Spaß & Satire

Eine Weihnachtsgeschichte aus Leipzig

Weihnachtsmarkt und Altes Rathaus in Leipzig

3. Advent – Vorweihnachtszeit. Die Dunkelheit senkt sich langsam über die große Stadt. Sanft wiegen sich die Wipfel der Linden im Sog der vorbeibrausenden Fahrzeuge auf dem Innenstadtring. Manchmal stehen sie still – immer dann, wenn auch der Verkehr still steht auf dem Ring. Es ist verkaufsoffener Sonntag.

Ein schriller Ruf unterbricht die Stille: „Härbärd, nu gomme jedze. Dä gäschäfde machn glei zu.“ „Ja, ja“, hört man es müde schnaufen, „ich gomme ja schon.“

Herbert und Gisela, Frührentner aus Nordsachsen – er Knie, sie Rücken – sind in die Großstadt gekommen, um die letzten Weihnachtseinkäufe zu erledigen.

„Nu beeil dich, mir ham noch so viel zu erlädschn“. Der kniebehinderte Herbert hat die vorauseilende Gisela erreicht. „Was mussdesde ooch so weid weg bargn?“. Herbert schaut verdutzt. „Was gann ich denne dafür, dass de Bargheiser alle voll sin?“ „Häddsd ja wenschsdns näher an de schdad ranfahrn gönn.“ „Gehd doch nich, Bedongboller.“

Gisela schaut ungläubig. „Bedongboller? Warumdn das?“ „Wääschn de Derrorisdn.“ „Derrorisdn? Mein godd, wo denne?“ Gisela schaut sich erschrocken um. „Brauchsd geene Angsd zu ham, sin geene da.“ „Und warum stellnse dann Bedongboller off?“. „Damid erschd gar geene gomm.“

Gisela hat nichts verstanden, aber egal. Sie hastet weiter. „Nun beeildsch ma, mir müssen zu Galleria.“
„Was willsde denn in eener Galerie?“ „Gaufhof, du Esel.“ Gisela verdreht die Augen. „Ach so, ja ich gomme.“ Herbert schnauft, das Knie schmerzt – egal, was sein muss, muss sein.

Beide kommen in der Galeria Kaufhof an. Auf der Rolltreppe fragt Herbert seine Gisela: „Was willsde denn hier?“ „Eingoofn.“ „Und was willsde eingoofn“ „Weessch nich, musssch erschd ma guggn, wasses gibd.“ „Heude gibds alles“. „Alles willsch aber nich.“

Zwei Stunden später. „Gisäla, ich gannnemehr.“ „Weesde, wie viele Leude bei uns am Heilischn Abnd am Dische sizn? Für die brausch alle ä gäschäng.“ „Wie viele gäschänge hasde denn schon“ „Zweee.“ Herbert rechnet – zehn Personen, zehn Geschenke. Für zwei Geschenke zwei Stunden, ihm wird schlecht. „Gisäla, so lange ham aber de geschäfde nich off.“ „Quadsch nich, gomme, mir missn zu Garschdad.“

Wieder auf der Straße. Menschenmassen quälen sich durch die Innenstadt. „Meine Fresse, wer had denn die alle rausgelassn?“ stöhnt Gisela. „Das is hier ne Großschdad, da sin äbn so viele.“ „Aber doch nich alle off eema.“

Sie haben Karstadt erreicht. „Brauchsde hier widdr so lange“ Sie schaut ihn missbilligend an. Bei Karstadt geht es schneller.

„So, hasde nu alles?“ „Nee, zwee fälhn mir noch.“ „Herbert strahlt. „Ich hab ne subber Idee. Mir loofn zum Leuschnerbladz, steischn in de S-Bahn und fahrn zum Bahnhof, da gannsde den Resd goofn.“ „Im Bahnhof?“ Gisela schaut entgeistert. „Nee, da gesch nich mehr hin, da hamse mich ma beschissn. Mir gehn in de Heefe am Brihl.“

Ab durchs Getümmel. Eine halbe Stunde später erreichen die beiden die Höfe am Brühl. „Gisäla, isch gannnemehr. Basse off, isch sädz mich gemiedlich hier hin und drinke een gaffee und du gannsd in aller Ruhe eingoofn gehn.“ „So habsch mir das gedachd. Du sidzd gemiedlich rum, ich renne rum und ich gann mir dann am Heilischn Abnd wieder das Gemäggor über de Gäschänge anheern. Nee, nee, du gommsd mit.“

Herbert gehorcht.

20 Uhr. Die Geschäfte haben geschlossen. Herbert und Gisela stehen auf dem Weihnachtsmarkt. „Schöjn“ schwärmt Herbert. „Ja, sähr schöjn“ pflichtet ihm Gisela bei. „Gaffee, ä Geenichreich für een Gaffee.“ „Nu hol dir schon dein Gaffee.“ „Was willsdn du, een Glühwein oder een Bunsch“? „Een Bunsch.“

Gisela bekommt einen feierlichen Blick. „Ach mei Härbärt s war doch widder ma schöjn offm Weihnachdsmarchd.“ „Ja, meine Gisela, s war widder ma schöjn zum Advend in Leibzsch.

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Autor: Mirko Seidel am 19. Dez 2017 18:30, Rubrik: Spaß & Satire, Texte & Gedanken, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben, Trackback-URL

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