Politik & Gesellschaft

„Zwei Caipis ohne, bitte“

Über die Verstümmelung der deutschen Sprache

Die Seuche des deutschen Aküfi grasiert und fordert immer mehr Opfer – Worte der deutschen Sprache. Kaum ein Brief, eine E-Mail, ein Fax ohne Abkürzungen. Vom SMS ganz zu schweigen, dort hat der Aküfi längst die Oberhand gewonnen.

Wird aus der Sprache der Dichter und Denker die Sprache der sinnlosen Buchstabenreihungen?

Vor kurzem saß ich in einer Bar. Eine junge Frau neben mir bestellte „zwei Caipis ohne, bitte“. Ich überlegte. Caipis? Ohne was? Ohne Rum, ohne Eis, ohne Glas?
Der Kellner stellte zwei Gläser Caipirinha ohne Eis auf den Tresen. Aha, dachte ich, ohne Eis also. Aber warum konnte die junge Frau neben mir das nicht auch so bestellen?

Vielleicht liegt es daran, dass Abkürzungen längst zum alltäglichen Sprachgebrauch gehören. Ein schnelles Fax unterschrieben mit MfG. MfG – mit frivolen Gedanken? Mit frommen Gelübden? Mit frechem Grinsen? Es liegt am Empfänger, die Abkürzung zu deuten. Natürlich weiß jeder, MfG heißt: Mit freundlichen Grüßen. Reicht die so eng bemessene und mit Arbeit vollgepackte Arbeitszeit nicht mehr aus, diese drei Worte auszuschreiben?

Ich pack noch einen drauf – die SMS-Sprache. Es gibt inzwischen Internetseiten die mir erklären, was die Abkürzungen in einer SMS bedeuten. Und schon fast wie selbstverständlich, entstammen viele dieser Abkürzungen der englischen Sprache. Da liest man so skurrile Dinge, wie:

  • 10MIN2Late für „Verspäte mich um 10 Minuten“,
  • 2G4U für „zu gut für dich“,
  • 2L8 für „zu spät“,
  • 4e für „für immer“,
  • 8ung für „Achtung“ (immerhin dem Deutschen entlehnt),
  • AKLA für „Alles klar“ (wow, schon wieder deutsch),
  • Asap für „So bald wie möglich“,
  • BBB für „Bis bald Baby“,
  • BIDUNOWA für „Bist du noch wach?“,

Und als Höhepunkt:

FANTA für „Fahre noch Tanken“

An das HDL für „Hab Dich lieb“, hat man sich ja inzwischen schon gewöhnt. Aber man stelle sich vor, man liegt abends im Bett, wartet auf den Liebsten oder die Liebste und bekommt von selbigem oder selbiger folgende SMS:

„HI, BIDUNOWA?10MIN2Late, STIMST, FANTA, BIGLEZUHAU, fyi, BVID. BBB, GUK.

Da schläft die Liebe ein.

Ach Sie wollen wissen, was in der SMS steht? Hier die Übersetzung:

„Hi, bist Du noch wach? Komme 10 Minuten später, stand im Stau, fahre noch tanken. Bin gleich zuhause. Zu Deiner Information: Bin verliebt in Dich. Bis bald, Baby, Gruß und Kuss.“

Manche Abkürzung hat sich fest im deutschen Sprach- und Schreibgebrauch verankert. Zum Beispiel, und so weiter, und andere schreibt wohl kaum noch jemand aus.

Was aber z.d.A. auf einem behördlichen Schreiben heißt, da musste ich lange nachdenken: zu den Akten.

In eine SMS passt nicht viel rein, da muss man abkürzen. Man könnte jedoch auch anrufen und dem Anderen sagen, was man vom ihm will. Kostet auch nicht mehr und erhöht die Sprach- und Sozialkompetenz.

Ach so, Sie wollen noch wissen, was Aküfi ist? Der Abkürzungsfimmel.

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