Politik & Gesellschaft

Zeit für Müßiggang

Zeit für Ruhe

In der „Internationale“, dem wohl weltweit bekanntesten Arbeiterlied, heißt es: „Die Müßiggänger schiebt beiseite!“ Der Text stammt aus dem Jahr 1871, die Melodie aus dem Jahr 1888, also aus der Zeit der industriellen Revolution. Die Welt wurde schneller, lauter, rückte näher zusammen. Fortschritt hieß der anbetungswürdige Götze. Auf der anderen Seite stand die materielle, körperliche und seelische Ausbeutung von Millionen von Menschen als Preis. Die noch jungen sozialdemokratischen Parteien in Europa sahen sich als Sprachrohr der Arbeiterbewegung und als die Befreier der unterdrückten Schichten. Mit Müßiggänger waren all diejenigen gemeint, die sich der neuen Idee einer sozialen, proletarischen Welt in den Weg stellten.

Das ist nun mehr als 130 Jahr her. Was ist mit den Müßiggängern heute? Es hat sich im Prinzip nichts geändert. Wer die geforderte Leistung nicht erbringt, wer langsamer im Denken und Handeln ist, wird als Bremsklotz angesehen. Ein bisschen sozialer ist die Welt – zumindest in Deutschland – aber geworden. Die Arbeits-Müßiggänger werden heute nicht mehr einfach beiseitegeschoben, sie werden abgeschoben, in die Sozialkassen und mit Almosen versorgt. Die geistigen Müßiggänger, und damit meine ich nicht Menschen mit geistiger Behinderung, sondern Menschen, die Nachdenken, die hinterfragen, die Kritik äußern werden in eine Nische gedrängt, wenn sie sich nicht bereits selbst dahin zurückgezogen haben, Hauptsache, sie stehen nicht im Weg herum.

„Die Müßiggänger schiebt nach vorne“ sollte es besser heißen. Leistung ja, aber nicht bis zum Limit und darüber hinaus. Querdenken und Nachfragen, laut denken. Müßiggang als Teil des Lebens anerkennen. Wer leistet, der muss sich auch ausruhen. Und wir alle brauchen Zeit zum Nachdenken – über uns, unser Leben. Nur so lassen sich Abweichungen vom Lebensweg erkennen und korrigieren.

Nehmen wir uns also Zeit zum Müßiggang.

Lesen Sie den Leitartikel zum Thema ZEIT.

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