Persönlichkeitsentwicklung

Selbstoptimierung

Selbstoptimierung ist in aller Munde. Das ständige Arbeiten an sich selbst, optimaler zu machen, was da ist scheint unausweichlicher Lebensinhalt aller derjenigen zu werden, die mit allem, was schon da ist, nicht zufrieden sind.

„Sollen wir Menschen uns so akzeptieren, wie wir sind? Nein, wir können uns gar nicht genug optimieren!
Selbstoptimierung: Im wohlstandsgesättigten Westen hat das einen schlechten Beiklang bekommen. Zu Unrecht. Wer sich nicht optimiert, hat sich aufgegeben.“

So steht es in der Neuen Zürcher Zeitung. Im Gegensatz zum Optimierungswahn stimmen Klagegesänge an, die Selbstoptimierung mit Zwang, Sucht oder Wahn gleichsetzen. Die Mahner heben den Finger vor dem Verbiegen des Menschen nach den Vorgaben der Leistungsgesellschaft und der Unterwerfung des Menschen unter die Diktatur der Perfektion. Akzeptiere dich, wie du bist! So heißt die Losung der Anti-Selbstoptimierer.

Der Begriff Selbstoptimierung ist ausgelutscht, wird zur hohlen Phrase für diejenigen, die gar nicht wissen, was das ist. Natürlich kann ich mich so akzeptieren, wie ich bin. Zufrieden sein mit mir und meinem Leben. Halte ich das zu 100% durch, entsteht Stillstand, Rückwärtsgewandheit und Überheblichkeit. Denn unser Umfeld ändert sich jeden Tag. Wer stehen bleibt, bleibt zurück.

Jeder Mensch, der schon einmal in sozialer Not gelebt hat oder in einer Diktatur ausgeharrt hat kann mit der selbstverordneten Lebensgemütlichkeit nichts anfangen. Diese Menschen wissen nur zu gut was es heißt, sich und sein Leben optimieren zu können.

Vielleicht ist nur das Wort falsch gewählt? In der Mathematik bedeutet Optimierung, optimale Parameter eines meist komplexen Systems zu finden. Die Mathematik ist klar strukturiert, wir Menschen sind es nicht. Gibt es ein besseres Wort für Selbstoptimierung? Vielleicht spricht man eher davon, das Beste aus sich selbst zu machen. Das Beste aus sich selbst herauszuholen. Das Beste aus dem zu machen, was die Natur uns mitgegeben hat.

Wer es ablehnt, sich und sein Leben besser zu machen, muss sich das auch leisten können. Höre ich auf zu lernen, habe ich es schwer im Berufsleben. Höre ich auf an mir, meinen Werten und Einstellungen zu arbeiten, werde ich leicht zum einsamen Außenseiter.

Würden Sie sich von einem Arzt operieren lassen, der sich nach seinem Studium nicht mehr weitergebildet hat? Ich nicht. Würden Sie einem Richter vertrauen, der nach juristischen Regeln des Mittelalters Recht spricht? Ich nicht.

Es geht nicht darum, wie ich es nenne. Es geht darum, was ich daraus mache. Nennen Sie ihren ständigen Wandlungsprozess, wie sie wollen. Hauptsache, Sie erkennen, wer Sie sind, was Sie können, was Sie wollen und arbeiten ständig an der Beantwortung dieser Fragen. Pausen dürfen gerne sein.

Quelle: https://www.nzz.ch/feuilleton/selbstverbesserung-wer-sich-nicht-optimiert-hat-sich-aufgegeben-ld.1457304

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Autor: Mirko Seidel am 8. Feb 2019 09:37, Rubrik: Persönlichkeitsentwicklung, Themen, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben,

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