Politik & Gesellschaft

„Wir schaffen das“

Von der Bedeutungslosigkeit eines bedeutenden Satzes

Der Satz von Bundeskanzlerin Angela Merkel „Wir schaffen das“ ist wohl einer der bedeutendsten Sätze des Jahres 2015. Er ist in aller Munde, fast schon ein geflügeltes Wort. Ein genialer Satz der Kanzlerin, oder doch nicht?

Es war im August 2015, als Angela Merkel auf einer Presskonferenz zur Flüchtlingsproblematik vor Journalisten ihren berühmten Satz sagte. Frau Merkel ging damals von vermutlich 800.000 Flüchtlingen im Jahr 2015 aus und beschrieb die Situation als „eine große nationale Aufgabe“. Selbstbewusst und bestimmt sagt sie: „Wir schaffen das, und wo uns etwas im Wege steht, muss es überwunden werden.“

Der Satz ist nicht neu. „Wir werden es schaffen“ – so hatte sich Bundeskanzler Helmut Kohl im Jahr 1990 zur Deutschen Einheit geäußert. „Yes, we can“ schmetterte Barack Obama einst seinem Wahlvolk entgegen und wurde Präsident der USA. Frei übersetzt – „Ja, wir schaffen das“. Doch die Quelle des historischen Satzes ist viel einfacher. Bob der Baumeister singt in seinem Lied: „Bob der Meister! Könn’ wir das schaffen? Bauarbeiter! Yo, wir schaffen das!“.

Na wenn ein kleiner Plastikbauarbeiter mit gelbem Helm und Schaufel optimistisch in die Zukunft schaut, warum dann nicht auch Angela Merkel.

Die Baustelle Flüchtlinge dürfte jedoch um einiges schwieriger zu bearbeiten sein. Was genau hat Angela Merkel eigentlich gesagt? „Wir schaffen das“. Das klingt gut, kurz, knackig, prägnant. Und klar, es ging in der Pressekonferenz um die Flüchtlinge, die nach Deutschland strömen. „Wir schaffen das“ kann sich ja nur auf dieses Thema beziehen. Im Zusammenhang betrachtet stimmt das. Es geht um die Flüchtlingsproblematik. Das was genau „schaffen“ wir und wer ist „wir“?

Das verschweigt uns Frau Merkel. Wir ist unbestimmt. Wir, das können alle Deutschen sein oder zumindest diejenigen in Deutschland mit deutschem Pass Lebenden. Oder meinst sie nur diejenigen, die Willens sind, mit anzupacken, weil man auf die anderen eh nicht setzen kann? Oder meint Sie ihre Regierung? Wir wissen es nicht.

Und was sollen wir schaffen? Die Flüchtlinge in Deutschland zu integrieren? Sie gerechter auf Europa zu verteilen? Europa zur Festung auszubauen um sie fernzuhalten? Oder sie schnell wieder loswerden? Auch das sagt uns die Kanzlerin nicht.

Was hat sie also mit ihrem Satz „Wir schaffen das“ gesagt? Nichts. Absolut nichts. Der bedeutendste deutsche Satz des Jahre 2015 ist völlig ohne Inhalt. Entlehnt aus einem Kinderlied ist er eine leere, von Politikern jedoch gern genutzte Phrase. Ohne Bedeutung.

Lesen Sie weitere Artikel zum Thema SPRACHE und KOMMUNIKATION

Stichworte:
, , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Einen Kommentar schreiben

©2017 – blicklicht-leben.de – Burnout-Therapeut & Burnout-Coach Mirko Seidel, Sigismundstraße 3, 04317 Leipzig, Telefon: 0341 46 86 68 73
Burnout & Depressionen - Beratung, Coaching, Hilfe, Prävention, Perspektiven, Unterstützung  -  Kontakt   -   Impressum