Politik & Gesellschaft

Wertewandel oder Werteverfall? Teil II – Gesellschaftliche Wertesysteme

Gibt es DAS eine, allgemein-gültige und für jedermann verbindliche Wertesystem? Menschen mit sehr ähnlich ausgeprägten Wertesystemen finden sich zu Gruppen zusammen – Vereine, Parteien, Verbände. Sie tun dies, um ihr Wertesystem einer breiten Öffentlichkeit mitzuteilen und um für ihre Wertevorstellungen zu werben.

Sie sind davon überzeugt, dass ihr Wertesystem nützlich für die Allgemeinheit und für jeden Einzelnen ist.

In unserer westlichen, christlich geprägten Welt, existieren mehrere Wertesysteme parallel nebeneinander. Das älteste von Ihnen und bis heute zumindest den Anhängern des christlichen Glaubens gegebene Wertesystem sind die 10 Gebote.

Der Bundesverband Ethik (BVE) e.V. benennt als Grundwerte: Human – Universal – Freiwillig – Gemeinsam – Neutral – Transparent.

Die Gruppe „5 Werte für Deutschland“ stellt auf ihrer Facebookseite ihr – sehr reduziertes – Wertesystem vor: Freiheit, Frieden, Wohlstand, Sicherheit, Gerechtigkeit – Demonstration für eine Gesellschaft mit menschlichem Antlitz!“
Hinzu kommen die UN-Konvention für Menschrechte und das Grundgesetz, das die Grundlage der gesellschaftlichen Werte bilden soll.

Die Frage, ob es ein allgemein gültiges Wertsystem für eine Gesellschaft gibt, muss also verneint werden. Und doch sind die Werte ein zentraler Bestandteil vieler Verhaltensvorschriften, sind jedoch selbst keine Verhaltensvorschriften. Sie sind attraktiv, oder sollen es sein. Normen dagegen sind restriktiv.

Die Herrscher des Absolutismus und die Diktatoren des 20. Jahrhunderts haben ihr persönliches Wertesystem ihrem Volk als Doktrin auferlegt und mit Bestrafung gedroht und diese auch angewendet gegen jeden, der gegen das Wertesystem verstieß. Der Wert wurde zum Dogma und damit zur Norm.

In unserer heutigen Gesellschaft wird das öffentliche Wertebild im Wesentlichen durch die Ideologie der Parteien und ihrer Führungen, durch die großen Kirchen, durch die Medien und durch die – sogenannten oder selbsternannten – Leistungsträger der Gesellschaft geprägt. Bei letzteren reicht die Spanne vom Adel über die Manager bis hin zu Fernsehcomedians.

Vor allem Parteien nutzen die ihnen gegebene Möglichkeit, ihre Werte zur Norm – also zum Gesetz zu machen und damit Restriktionen gegen jeden auszusprechen, der sie verletzt – aus.

Jeder Mensch, der versucht, sein Wertesystem anderen Menschen aufzudoktrinieren, tut dies nicht ohne Hintergedanken. Er möchte für sich, für seine Sache werben und andere dafür gewinnen. Tragen die Hintergedanken überwiegend humanen und sozialen Charakter und orientieren sich am Dienst am Menschen, mag dies durchaus legitim und für die Allgemeinheit nützlich sein. Tut er dies, um einen persönlichen Vorteil zu erzielen oder andere Menschen zu übervorteilen, wird aus dem Wert eine Farce.

Sind wir mit der Frage nach dem allgemein-gültigen Wertesystem vielleicht auf dem Holzweg? Sind Werte und Wertesystem nicht eher etwas individuelles, von jedem Menschen für sich selbst aufgestellt?

Würde man auf der Straße eine Umfrage starten und die Probanden zu ihren persönlichen Werten befrage, so hört man mit großer Sicherheit sehr oft die Begriffe Freiheit, Gleichheit, soziale Gerechtigkeit, Achtung der Menschenwürde u.ä. Offensichtlich gibt es ein über die individuellen Werte übergeordnetes Wertesystem, das sich aus den mehrheitlich genannten, individuell geäußerten Werten zusammensetzt.

Das Zusammenleben in einer Gemeinschaft muss Regeln unterworfen werden, damit die Gemeinschaft funktioniert. Das war schon bei den Urmenschen so wo festgelegt war, welches Mitglied der Sippe entsprechend seiner Fähigkeiten welche Aufgabe zu übernehmen hatte.

Ein moderner Staat könnte durchaus ohne ein eigenes Wertesystem auskommen, ihm stehen mit der Möglichkeit der Gesetzgebung und Bestrafung ausreichend Mittel zur Verfügungen, seine Interessen durchzusetzen. Werte sind trotzdem notwendig, man könnte sagen, sie sind das Salz in der Gesellschaftssuppe, die die oft bitteren und fauligen Zutaten schmackhaft erscheinen lassen.

Wenn der Wert der Freiheit konterkariert wird durch eine lückenlose Überwachung der Bürger, ruft dies den lautstarken Protest des Volkes hervor. Wird aber die Rechtfertigung vorgebracht, man müsse überwachen als Schutz vor Terrorismus um durch Überwachung Freiheit zu garantieren, ist dies zwar wiedersinnig, verkauft sich aber besser. Wie oft hören wir von Bürgern auf der Straße: „Der Staat kann mich ruhig durchleuchten, ich habe nichts zu verbregen und wenn es der Terrorismusbekämpfung dient.“ Sie bewerten ihre Persönlichkeitsrechte als minder-wertig gegenüber der höher-wertigen staatlichen Datensammelwut.

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