine Angst, die Roten sind heute auch nicht mehr das, was sie mal waren.“

Die Umwandlung

Orchidee

Orchidee

Gott will Petrus schon wegschicken, um sich von seiner Sekretärin endlich einen Termin beim Urologen machen zu lassen. Der Torwächter hat aber noch etwas auf dem Herzen.

„Was ist denn noch?“ herrscht Gott ihn an.
„Nun, mein Vater“ sagt dieser langsam „der Papst ist ja auch schon ein alter Mann. Ich habe ihm die Idee vorgetragen, eine Frau zur Päpstin zu machen.“
Gott wird hellhörig. „Und, was hat er geantwortet?“
„Zunächst bekam er einen mehrminütigen Lachanfall…“
„Was? schreit Gott, „der wagt es, über meine Vorschläge zu lachen? Der soll mich kennenlernen…“
Petrus wirft ein „er wurde aber gleich darauf nachdenklich und malte ein Schreckensszenario.“
„Das wie aussieht“ fragt Gott.
Petrus erklärt: „Nun, wenn eine Frau Papst wird, dann gibt es Bischöfinnen und Priesterinnen. Der Zölibat würde aufgehoben…“,
„Das fand ich eh immer völlig unsinnig“ fällt Gott ihm ins Wort, „ich habe ja Männlein und Weiblein gemacht, damit sie sich vermehren.“
„Da mögt Ihr Recht haben“, fährt Petrus fort, „ aber es geht ja noch weiter. Es wäre sicher nur eine Frage der Zeit, bis die Emanzen im Vatikan die Oberhand gewinnen und erklären, Gott könne nur eine Frau sein. Und glaubt mir, sie werden zahlreiche Argumente finden.“

„Und was wird dann aus mir“ fragt Gott verdutzt.
„Das ist genau die Frage. Entweder wird irgendeine alte römische Fruchtbarkeitsgöttin wieder ausgegraben und an Eure Stelle gesetzt oder….“
„Oder was?“ fragt Gott.
„Naja, die Medizin ist da heute schon sehr weit.“
„Sehr weit mit was?“ Gott wird ungeduldig.
Petrus druckst herum. „Nun sag schon“ herrscht sein Chef ihn an.
„Man kann heute aus Männern Frauen machen und umgekehrt“.
Gott versteht nicht. „Wie? Soll ich mir eine Perücke aufsetzen und einen BH mit Luftballons ausstopfen?“
„Nun ja, das wäre nur der erste Schritt“ antwortet Petrus.
„Und weiter?“ Gott kapiert nicht.
„Dann müsste Eure Herrlichkeit Hormone schlucken und danach käme die Geschlechtsumwandlung. Schnipp schnapp ab.“ Petrus kichert.
„Waaas“ Gott ist fassungslos.
„Dann müsstest ihr aber auch nicht mehr zum Urologen.“ Petrus lacht laut los.
„Hinaus“ brüllt Gott ihn an. „Mit Dir rechne ich noch ab.“

Petrus geht. Gott sitzt allein auf seinem Thron und grübelt.

Da hat ihm diese Schnepfe ja was Schönes eingebrockt. Vielleicht hätte er sich doch mehr Zeit nehmen sollen für die Erschaffung der Welt, als sieben Tage. Und vor allem sorgsamer bei der Schöpfung der Menschen sein sollen. Zu spät. Oder doch nicht. „Sintflut, Pest und Cholera“ murmelt er in seinen Bart. Alles hat er, der Allmächtige, überstanden. Erst der zähe Kampf, bis diese unzähligen griechischen und römischen Götter in die Verbannung geschickt waren, dann kam dieser Mohammed und machte seinem Sohn den Platz streitig. Und erst dieser Luther, der ihm den ganzen Laden durcheinandergebracht hat. Selbst die Roten mit ihren Marx, Engels und Lenin hat er ausgesessen. Gott ist müde. Der Himmelsvater spürt seinen Autoritätsverlust.

Er ruft seine Sekretärin.
„Machen Sie mir einen Termin beim Therapeuten.“

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Autor: Mirko Seidel am 4. Mrz 2014 08:20, Rubrik: Spaß & Satire, Texte & Gedanken, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben, Trackback-URL

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