Erfolg & Glück

Wie sieht Erfolg aus?

Vor einigen Wochen war ich mit dem Auto auf der Autobahn unterwegs. Auf einem Parkplatz hielt ich an, um einem menschlichen Bedürfnis nachzugeben. Da kam eine Frau auf mich zu, lächelte mich an und übergab mir eine Zeitung – „Erwachet“.

Ich bedankte mich und wir verabschiedeten uns.

Zugegeben, „Erwache“ gehört nicht zu meiner Vorzugslektüre, aber der Titel klang interessant: „Wie sieht Erfolg aus?“

Vier Menschen werden vorgestellt: ein Geschäftsmann mit gutem Einkommen, eine Schülerin mit guten Noten, ein weiterer Geschäftsmann, für den Geld und Konkurrenzkampf an oberster Stelle stehen und eine andere Schülerin, die für ihren Lernerfolg nicht immer ehrlich ist.

Alle vier sind erfolgreiche Menschen, in ihrem Selbstverständnis und wahrscheinlich auch im gesellschaftlichen Verständnis des Wortes Erfolg. Die Autoren des Artikels kommentieren den wohl eher aus dem esoterischen Bereich stammenden Satz: „Lebe Deinen Traum und all Deine Wünsche werden wahr“ mit dem Hinweis, dieser führt eher zu Enttäuschungen. Sie stützen sich auf die Bibel, die viele Leitsätze zum Thema Erfolg zu bieten hat.

    „Wer nur Silber liebt, wird mit Silber nicht gesättigt werden noch jemand, der Reichtum liebt, mit Einkünften“ (Prediger 5:10).

Ein materiell ausgerichteter Lebensstil macht nicht satt, er führt nicht zu Zufriedenheit. Geld macht nicht glücklich. Aber es soll beruhigen. Wirklich? Nun, ein prall gefülltes Bankkonto zu haben, beruhigt, aber was, wenn die nächste Rezession kommt, der nächste Börsencrash, die nächste Finanzkrise? Dann ist das Geld weg und mit ihm das scheinbar ruhige Leben.

    „Stolz kommt vor dem Sturz und Hochmut vor dem Fall“ (Sprüche 16:18, Zürcher Bibel).

Ehrgeiz ist kein echtes Erfolgsrezept. Ein überzogenes Ego führt eher zum Untergang, als zu echtem Erfolg. Natürlich darf ein Mensch stolz sein auf das, was er geleistet hat. Doch zu Stolz gehört Demut. Dankbarkeit für das Glück, das ich erfahren habe. Dankbarkeit für die Menschen, die zu meinem Erfolg beigetragen haben. Verständnis und Mitgefühl für die Menschen in meiner Umgebung.

    „Für einen Menschen gibt es nichts besseres, als dass er … Gutes sehen … sollte wegen seiner harten Arbeit“ (Prediger 2:24).

Eine gute Arbeitsmoral ist die beste Grundlage, seine Arbeit zu lieben. Einsatz und Ausdauer führen zu Zufriedenheit und Erfolg. Es gehört aber auch dazu zu erkennen, wenn ich den Sinn in der Arbeit nicht mehr sehe. Dann heißt es, Konsequenzen ziehen.

    Ein lebender Hund [ist] besser daran … als ein toter Löwe“ Prediger 9:4)

Der Beruf sollte nur einen Teil des Lebens ausmachen und nicht das ganze Leben ausfüllen. Was nützt Erfolg, wenn man sich dadurch die Gesundheit ruiniert oder seine Familie verliert? Aller Reichtum, aller Erfolg, alle gesellschaftliche Anerkennung sind nichts wert, wenn ich mit 45 Jahren einen Herzinfarkt erleide oder mir abends meine Bratkartoffeln alleine zubereiten muss.

    „Glücklich sind die, die sich ihrer geistigen Bedürfnisse bewusst sind“ (Matthäus 5:3)

Materielle Sorgen lassen sich abbauen, wenn man sich seiner spirituellen Bedürfnisse bewusst ist. Der Mensch ist ein Körper – Seele – Geist-System. Alle Teile benötigen Aufmerksamkeit und „Nahrung“. Und alles hat seine Zeit und alles braucht seine Zeit.

Was ist nun Erfolg?

Auf diese Frage gibt es keine Antwort. Erfolg ist das, was jeder Mensch für sich selbst als Erfolg definiert. Ein schwerkranker Mensch wird es als Erfolg ansehen, überlebt zu haben. Ein Firmengründer wird es als Erfolg ansehen, sich mit seinem Unternehmen am Markt zu behaupten. Ein Sportler wird es als Erfolg ansehen, seine persönliche Bestleistung übertroffen zu haben. Ein Arzt wird es als Erfolg ansehen, einem Menschen das Leben gerettet zu haben.

Geld kann ein Gradmesser für Erfolg sein. Arbeite ich viel und hart und verdiene damit viel Geld, dann fühle ich mich erfolgreich. Aber was ist mit den Menschen, die in Pflegeberufen arbeiten, an der Kasse im Supermarkt sitzen oder Büros putzen und dafür nur wenig Geld bekommen? Sind sie nicht erfolgreich, weil sie für ihre Arbeit wenig Geld erhalten?

Was ist mit Unternehmern, die durch Missmanagement ihr Unternehmen an den Rand des Ruins bringen und dafür große Abfindungen erhalten? Sie müsste ja dann ganz besonders erfolgreich sein?

Geld ist nur ein sehr bedingter Gradmesser des Erfolges. Würde Arbeit nach ihrem tatsächlichen Wert entlohnt, würde Missmanagement durch persönliche Haftung geahndet, dann wäre Geld ein Gradmesser für Erfolg. Die Realität sieht anders aus.

Erfolg beinhaltet Lebenssinn, Anerkennung, Zufriedenheit. Niederlagen gehören zum Erfolg. Rückschläge gehören zum Erfolg. Innehalten und Pausieren gehören zum Erfolg.

Erfolg liegt man manchmal im Kleinen, Alltäglichen. Albert Einstein hat es auf den Punkt gebracht:

Holzhacken ist deshalb so beliebt, weil man bei dieser Tätigkeit den Erfolg sofort sieht.

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